Meine Prophezeiung für das 3. Jahrtausend

Ouroboros © Matthias Mala
Am Vortag zu diesem Jahrtausend dichtete ich einen Vers, in dem ich weit zurück und weit voraus schaute und seitdem bemerke ich jeden Tag erneut, wie prophetisch meine Aussage war:

hähähähähä

Und da sagt sich was
und da hört sich was
und da will was gerüchtet
und geunkt und berichtet
und ausgerichtet
und man hört und hört nichts
und es geht aus dem maul ohn unterlaß
brauner fluß und
gelber geisch und
grüner geifer

grulbsch wurrlsch bullsch
hai hoii doi
mort rumort
tort und port und
mord ohn ort
pford pford pforz
stank und stunk
brunzt ins ohrloch
schifft ins hirn und
verhakt und verkackt und
und und und wund wund wund

wer das liest ist
am ende
eines jahrtausends

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Blasen, nichts als Blasen

Von Mtag – Eigenes Werk, CC0,

In der Ludwigskirche in München findet sich das zweitgrößte Altarfresko der Welt. Es wurde von Peter von Cornelius gemalt, der bei den Nazarenern, einer romantische Künstlergruppierung, maßgebend war. Das Fresko zeigt das Jüngste Gericht, oder auf die sozialen Internetmedien übertragen die Filterblase Jesus, samt seiner Trolle. Denn zu seiner Rechten fahren die Guten, vorwiegend Frauen und Kleriker in den Himmel, während zu seiner Linken die Sünder in die Hölle fallen. Dazu ein illustratives Aperçu, zur Linken des Herrn, fährt auch der Geheimrat Goethe (zweite Reihe von unten rechts) ob seiner Völlerei ins Fegefeuer. Allerdings ist sein Körper gut definiert, was wohl eher als eine zynisch paradoxe Anspielung auf seine tatsächliche Leibesfülle zu verstehen ist.

Jedenfalls ist in diesem Fresko alles enthalten, was der Heiland für seine funktionierende Welt brauchte: Jünger und Feinde. Feinde waren alle, die nicht seine Anhänger waren, also Römer und bibeltreue Juden, die sich von seinen kruden Ideen unbeeindruckt zeigten. Krude waren seine Ideen aus jüdischer Sicht allemal. Als Prophet hätte man ihn womöglich noch toleriert, aber als Gottessohn niemals. Das war Blasphemie.

Dazu fällt mir ein, dass das „Heilandsalter“ bei 33 Jahren liegt. Damit meint der Volksmund, dass ein junger Mann spätestens mit 33 den jugendlichen Sturm und Drang samt der revolutionären Rechthaberei ablegt und zur Verwirklichung der eigentlichen Dinge des Lebens schreitet, das heißt häuslich wird, Familie gründet und die verbliebenen Flausen an der Realität misst. – Demnach könnte man auch sagen, dass das Neue Testament im Grunde die Geschichte eines Heißspornes ist, der sein junges Leben seiner reinen Lehre wegen in den Sand gesetzt hatte. Jedenfalls denke ich mir, sähe heute das Christentum anders aus, wäre der Gesalbte 66 Jahre oder älter geworden.

Egal, was ich skizzieren will, ist dass wir Menschen uns gerne zusammenrotten. In einer Rotte fühlen wir uns geborgen, anerkannt und zugehörig. Die Rotte verleiht dem einzelnen Schutz und Macht. Dazu braucht es aber auch den Fremden, jenen, der nicht zur Rotte zählt. Jetzt im Sommer können wir dieses Verhalten auf jeder Liegewiese beobachten, da rotten wir uns zu Gruppen zusammen, bilden Kreise, die Gesichter nach innen, das ist kommunikativ, die Rücken nach außen, das ist abgrenzend und abwehrend. Jeder Mensch versteht dieses Verhalten und wird sich nur mit Bedacht einer solchen Gruppe nähern. Streitigkeiten entstehen dann, wenn Fremde diese Kreise stören, oder wenn die eine Rotte, das Bier einer anderen aus deren Träger im Bach nimmt.

Einerseits bietet eine Rotte Annehmlichkeiten, andererseits werden sie nur zum Preis der Einordnung gewährt. Nur wer ihre Hierarchie anerkennt und den gleichen Trommelschlag, sprich Zungenschlag beherrscht, darf in der Rotte bleiben. Andernfalls wird er ausgegrenzt und kann, sofern er die Bindung nicht aufgibt, unter Umständen als Schamane oder seltsamer Heiliger am Rande überdauern. In der Antike waren es die Säulenheiligen, später in der Kirche die Einsiedler, die ihrerseits durch ihre karge Existenz, indirekt zumindest in ihrer Feigenblattfunktion das Wohl der Gemeinschaft belebten. Schließlich konnte sich so die Rotte ihrer Toleranz rühmen, ihr Image pflegen und zugleich unruhigen Geistern zeigen, was ihnen blüht.

Aktuell können wir dieses redundante Verhalten an den Konflikten zwischen Einwanderern und Einheimischen ablesen. Wann immer es ein Verbrechen gibt, wird es instrumentalisiert, um seine eigene Gutmenschlichkeit zu demonstrieren, wobei sich links wie rechts dabei in nichts nachstehen. Dabei erhellt derlei Vereinnahmung im Grunde nur die Intoleranz der Rotte und ihren Willen zur Ausgrenzung, um ihrer inneren Befriedung willen. Man rückt ob der äußeren Feinde zusammen, wodurch die eigene Weltsicht noch wahrer wird, denn der Feind nimmt das Gesicht an, das man von ihm zeichnete. Falls er es nicht tut, ist es ebenfalls recht, denn durch seine erkennbare Reaktanz, durch die er seinem Image widerspricht, zeigt er nur seine besondere Hinterhältigkeit.

Nirgendwo lässt sich dieses destruktive Verhalten besser beobachten, als bei den Religionen. Bei ihnen geht es im Grunde nie um das wahre Leben, sondern immer nur um theologische Blasen, um Glauben und somit um vollkommenes Unwissen, das allerdings als Wissen blutig verteidigt wird. Sie sind nichts weiter als Luft, Luftblasen, Gedankenblasen, die zur geistlichen Realität werden. Indessen geschieht dabei wundersames: aus dem Nichts der Gedankenblasen, entstehen Götter, Tempel, Klöster, Macht und Reiche. Menschen verdienen und überleben, verarmen und sterben an dieser Nichtigkeit. Es im Grunde eine Geisterwelt, die so entsteht. Eine Welt für Geister, getragen von echten Menschen, die durch derlei Ideologie ihr wahres Leben leugnen und zu Untoten werden.

Helfen könnten sich solche Menschen nur selbst, indem sie Einsicht zuließen. Doch das ist schwer, denn der Glaubensgegenstand ist für den Gläubigen nicht nur eine Trost und Hoffnung spendende Wirklichkeit, sondern auch Teil seiner Identität. Er ist Christ, Muslim, Hindu oder Buddhist und jeder Verweis auf die Nichtigkeit seines Gottes ist für ihn Gotteslästerung, und die kann für den Lästerer tödlich enden.

Interessant ist dabei für mich vor allem das Zusammenspiel, das hierbei der Gläubige kreiert. Er braucht den Ungläubigen, um in seinem Glauben stark zu sein. Er braucht die Bedrohung, um standhaft zu bleiben. Er malt sich seinen Feind selbst hinter den Altar in den Osten hinein. Dort im Osten im Sonnenaufgang waltet Gott in seiner Herrlichkeit und von dort aus jagt er seine Feinde zur Hölle … und so kreist der Wahnsinn inzwischen säkularisiert, zwischen Klimarettern und Hedonisten, zwischen Linken und Rechten, zwischen FC Bayern und Borussia Dortmund und er wird kein Ende haben, denn der Wahnsinn ist identitätsstiftend. Vielleicht sollten wir eine Kirche des Wahnsinns stiften, ihr Gott wäre ein Idiot und wir Menschen ihm ebenbildlich.

Riss zum deutschen Karikaturenstreit

Drs © Matthias Mala

Chefredakteur Riss hat das Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo vom  7. Januar 2015 überlebt. Er schreibt, warum die „Moral-Kapos“ und die „Links-Islamisten“ nicht weniger gefährlich sind als die Terroristen. Satire, antwortet der Franzose dem Deutschen Jakob Augstein, kennt keine „Großen“ oder „Kleinen“. Sie kennt keine Herren – nur Dummheit, Mittelmäßigkeit und Feigheit. Sein Artikel erschien auf emma.de.

Hier ein paar Auszüge. Ich halte seine Gedanken für stichhaltig und zwingend, deswegen verweise ich als Nachtrag zu meinem letzten Blogbeitrag auf seinen Text.

Nebenbei wäre es interessant zu erfahren, wer sich nach Ansicht dieser Preuso-Intellektuellen ganz unten befindet. Alle, die unter ihnen sind? Halten sie sich also für derart weit „oben“ platziert?

Hinter dieser an Töricht kaum zu überbietenden Aussage, man dürfe die „oben“, aber nicht die „unten“ karikieren, versteckt sich ein ganz anderer, widerwärtiger Beweggrund. Es ist immer faszinierend zu beobachten, mit welchem Einfallsreichtum der Mensch sich selber Fesseln anlegt. Die Perversion ist geradezu grenzenlos, wenn es darum geht zu unterdrücken, zu ersticken und zu zensieren. Selbst in der Linken finden sich Gemüter, die verschlagen genug sind, um Regeln zur Kontrolle der Freiheit zu erfinden.

Die Freiheit, das zu tun, was man möchte, ist schier unerträglich für diese Moral-Kapos. Denn die Lust dieser Kapos besteht darin, entscheiden zu können, was erlaubt ist und was nicht. Und wenn ihnen diese Macht genommen wird, so bleibt ihnen nichts – und sie müssen feststellen, wie mittelmäßig sie sind.

Hier nochmals der Link zum Artikel der Emma online:

https://www.emma.de/artikel/charlie-hebdo-meets-franziska-becker-336977

Ich werd‘ dann mal pfäffisch

Hinblick © Matthias Mala

Pfarrer beziehen sich in ihren Predigten gerne auf kleine Begebenheiten, die das Leben schrieb; etwa die Geschichte von der armen alten Frau – alte Frauen, sind immer arm, während alte Männer stets weiß und toxisch sind, so jedenfalls die feministischen Topen – egal, Pfarrer sind um Gleichnisse bemüht. Das haben sie von ihrem Heiland, der laut Neuem Testament ein Gleichnis ums andere erzählte, um hierdurch das Falsche vom Richtigen zu unterscheiden. Also versuche ich mich auch in dieser Disziplin und greife den Schwank von der Tempelreinigung auf.

Die Geschichte erzählt, wie Jesus mit einer Geißel durch die Vorhallen des Tempels stürmte, dabei auf die Opferhändler und Geldwechsler einschlug und ihre Stände umstieß, weil er der Ansicht war, dass sie durch ihr Gewerbe den Tempel entweihten. Deswegen auch die stehende Redensart, „jemanden zum Tempel hinausgeißeln“, um die Reinigung einer Organisation von ihr schädlichen Elementen zu umschreiben. Jesus war als gnostischer Jude ein Revolutionär, der die hergebrachte Ordnung für Teufelswerk hielt. Aus dieser moralischen Selbsterhöhung zog er das Recht, andere Menschen auszupeitschen und ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Weiterlesen

Freigeist

Wolkenbrücke © Matthias Mala

Irgendwann wird es einem jeden, der kritisch in die Welt blickt, zuviel. Was er sieht, ist immer wieder das gleiche Elend. Seit Beginn der Menschheit herrschen Einfalt und Gier, gibt es Kriege und Not. Die Zeiten, in denen es für eine Generation Frieden gab, sind rar und wenn, gab es dafür meistens Gewalt und Unterdrückung im inneren des Landes. Wer also von der Dummheit in der Welt und um einen herum genug hat, nimmt sich irgendwann die Freiheit, frei zu sein. Häufig geschieht das wie eine Infektion, die sich gesellschaftlich ausbreitet. Plötzlich verändern immer mehr Leute ihren Lebensstil, rotten sich zusammen und proklamieren einen „alternativen“ Lebensstil. Das war schon in der Antike so und ist heutzutage nicht anders. Meistens haben diese Bewegungen einen religiösen oder zumindest heilsbringenden Charakter. Allerdings kann dieses Heil für viele tödlich enden. Mit Luther begann nicht nur die Reformation, sondern auch die Hexenverfolgung. Marx‘ Theorien führten zum kommunistischen Massenmord, und der euphorischen Hatz in den ersten Weltkrieg folgte der Faschismus in Europa. Weiterlesen

Verdorben

Kackender Gott © Matthias Mala

Rubinette ist eine Apfelsorte, die im Herbst und Winter wohlschmeckend ist. Mit Beginn des Frühjahrs überlagert der Apfel rasant und verdirbt von innen heraus. Äußerlich sieht er dann zwar noch köstlich aus, doch unter seiner Schale ist er faul.

Sieht man sich die katholische Kirche an, glänzt sie noch in aller Pracht, doch in sich ist sie verdorben. Allerdings ist dies kein abnormer Zustand, sondern die Normalität. Seit der konstantinischen Wende ist die katholische Kirche korrupt und zwar sowohl im Sinne von bestechlich als auch von moralisch verdorben. Denn mit der Anlehnung an die politische Macht wurden ihre Priester auch mächtig genug, ihren Sexualtrieb mit wem und wie sie wollten zu stillen. Die kirchliche Sexualmoral galt nur für das Volk, während die Geistlichkeit über jeglicher Sünde stand, egal wie sündhaft sie sich verhielt. Weiterlesen

Selbstsuche

Kotz
Selbstentdeckung © Matthias Mala

Eines Tages begann er oder sie zu suchen. Sie suchten nichts spezielles, ja sie wussten eigentlich nicht, was sie suchten, somit fanden sie zwar einiges, aber nicht das, was sie meinten, zu suchen; weshalb sie ihre Suche, selbst wenn gar Goldadern darunter waren, nicht befriedigte. Also hielten sie inne und überlegten, was denn das Objekt ihrer Suche sein könnte. Manche meinten, man solle Gott suchen. Doch der sei ja schon da, wussten andere, glaubhaft zu versichern. Wieder andere meinten, dass man nach Gott gar nicht suchen könne, weil sich dieser offenbaren würde. Und ehe daraus ein fürchterlicher Streit entbrannte, an dessen Ende man sich die Köpfe einschlagen würde – denn das so etwas geschähe, dafür genügte ein Blick in die Geschichte – hing man die ganze Suche ein wenig tiefer und begann, sich selbst zu suchen.

Zwar wusste niemand, der sich selbst zu suchen begann, was denn sein Selbst sei, doch hatte jeder so sein Selbstverständnis davon, was es denn sein könnte. Einige setzten sich vor Spiegel und fragten ihr Spiegelbild tagelang „Wer bist du?“ und wurden darüber verrückt. Die, die nicht verrückt wurden, fanden ihr Selbst zwar auch nicht, doch sie glaubten es gefunden zu haben, just nachdem sie gemeinsam mit ihrem Spiegelbild einschliefen und meinten fortan, erleuchtet zu sein. Andere machten andere verrückte Dinge, sie hatten Sex oder nahmen Drogen bis sie delirierten, andere schufteten 16 Stunden am Tag, wieder andere gründeten Familien oder gingen in die Politik, allesamt fanden sie ihr Selbst und bewahrten es. In Wahrheit aber sperrten sie sich selbst in den Käfig ihrer eigenen Vorurteile von sich selbst. Jedoch die meisten von ihnen waren damit glücklich. Gelegentliche Zweifel überwanden sie, indem sie andere darüber belehrten, wie man zu sich selbst finden konnte. Letztlich starb ihr Selbst mit ihnen selbstzufrieden. Weiterlesen