Austritt aus dem PEN

Lob der freien Meinung durch den PEN © Matthias Mala

Heute blogge ich einmal keine Kontemplation, sondern gebe vielmehr einen Anstoß zum kontemplieren – über Meinungsfreiheit, Redlichkeit, Prinzipien, Relativierungen, Anpassung an den Zeitgeist und der indirekten Bejahung von Zensur.

Der PEN ist eine internationale Vereinigung von Schriftstellern (PEN = poets essayists novelists), deren wesentliches Anliegen die Unterstützung von Autoren ist, die aufgrund ihrer Texte verfolgt, eingesperrt und drangsaliert werden. In vielen Ländern ist das Leben von Schriftstellern durch die jeweiligen Regime bedroht. Um diese Arbeit des PEN zu unterstützen, trat ich 2008 dem PEN-Deutschland bei. Zudem wird der PEN vielfach als ein Club herausragender Schriftsteller gewähnt, was freilich eher auf einem Wahn als einer nachvollziehbaren Annahme gründet.

Diese Woche habe ich meinen Austritt aus dem PEN erklärt. Der Grund, ich vermag die relativierende Haltung des PEN zur Meinungsfreiheit nicht weiter mitzutragen. Zeitgleich mit dem Versand meines Briefes (Text nachstehend), in dem ich meinen Austritt erklärte, erhielt ich die Dezember-Rundmail des PEN, in der er unter anderem seine von mir gerügte Haltung während der Proteste auf der Frankfurter Buchmesse mit folgenden Zeilen rechtfertigte:

„Das PEN-Präsidium war in dieser Frage einhellig zum Ergebnis gekommen, dass die Buchmesse als Ort, der für Toleranz gegenüber der Meinungsvielfalt steht und der nur dank dieser Meinungsvielfalt bestehen kann, jenem Gedankengut keine Bühne bieten sollte, das sich dezidiert gegen den Meinungspluralismus, die bestehende kulturelle Vielfalt und unsere freiheitliche Grundordnung wendet.

Als deutsches PEN-Zentrum setzen wir uns weltweit für Autoren ein, die in ihren Heimatländern verfolgt und in ihrem Leben bedroht werden, gerade aufgrund von Intoleranz und spalterischer Hassrede. Wir sind der Überzeugung, dass, wer geistigen Brandstiftern mit Toleranz begegnet, die Ausübung der Meinungsfreiheit preisgibt. Der Auftrag, sich gegen Intoleranz und Hass zu wenden, ergibt sich aber nicht zuletzt auch aus der in der PEN-Charta festgeschriebenen Selbstverpflichtung aller PEN-Mitglieder, sich „mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass“ einzusetzen.“

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Heidesand

Heidesand © Matthias Mala

Heidesand ist fest und dennoch sandig; gleich dem Sand in einem Sandkasten vor einem kinderlosen Haus, in dem niemand spielt. Es braucht nur einen Ast oder einen festen Absatz, um Heidesand sandig zu machen. Hineingekratzt, rieselt der Sand.

Sandig sind auch die Platzerl, die Heidesand heißen. Knabbert man an einem solchen Keks, bricht der Heidesand auf und bröselt leicht auf Brust und Teller. Heidesand ist ein typisches Weihnachtsgebäck. Eine Abart davon gibt es auch als dänische Butterkeks in Dosen übers ganze Jahr als Teegebäck. Doch darüber reden wir nicht. Ein Gedanke dazu wäre allenfalls gut zur Kontemplation darüber: warum billiges oft teuer ist, oder über die rasche Gewöhnung an niedere Standards, sprich regressive Geschmacksverbildung.

Hingegen möchte ich Ihren Blick auf die eigentliche Kontemplation lenken: Heidesand backen ist nämlich tätige Kontemplation. Präzession und Bedachtsamkeit sind beim backen für ein ansehnliches und schmackhaftes Ergebnis bedeutend.

Heidesand braucht Zeit. Sie beginnen am Abend zuvor, indem Sie ein halbes Pfund Butter zur Nussbutter schmelzen. Dazu die Butter bei mittlerer Hitze in einem Pfanderl auf dem Herd schmelzen. Die flüssige Butter ab und an rühren, so dass ihre Milchflocken nicht am Grund liegen. Sie werden, sobald der Schaum sich legt und die Butter sich klärt, allmählich goldbraun und lassen die Butter nussig duften. Die fertige Nussbutter in ein Gefäß gießen und über Nacht stehen lassen.

Am Morgen 227 g Zucker und 340 g Mehl abwiegen. Halten Sie die Gewichtsangaben ein, sonst wird Ihr Heidesand nichts. In den Zucker geben Sie das Mark einer halben Vanilleschote und eine Messerspitze gemahlenem Kardamom. Das Mehl sieben und eine Prise Salz zugeben, sowie drei Striche Zitronenschale dazureiben.

Die Butter mit dem Schneebesen Ihrer Küchenmaschine weißschaumig rühren. Alsdann esslöffelweise den Zucker unterrühren, bis Sie eine schöne Buttercreme erhalten. Zum Schluss rühren Sie noch zwei Esslöffel Milch und einen Esslöffel Rosenwasser unter. Anschließend kneten Sie das Mehl unter. Sie erhalten einen feuchttrockenen sandigen Teig.

Den Teig auf einem Brett zu etwa 3 cm dicken Rollen formen. Die Rollen stramm in Küchenfolie wickeln und in den Kühlschrank legen. Am Abend sind sie schön hart gekühlt. Jetzt nehmen Sie sich ein scharfes Messer mit einer dünnen Klinge, am besten ein Filetiermesser. Schneiden Sie die Rollen in halb Zentimeter starke Scheiben und legen Sie sie auf ein gewachstes und bemehltes Backblech oder auf ein Blech mit Backpapier. Wichtig ist, die Scheiben von der Rolle zu schneiden. Drücken Sie zu stark, zerbröseln sie.

Schieben Sie das Blech in den auf 175°C vorgeheizten Ofen und lassen Sie die Platzerl etwa 11 Minuten backen, bis sie am Rand leicht Farbe annehmen.

Bleiben Sie achtsam, gelingt Ihnen der Heidesand problemlos und Sie haben mit seiner Herstellung eine beschauliche Weile. Verstauen Sie die ausgekühlten Plätzchen in einer Keksdose und genießen Sie ein paar davon zu Ihrem Adventstee.

Hier nochmal die Zutaten:

250 g Butter
227 g Zucker mit Vanille und Kardamon versetzt
340 g Mehl mit einer Prise Salz und Zitronenschale versetzt
2 EL Milch
1 EL Rosenwasser

Wie man selbst zum Engel wird

Zum Advent eine Kontemplation aus meinem Stundenbuch der weißen Magie.

Losung

Wer in den Himmel greifen möchte, wird den Boden unter den Füßen verlieren; und wer auf festem Boden steht, wird den Himmel nicht erfassen. Die Welt ist gerecht im Ungerechten, weil sie im Ungleichen keinen Ausgleich bietet.

Versenkung

Die Pole bedingen einander, um die Form zu halten. Jenseits der Form herrscht das Formlose. Doch auch das Formlose ist Gestalt. Magie wirkt im Geformten wie im Ungeformten. Das eine ist wie das andere und doch ist beides grundverschieden. Reduzieren wir die Welt auf ihr Kleinstes, machen wir sie ebenso gleich, wie wenn wir sie ins Höchste verklären wollten. In beiden aber ist die Welt nicht mehr, sondern nur noch ihre Idee. Die Liebe weht zwischen diesen Nichtigkeiten und gar über sie hinaus, ins Unvorstellbare. Liebe ist die Spanne, die die Welt erstehen lässt. Liebe ist das milde Licht der Morgensonne, die den Tau der Nacht von den Blüten leckt und uns das Leben in die Glieder träuft. Bewahren wir die Frische dieser Stunde im Gemüt, werden wir uns selbst zum Engel, der uns führt. Ein Engel versteht es, die Schöpfung zu bewahren, indem er sie von Jetzt zu Jetzt wiederholt. Dies ist sein Anruf an das Unermessliche, sein immer neues Lied, durch das die Wiederkehr stets zur erneuten Schöpfung wird. Nicht die Erscheinung der Form oder des Formlosen ist der Akt solcher Weltwerdung, sondern das gelauschte Lied der Anrufung. Seine Stimmung temperiert die Kreation durch die harmonische Folge wohl gesetzter Töne.

Vermag ich das rechte Maß zu finden, ohne Maß zu nehmen?

Stimmung

Ich singe das Lied und wiederhole es, bis sich der Kreis schließt. Nun tönt der Kreis. Er schwingt im Widerhall der stillen Weise. Wen sie erfasst, der schwingt mit ihr. Ich bitte darum, dass meinem Ohr die Weise zeitlos schmeichelt

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Spukgeschichten

Seelenschwatz © Matthias Mala

Alle Jahre wieder ersteht im Frühjahr der Heiland von den Toten, und alle Jahre wieder ziehen wir im Herbst auf die Gottesacker, um unsere Toten an ihrer Wiederkehr zu hindern. Denn diese Wiedergänger schrecken uns, anders als die Lieblichkeit des Heilandes.

Rituale sind, solange man sie von außen betrachtet, immer merkwürdig; doch sobald sie aus einer Binnensicht gesehen werden, scheinen sie überzeugend. So sind Osterfeierlichkeiten bis Christi Himmelfahrt schließlich ein Versprechen auf den St. Nimmerleinstag, das uns dann alle gleichzeitig ereilt und weswegen dann auch niemand vor der Spukgestalt des anderen erschrickt. Da wedeln unsere Seelen den Staub davon, den ihre einstige Verkörperung hinterließ, und gehen gar leiblich ein ins Paradies.

Dort gibt es weder lästige Gespenster noch boshafte Wiedergänger, die in der Zwischenzeit allemal auftauchen und die manche Zeitgenossen dann sichten. Ich zähle mich selbst zu jenen, die meinen, Geister zu sehen. Ob ich tatsächlich welche sehe, bleibt letztlich ungewiss, es kann auch eine Dysfunktion  der Elektrik in meinem Oberstübchen sein; womöglich artet dort  mancher Funkenüberschlag zu einer geistreichen Vision aus. Wegen derlei Visionen sucht man jedoch keinen Arzt auf, sondern begibt sich, weil es Brauch ist, Anfang November auf die Friedhöfe, um Kränze und Blumen auf Gräbern abzulegen und ein Seelenlicht anzustecken. Hierdurch sollen die Toten dort bleiben, wo sie sind, hinter Friedhofmauern. – Ich werde die Tage dieses Ritual wieder begehen. Weiterlesen

Das Christentum stirbt

Engel_Chiemsee

Engel überm Chiemsee © Matthias Mala

„Das Christentum stirbt, doch der wahre Christus überlebt.“ Die Nonne, die wir seit Jahrzehnten in ihrem Konvent besuchen, sagte nicht der wahre Christ, sondern Christus. Inzwischen ist sie recht hinfällig, und jedes Gespräch mit ihr kann das letzte sein. Sie ist im wahren Sinne eine Grenzgängerin, die weiß, was Überleben bedeutet, schließlich hatte sie als Schulmädchen nach dem Krieg Lebensmittel geschmuggelt. Dazu gehört Verschwiegenheit wie Offenheit, man muss nur wissen, wo das eine und wo das andere angebracht ist.

Der Niedergang des Christentums ist offensichtlich, das Kloster, in dem sie seit über 50 Jahren lebt, hat sich geleert. Heute ist es Dienstleister für spirituelle Seminare und Exerzitien. Wobei die Seminare, die von externen Kursleitern angeboten werden, allesamt zur altbekannten esoterischen Beliebigkeit hinzuzurechnen sind, die sich inzwischen zwecks Steigerung ihres Marktwertes mit dem Begriff Spiritualität schmückt. Und so ist auch das Kloster Teil am Niedergang des Christentums, das zunehmend seinen Glauben verliert und seine Erkenntnis vergisst. Der Anfangs zitierte Satz der Nonne wirkte auf uns wie ein Vermächtnis und eine Weisung. Denn zuvor sprachen wir über die zunehmende Einsamkeit der Vernünftigen, die im Logos nicht nur die Ratio erkennen, sondern hinter dessen denkbarer Begrenzung noch eine lebendige Kraft als Dynamis erahnen, die tiefe Erkenntnis begleitet, sobald der Nachdenkliche zu stammeln beginnt. Weiterlesen

Ich und mein Auto

Ausfahrt der Benz © Matthias Mala

… oder mein Auto und ich? Bin ich die Sache, oder bereichert sie mich? Oder wachse und werde ich durch die Sache? Letzthin klagte mir jemand, dass die Menschen nur noch durch das Haben zum Sein kämen. Ohne Habe hätten sie kein Dasein. Habenichtse wären demnach Scheintote … Doch, so fragte ich mich, daraufhin, sind wir nicht viel eher scheintot, sobald wir Habe haben?

Nun, wenn ich mir so manch persönlich konfiguriertes Automobil ansehe, das sich jemand leistet, mit all dem Schnickschnack, den man nur braucht, um zu imponieren und hierdurch  Anerkennung in den Augen anderer Habenichtse zu erlangen, dann meine ich, dass man insgesamt mehr und mehr nur noch auf einer virtuellen Ebene lebt, während man gleichzeitig den Zugang zum Lebendigen zunehmend verliert. Insofern wird man, sobald man durch seine Habe Anerkennung sucht, zum Habenichts gegenüber dem Sein, dem eigentlich Substanziellen. Denn jene, die einen aufgrund seiner Habe anerkennen, erkennen einen meist nur, weil sie einem entweder die Habe neiden oder sich durch gleichwertige Habe bestätigt und gerechtfertigt fühlen. Es bleibt somit die Habe, die die Anerkennung bedingt, aber nicht das Sein.

Nehmen wir als Beispiel die letzten repräsentierenden Fürsten in Europa. Sie sind heute die Grußauguste und Frühstücksdirektoren ihrer Nation. Sie sitzen in goldenen Käfigen und bangen um ihre Likes in „sozialen“ Netzwerken. Ansonsten führen sie ein vorhersehbares, unaufgeregtes Leben, das ich nicht teilen möchte. Und selbst wenn sie Talente haben, können sie diese kaum verfolgen oder professionalisieren. Sie werden ihrer auferlegten Rolle nicht entschlüpfen können, denn sie sind nur durch sie und werden nie etwas anderes sein. Sie sind in dieser Weise Habenichtse ihres Seins. Weiterlesen

Für transphobische Kotbatzerl …

… oder für alle noch geistig gesunden Zeitgenossen, die Gender Mainstream, Gendersprache, Gendersternchen und den sonstigen ideologisch subtilen Terror nicht mehr mitmachen und ertragen wollen, hier ein Video von Tamara Wernli, eine mutige junge Frau, die sich gegen die Botschaften des Wahrheitsministerium stellt und Ideologien dorthin verdammt sehen will, wo sie hingehören, auf den Müll der Menschheitsgeschichte. Ich werfe zudem auf diesen Haufen auch alle Religionen und ganz besonders jene, die von sich behaupten, keine Religionen zu sein, wie Esoterik, Spiritualität, Buddhismus oder wie die Beliebigkeitsbegriffe für geistige und seelische Verdummung und Versklavung auch heißen mögen.

Liebe Leser meines Blogs, ich bin zornig, und ich hoffe Sie werden auch zornig; und ich bitte Sie, bewahren Sie sich neben ihren Zorn auch die Freiheit Ihres Denkens und Ihres Geistes, fragen Sie sich bitte öfters, als Ihnen lieb ist, sobald Sie einen Gedanken aufgreifen, ob das auch Ihr Gedanke sein sollte, oder ob es nur der gedankliche Müll ist, den ein anderer hat fallen lassen. Und bitte bleiben Sie misstrauisch, wann immer Sie von einer Kapazität, einer Autorität beeindruckt sind und beginnen, deren Gedanken zu übernehmen, sie könnten Sie nämlich geradewegs auf die Müllkippe einer Ideologie führen.

Falls Sie noch mehr über den Hintergrund zu diesem Video von Tamara Wernli und den angegriffenen Psychologen Jordan Peterson erfahren möchten, lesen Sie bitte, was mein geschätzter Schriftstellerkollege Bernhard Lassahn dazu geschrieben hat (Link hier).