So sinnlos schön die Schöpfung

Sinnlosigkeit © Matthias Mala

Vor gut zwei Jahren kontemplierte ich hier bereits, über den Sinn der Sinnlosigkeit, allerdings kam ich damals zu einem anderen Schluss.

In einigen ebenso stillen wie hellen Momenten erkenne ich: Alles ist sinnlos. Die Welt ist sinnlos, und ihr Schöpfer sinnbefreit. Nichts macht Sinn!

Doch Stopp! Nichts macht Sinn, macht Sinn. Damit meine ich, insoweit alles sinnlos ist, ist allein die Sinnlosigkeit sinnig. Freilich hilft diese Einsicht nicht weiter, sondern verstärkt nur den Eindruck einer das gesamte Universum durchdringenden Sinnlosigkeit. Manch einer mag in den sinnig erscheinenden Zusammenhängen, die das Universum erhalten und beleben, einen Sinn erkennen, doch sinnig ist das nicht. Schließlich muss jedes Universum strukturiert sein, andernfalls würde es mit seiner Schöpfung zerfallen.

Mag sein, das so etwas permanent geschieht, weil der liebe Gott doch würfelt; zumindest würde diese Annahme die Sinnlosigkeit von allem aus einer anderen Sicht erklären. Die Struktur des Universums bleibt gleichwohl unsinnig, weil sie zwecklos ist und somit zu keinem Endzweck führt. Die Welt entstand oder wurde geschöpft, um letztlich zu verfallen und zu verwehen. Wenn Sie so wollen, sind wir nur ein Hauch, ausgehaucht, kurzweilig konkret und schließlich spurlos vergangen. Dies mag manchem in seiner Sinnlosigkeit grausam erscheinen, trägt jedoch in sich einen bezaubernden Zug, der gar von besonderer Schönheit ist; denn es verrät, dass Sein unabhängig von jeglicher Stofflichkeit ist, die es durchwirkt oder ihm Gefäß wird. Egal, wie und was, Sein ist eine ewige Dimension, die selbst in absoluter Nichtigkeit noch seiend ist; zumindest von kühler Logik her, weil absolutes Nichts in sich zwar ein dauerhafter, wenn auch zeitloser Zustand wäre.

Wobei ich anmerken möchte, dass ein Nichts der formalen Logik entsprechend im wesentlichen ein Akt der Erkenntnis ist und somit ohne Erkennenden inexistent wäre. Gleichwohl vermag Nichts mit jedem Erkennenden jederzeit aufzuscheinen, sobald dieser über es nachdenkt, wodurch es zumindest eine intermittierende Erscheinung bleibt. Somit korrigiere ich: das oder ein Nichts ist keineswegs dauerhaft geschweige denn ewig, sondern scheint nur auf, sobald es bedacht wird; andernfalls ist es nicht mal Nichts. Jedenfalls bietet es so dem Nachdenklichen Gelegenheit, für eine Millisekunde Zeitlosigkeit zu verstehen, ehe sein Verstand einsetzt und er die erlittene Erkenntnis vergeblich bedenkt.

Doch Schluss mit dem Geplänkel, das für mich nur diese Weile Sinn machte und mir nun bereits sinnlos erscheint; obzwar ich damit meine Rede über die Sinnlosigkeit unterbrach und ihr somit Sinn verlieh. Denn das ist das tröstliche an einer sinnlosen Existenz, wie wir sie universal führen, wir können selbst im Sinnlosen noch Sinn stiften. So habe ich beispielsweise rund hundert Bücher geschrieben und mehr als tausend Bilder gemalt, wohl wissend, dass es an sich sinnlos war, weil Bücher wie Bilder vergehen werden. In 100.000 Jahren wird es wohl keinen Menschen geben, der sie betrachten wird. Es werden dann Bilder, Bücher und Menschen verschwunden sein. Selbst wenn ich mein Werk in einem Tresor für die Ewigkeit verschließen könnte, würde spätestens in fünf Milliarden Jahren die Erde in der Sonne verglühen und mit ihr all unsere Dummheit und Wissen spurlos verschwunden sein. Auch das ist für sich sinnstiftend, weil tröstlich; denn es wird niemanden geben, der unser sinnloses Sein nachträglich noch deuten und bewerten wird.

Somit verbleibt es an uns, Sinn zu stiften und partiell Sinnvolles zu schaffen. Hierdurch setzen wir Schönheit in die Welt. Was für sich ebenso sinnig wie sinnlos ist. Genauso können wir Sinnloses kreieren, indem wir zerstören, missachten, degenerieren und hierdurch der Abscheulichkeit huldigen. Auch diese Form der Destruktion mag für den Zerstörer sinnvoll sein. Wir erinnern uns heute noch an den Brand des Tempels von Ephesos, durch den der Brandstifter Herostratos bis in unsere Tage Weltruhm erlangte. Womit er gleichfalls ein Beispiel für sinnlose Sinnstiftung gab. Es mag grausam klingen, aber unsere Geschichte ist voll herostratischer Taten, und wir erinnern sie oft leichter als die guten. Wer zum Beispiel kennt heute noch Albert Schweitzer, der für seine guten Taten in Lambaréné 1952 den Friedensnobelpreis erhielt. Seine Arbeit machte nicht nur für ihn, sondern für viele Menschen, denen er das Leben rettete, unmittelbaren Sinn.

Somit komme ich zum Schluss. Sinn macht einzig die individuelle Sinnstiftung, die man in seinem Leben findet und umsetzt. Sie ist zugleich unser Lebenssinn. Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben finden, sterben, wenn nicht körperlich so zumindest seelisch. Für viele mag darob einzig die allmähliche Selbstzerstörung durch Laster und Drogen noch einen gewissen Sinn machen, wenn auch nur einen abgeleiteten, um der Sinnlosigkeit willen. Überdies leiten viele für sich Lebenssinn aus dem Transzendenten ab, indem sie eine Gottheit imaginieren. Es sind jene, die mit der Schlichtheit der Sinnlosigkeit nicht klarkommen wollen. Es sind Personen, die sich einen gewissen infantilen Narzissmus erhalten haben und ohne diese kleine Krücke nicht zur eigenen Sinngebung im Leben finden. Sei‘s drum, das eine wird wie das andere verwehen. Machen wir bis dahin das beste daraus.

Können wir es, kreieren wir gar einen Sinn fürs Glück – ich meine einen seelischen Sinn – und werden hierdurch zum Schöpfer unseres Paradieses. Denn gute und wahre Sinnstiftung kann zum Glücksborn für ein ganzes Leben werden; und das ist eine wahrhaft göttliche Gabe. Wem das gelingt, der lebt die Schönheit eines sinnlosen Daseins und scheint von Liebe berührt.

Werbeanzeigen

Religiöse Versprechungen, eine wahre Geschichte kastrierten Mannesmutes

Willi © Matthias Mala

Vor langer, langer Zeit, im Jahre 1881 stand der Ochse Willi auf einer saftigen Wiese bei Berg am Würmsee. Auf der Weide daneben wurde gerade der Stier Schorschi am Nasenring geführt, um eine stierige Kuh zu bespringen. Willi hatte keine Ahnung, was da wirklich vor sich ging, doch an Schorschis rollenden Augen, seinem Schaum vorm Maul und seinem kehligen Muhen schloss er, dass Schorschi gerade etwas sehr beglückendes durchlebte. Also fragte er ihn später, was er tun müsse, um gleichfalls solche Freuden erfahren zu können.

Schorschi blickte Willi spöttisch an und wollte schon einen derben Witz reißen, doch dessen einfältiger Blick stimmte ihn mitleidig und er schaukelte erstmal seine Hoden, vor Willi, ehe er begann, dem Ochsen diesen Bären aufzubinden.

„Weißt du Willi, dir fehlen die Klöten der Glückseligkeit; deswegen kannst du mit deinem Pimmel nur pissen, und deswegen ist er auch nur für den Ochsenziemer gut, mit dem mir der Bauer Paroli bietet, sobald mir die Flinte juckt.“ Weiterlesen

Machtmissbrauch

Machtmissbrauch © Matthias Mala

Die Ambivalenz des Begriffes „Machtmissbrauch“ wurde mir erstmals deutlich, als er in Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf der Deutschen Bischofskonferenz 2018 in Fulda kolportiert wurde. Es war der Versuch der Bischöfe diese Verbrechen vordergründig zu erklären, während man sie zugleich hintergründig zu relativieren versuchte. Jedenfalls konnte man die Unzahl der Vergewaltigungen von Kindern und Jugendlichen, von Jungen und Mädchen nicht mehr mit pädophilen Einzeltätern abtun – dafür waren es zuviele. Also begründete man die Untaten mit dem Machtmissbrauch durch in ihrer sexuellen Entwicklung blockierte Kleriker. Davor kannte ich Machtmissbrauch als Synonym für Willkür von Gewaltherrschern und somit als einen politischen Begriff.

Im Grunde ist der Begriff ohnehin unsinnig, denn jeder Macht ist ihr Missbrauch immanent. Macht haben beinhaltet stets auch die Möglichkeit, sie zu missbrauchen. Selbst die liebevolle Macht der Eltern ist missbräuchlich, denn Eltern besitzen die Macht, ihr Kind zu formen. Sie tun es meist in bester Absicht, dennoch formen sie und wissen nicht, was sie dadurch deformieren. Deshalb weiß beinahe jeder Mensch zu klagen, was in seinem Leben anders und besser gelaufen wäre, hätten die Eltern nicht … egal was: sich nicht scheiden lassen; nicht zu oft den Wohnsitz gewechselt oder hätten sie einen härter oder sanfter angefasst. Im Nachhinein wird mal die nicht angewandte, mal die angewandte Macht als missbräuchlich empfunden. Weiterlesen

Meine Prophezeiung für das 3. Jahrtausend

Ouroboros © Matthias Mala
Am Vortag zu diesem Jahrtausend dichtete ich einen Vers, in dem ich weit zurück und weit voraus schaute und seitdem bemerke ich jeden Tag erneut, wie prophetisch meine Aussage war:

hähähähähä

Und da sagt sich was
und da hört sich was
und da will was gerüchtet
und geunkt und berichtet
und ausgerichtet
und man hört und hört nichts
und es geht aus dem maul ohn unterlaß
brauner fluß und
gelber geisch und
grüner geifer

grulbsch wurrlsch bullsch
hai hoii doi
mort rumort
tort und port und
mord ohn ort
pford pford pforz
stank und stunk
brunzt ins ohrloch
schifft ins hirn und
verhakt und verkackt und
und und und wund wund wund

wer das liest ist
am ende
eines jahrtausends

Blasen, nichts als Blasen

Von Mtag – Eigenes Werk, CC0,

In der Ludwigskirche in München findet sich das zweitgrößte Altarfresko der Welt. Es wurde von Peter von Cornelius gemalt, der bei den Nazarenern, einer romantische Künstlergruppierung, maßgebend war. Das Fresko zeigt das Jüngste Gericht, oder auf die sozialen Internetmedien übertragen die Filterblase Jesus, samt seiner Trolle. Denn zu seiner Rechten fahren die Guten, vorwiegend Frauen und Kleriker in den Himmel, während zu seiner Linken die Sünder in die Hölle fallen. Dazu ein illustratives Aperçu, zur Linken des Herrn, fährt auch der Geheimrat Goethe (zweite Reihe von unten rechts) ob seiner Völlerei ins Fegefeuer. Allerdings ist sein Körper gut definiert, was wohl eher als eine zynisch paradoxe Anspielung auf seine tatsächliche Leibesfülle zu verstehen ist.

Jedenfalls ist in diesem Fresko alles enthalten, was der Heiland für seine funktionierende Welt brauchte: Jünger und Feinde. Feinde waren alle, die nicht seine Anhänger waren, also Römer und bibeltreue Juden, die sich von seinen kruden Ideen unbeeindruckt zeigten. Krude waren seine Ideen aus jüdischer Sicht allemal. Als Prophet hätte man ihn womöglich noch toleriert, aber als Gottessohn niemals. Das war Blasphemie. Weiterlesen

Riss zum deutschen Karikaturenstreit

Drs © Matthias Mala

Chefredakteur Riss hat das Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo vom  7. Januar 2015 überlebt. Er schreibt, warum die „Moral-Kapos“ und die „Links-Islamisten“ nicht weniger gefährlich sind als die Terroristen. Satire, antwortet der Franzose dem Deutschen Jakob Augstein, kennt keine „Großen“ oder „Kleinen“. Sie kennt keine Herren – nur Dummheit, Mittelmäßigkeit und Feigheit. Sein Artikel erschien auf emma.de.

Hier ein paar Auszüge. Ich halte seine Gedanken für stichhaltig und zwingend, deswegen verweise ich als Nachtrag zu meinem letzten Blogbeitrag auf seinen Text.

Nebenbei wäre es interessant zu erfahren, wer sich nach Ansicht dieser Preuso-Intellektuellen ganz unten befindet. Alle, die unter ihnen sind? Halten sie sich also für derart weit „oben“ platziert?

Hinter dieser an Töricht kaum zu überbietenden Aussage, man dürfe die „oben“, aber nicht die „unten“ karikieren, versteckt sich ein ganz anderer, widerwärtiger Beweggrund. Es ist immer faszinierend zu beobachten, mit welchem Einfallsreichtum der Mensch sich selber Fesseln anlegt. Die Perversion ist geradezu grenzenlos, wenn es darum geht zu unterdrücken, zu ersticken und zu zensieren. Selbst in der Linken finden sich Gemüter, die verschlagen genug sind, um Regeln zur Kontrolle der Freiheit zu erfinden.

Die Freiheit, das zu tun, was man möchte, ist schier unerträglich für diese Moral-Kapos. Denn die Lust dieser Kapos besteht darin, entscheiden zu können, was erlaubt ist und was nicht. Und wenn ihnen diese Macht genommen wird, so bleibt ihnen nichts – und sie müssen feststellen, wie mittelmäßig sie sind.

Hier nochmals der Link zum Artikel der Emma online:

https://www.emma.de/artikel/charlie-hebdo-meets-franziska-becker-336977

Ich werd‘ dann mal pfäffisch

Hinblick © Matthias Mala

Pfarrer beziehen sich in ihren Predigten gerne auf kleine Begebenheiten, die das Leben schrieb; etwa die Geschichte von der armen alten Frau – alte Frauen, sind immer arm, während alte Männer stets weiß und toxisch sind, so jedenfalls die feministischen Topen – egal, Pfarrer sind um Gleichnisse bemüht. Das haben sie von ihrem Heiland, der laut Neuem Testament ein Gleichnis ums andere erzählte, um hierdurch das Falsche vom Richtigen zu unterscheiden. Also versuche ich mich auch in dieser Disziplin und greife den Schwank von der Tempelreinigung auf.

Die Geschichte erzählt, wie Jesus mit einer Geißel durch die Vorhallen des Tempels stürmte, dabei auf die Opferhändler und Geldwechsler einschlug und ihre Stände umstieß, weil er der Ansicht war, dass sie durch ihr Gewerbe den Tempel entweihten. Deswegen auch die stehende Redensart, „jemanden zum Tempel hinausgeißeln“, um die Reinigung einer Organisation von ihr schädlichen Elementen zu umschreiben. Jesus war als gnostischer Jude ein Revolutionär, der die hergebrachte Ordnung für Teufelswerk hielt. Aus dieser moralischen Selbsterhöhung zog er das Recht, andere Menschen auszupeitschen und ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Weiterlesen