Korona

Eine Korona ist der feurige Kranz der Sonne, der Schein um Sonne oder Mond oder ein „Regenbogen“ bei klarem Himmel. Das Lichtkleid eines Menschen, seine Aura, wird ebenfalls so genannt. Der Strahlenkranz ums Haupt eines Guru oder Heiligen ist die Corona radiata. Ja, Korona ist der Glorienschein.

Derzeit plagt uns allerdings nicht das physische Scheinen der Gestirne noch das spirituelle Scheinen irgendwelcher Sonderlinge, sondern ein Coronavirus. Auch hier geht es viel um Scheinen, also um Annahmen und ein jeder ist Schmalspurexperte in Epidemiologie, Virologie und Pneumologie.

Andererseits ist alles Scheinen. Maya nennen es die Buddhisten und Hindis; wobei bezeichnenderweise die Mutter des Siddhartha Gautama ebenfalls Maya hieß. Sie empfing den Buddha durch ihn selbst, indem dieser in Gestalt eines weißen Elefanten sie an der rechten Seite berührte und in sie überging – sozusagen pränataler Inzest. Zehn Monate später gebar Maya Siddhartha im stehen ebenfalls aus ihrer rechten Seite. Der Junge konnte gleich nach seiner Geburt laufen und sprechen. Sieben Tage nach seiner Geburt starb seine Gebärerin.

Nun Coronaviren sind echt und nicht nur Schein. Die Welt ist ebenso echt und nicht nur Schein. Und wenn Sie an Corona erkranken, erkranken Sie nicht nur zum Schein. Ebenso sind all die Scheine, die die westlichen Regierungen jetzt über ihre zertrümmerte Ökonomie regnen lassen, nicht nur Schein, obwohl sie mehr Maya als Gold sind. Gleichwohl sollte man den Schein auch hier nicht verachten. Er scheint Schutz zu bieten.

Darum lange Rede kurzer Sinn, lassen Sie es für sich scheinen. Wie? Indem Sie sich eine spirituelle Maske basteln. Sie hilft ebenso wie echte Masken. Sie hilft zwar nicht gegen Ihre Infektion, doch dafür schützt sie ihre Mitmenschen davor, dass Sie sie infizieren. So schützt sich die Gemeinschaft insgesamt. Indem ein jeder andere schützt, schützet ein jeder sich selbst. Das ist ein wunderschönes Bild für Nächstenliebe. Wären die Kirchen nicht wegen verordneter sozialer Distanz geschlossen, wäre es ein erbauendes Gleichnis für die Prediger.

Also greife ich es ebenfalls auf und ermuntere uns alle, uns künftig weniger geistlich und geistig infizieren zu wollen. Binden wir uns eine Maske vor, damit wir unsere ideologischen Viren und Bazillen nicht ungebremst in die Welt schleudern; denn so wie wir in letzter Zeit hierzulande miteinander umgingen, vergifteten wir uns nur gegenseitig, indem wir wie Kammerjäger versuchten, die scheinbar giftigen Gedanken in der Gedankenwelt unserer Mitmenschen zu desinfizieren. Dabei banden sich all jene, die das versuchten, einen Glorienschein um. Denn sie wähnten sich im Besitz der Wahrheit. Das derlei Wähnen allerdings ein erster Baustein zu Dummheit ist, blendeten sie im Schein ihrer Selbstgerechtigkeit aus. Da aber die Dummheit die Schwester der Boshaftigkeit ist, wurden in der Tat die Gedanken und damit die Welt unserer Erscheinung, unser Maya, vergiftet.

Ich habe darum wenig Hoffnung, dass es nach der Coronakrise besser wird. Mithin rette ich mich in mein Scheinen: und das ist die Kunst. Das Bild oben ist beispielhaft für meinen neuen Ansatz, den ich aktuell im Wahnsinn dieser Welt für mich kreierte. Ich male Kreise aus der freien Hand. Möglichst perfekt und deswegen perfekt unperfekt und somit vollkommen menschlich. Alsdann, bleiben Sie gesund!

Gedankenleere

Gedankenleere © Mala

Ihrer Lebtag strebte sie nach Erleuchtung – allerdings nicht nach Einsichten durch Erkenntnis, also nicht nach mehr und tieferem Wissen, das ihr so manchen weltlichen Zusammenhang erhellte, sondern einzig nach spiritueller Erleuchtung. Wobei sie daran verschiedene Bedingungen knüpfte. Hierfür klaubte sie sich aus östlichen Religionen und abendländischer Esoterik ihren maßgeschneiderten Synkretismus zusammen. Ein wenige Hinduismus, ein wenige Buddhismus aller drei Fahrzeuge und Weisheiten von so manchem Guru. Sie nahm an vielen Retreats teil, fastete, schwieg und meditierte alleine wie in Gruppen. Ihre Idee war ihre unmittelbare Wahrnehmung durch Gedankenlosigkeit zu schulen. Jedenfalls meinte sie die himmlische Wahrheit der Schöpfung teile sich nur einem entleerten Geist mit. Entleert sei ein Geist, wenn er nur noch schaue, aber das geschaute nicht bedenke, denn alle Gedanken seien Trug. Man schaute und erkannte, von keinem Gedanken getrübt, die reine Wahrheit. Auf meine Frage hin, wie sie denn dann im erleuchteten Zustand wieder nach Hause fände, schimpfte sie mich einen Defätisten.

Andererseits half ihr ihre Weltsicht auch, sich von störendem Gedankengut abzugrenzen. Denn ihre Gedanken basierten auf Einsichten, die sie durch ihre Einkehr gewann; sie waren also inspiriert und somit von göttlicher Natur, zumindest himmlisch befruchtet – was auch immer sie damit meinte. So lebte sie angenehm und ungestört in ihrer Filterblase, hatte Freunde, die ihre Weltsicht teilten und ebenso kritisches nicht zuließen. Auf diese Weise sorgten sie gemeinsam auch um ihr eigenes Wohlergehen, indem sie Wasser von rechts auf links polten, Strichkodes auf Lebensmittel energetisch neutralisierten und ähnlichen Humbug mehr. Es war eine gemütlich Welt, die sie sich da schufen, vergleichbar mit der fiktiven Grafschaft Midsomer des Inspektors Barnaby.

Inzwischen ist sie alt und dement geworden. Ihre Freundinnen haben sich zerstreut, sie starben oder sind gleichfalls dement oder haben den Kontakt aufgegeben, da sie nichts mehr zur Freundschaft beitragen kann. Im Grunde eine eigene Art seelischer Grausamkeit: Vernachlässigung durch Alter. Jedenfalls sitzt oder liegt sie auf ihrer Couch oder in ihrem Bett und schaut in die Welt mit großen Augen. Es ist ein meist leerer, gelegentlich suchender Blick, als sähe sie einen Gedanken, den sie zwar denken aber nicht erhaschen möchte. So lebt sie sich in sich zurückgezogen und ist zumindest dahingehend gedankenleer, als dass sie anscheinend keinen Gedanken mehr verfolgt. Im Grunde hat sie nun jenen Zustand erreicht, um den sie sich zeitlebens bemüht hatte. Allerdings ist dieserart geistige Reizlosigkeit nicht die Art der Vergeistigung, die ihr einst vorschwebte.

So ist sie am Ende ihres Lebens, das ein langer Lebensweg war, erschöpft. Ihrem Dasein, ihrem Status quo eilte sie dabei stets davon, um sich in einem Ideal zu veredeln. Sie ist müde geworden und würde gerne sterben, wenn ihr Leib ihre Seele nicht weiter fesselte. Manchmal sagt sie spontan: Ich will hier raus, und meint damit wohl, dass sie als Seele in ein Jenseits frei von quälender Leiblichkeit entfleuchen möchte. Wenn sie könnte, würde sie ihrem Lebensziel wahrscheinlich wie gehabt wieder folgen. Sie war zufrieden, solange sie Gedankenleere üben konnte, und als sie durch Demenz eintrat, hatte sie Ihre Urteilskraft darüber verloren. Es sind nur noch Oberflächlichkeiten, die ihr einfallen, die sie anders hätten machen sollen, ansonsten scheint sie mit sich zufrieden zu sein.

Den Weg, den sie ging, war belanglos, er war nicht schlecht und auch nicht gut, es war ein Weg, so wie wir ihn alle gehen, ein wenig angepasst, ein wenig eigen. Immer war auch Ablenkung dabei, um seine Belanglosigkeit ertragen zu können. Und Ablenkung gleich welcher Art war ihr auch eine Art von Meditation, um nicht schon vor dem Ende lebensmüde zu werden. Fernsehen war ihr so eine Mediationsmaschine, um sich selbst zu entkommen. Heute sind es Smartphone und „soziale“ Netzwerke. Schauen wir in die öffentlichen Verkehrsmittel, wie die Menschen einander weltweit entrücken. Abgestöpselt fixieren sie sich auf den Bildschirm ihres Wischi-Waschis, blicken nicht mehr auf, sondern bleiben in sich eingekehrt. So werden sie alt und vergehen irgendwann.

Es ist alles so unbedeutend, so gänzlich unbedeutend …

Jetzt hat sie das große Nichts, das Samadhi erreicht, das diskursive Denken ist mit sich selbst erloschen. Glücklich ist sie erkennbar nicht. Falls das Erleuchtung ist, verzichte ich lieber darauf.

Blasen, nichts als Blasen

Von Mtag – Eigenes Werk, CC0,

In der Ludwigskirche in München findet sich das zweitgrößte Altarfresko der Welt. Es wurde von Peter von Cornelius gemalt, der bei den Nazarenern, einer romantische Künstlergruppierung, maßgebend war. Das Fresko zeigt das Jüngste Gericht, oder auf die sozialen Internetmedien übertragen die Filterblase Jesus, samt seiner Trolle. Denn zu seiner Rechten fahren die Guten, vorwiegend Frauen und Kleriker in den Himmel, während zu seiner Linken die Sünder in die Hölle fallen. Dazu ein illustratives Aperçu, zur Linken des Herrn, fährt auch der Geheimrat Goethe (zweite Reihe von unten rechts) ob seiner Völlerei ins Fegefeuer. Allerdings ist sein Körper gut definiert, was wohl eher als eine zynisch paradoxe Anspielung auf seine tatsächliche Leibesfülle zu verstehen ist.

Jedenfalls ist in diesem Fresko alles enthalten, was der Heiland für seine funktionierende Welt brauchte: Jünger und Feinde. Feinde waren alle, die nicht seine Anhänger waren, also Römer und bibeltreue Juden, die sich von seinen kruden Ideen unbeeindruckt zeigten. Krude waren seine Ideen aus jüdischer Sicht allemal. Als Prophet hätte man ihn womöglich noch toleriert, aber als Gottessohn niemals. Das war Blasphemie. Weiterlesen

Selbstbesonnen ist der Weg

Ein Geschenkbuch für alle, die die mystisch, spirituelle Versenkung schätzen.

Lied 148 Stundenbuch der weißen Magie

Losung

Mein erster Freund bin ich selbst. Versage ich mir meine Freundschaft, versage ich mir meine Freunde. Nicht von anderen geliebt zu sein, sondern mich selbst zu lieben, ist Voraussetzung, um liebenswert zu sein.

Versenkung

Die Einheit von Seele, Geist und Psyche mit seiner Welt zu leben ist höchste Glückseligkeit und wahre praktizierte Magie. Sich dieser Forderung immer wieder zu erinnern, ist der magische Weg. Obgleich unsere Seele in der Halle des magischen Raumes weilt, bleiben wir den Einflüssen unserer Welt ausgesetzt. Unsere Psyche erzittert unter dem Anprall dumpfer Schwingungen, die böse Menschen aussenden. Wir empfinden uns in solchen Augenblicken gespalten, als aus dem Himmel Gestürzte. Die Kommunikation zwischen Seele und Psyche ist gestört, weil der Geist durch die psychische Gewalt, der wir ausgesetzt sind, verstört ist. Erinnern wir uns jedoch der ursprünglichen Einheit, finden wir die Kraft, uns zu versiegeln und den Kreis zu schließen. Denn zur Einheit gelangen wir nicht, indem wir das Böse bezwingen. Einheit entsteht niemals im Gegensatz zu einer anderen Kraft, sondern stets nur durch die Sammlung der eigenen inneren Kräfte. Der Gegner ist nicht der böse Feind, sondern wir selbst, sobald wir unsere Integrität aufgeben. Bleiben wir in uns, bleiben wir letztlich unerschütterlich.

Lasse ich mich durch äußere Widrigkeiten soweit erschüttern, dass ich auch innerlich zerrüttet bin?

Stimmung

Mein Haupt ist bedeckt und mein Gürtel eng geschnürt, ich schließe mich in meinen Mantel. Mein Blick rundet den Kreis und seine Kraft wird mir zum Dom. Nun umkränzen Blüten mein Haupt und mein Mantel schwingt weit. Ich bitte darum, dass ich mir diese Offenheit nicht nehmen lasse.

Blutmond

Blutmond © Matthias Mala

Stellen wir uns vor, wir hausten in einer Kate vor unserer Zeitrechnung, wüssten wenig von der Welt, nur soviel, wie man damals gemeinhin in besseren Kreisen wusste. Das war zwar durchaus beachtlich: einige Zeitgenossen verabschiedeten sich damals gerade von der Theorie, dass die Erde eine Scheibe sei, andere, wie Aristarchos von Samos (310-230 v.Chr), dachten gar darüber nach, dass die Sonne im Mittelpunkt unserer Welt stünde. Dennoch wüssten wir den Kosmos nur als eine Manifestation der Götter zu deuten. Denn in den Bewegungen der Gestirne fänden wir zuviele „Zufälligkeiten“, die wir uns nur durch einen göttlichen Ursprung erklären könnten.

Allein die Tatsache, dass die Himmelsscheiben von Sonne und Mond gleichgroß sind, musste ein göttliches Zeichen sein. Doch damit nicht genug, beide Gestirne tauschen ihre Positionen nicht nur über Tag und Nacht, sondern wechseln sie auch übers Jahr. So steht der Mond im Winter hoch im Norden, während die Sonne tief im Süden scheint. Im Sommer verkehrt sich das Spiel ihrer Laufbahnen. Hierdurch kommt es zu Mondfinsternissen, die den damaligen Menschen zwar unerklärlich waren, die sie dennoch vorausbestimmen konnten. Auch die Wandelsterne waren berechenbar, worauf die Astrologie fußte. Ihre Berechnungen galten als Methode, das Wesen der Götter zu verstehen und sich somit das Leben und Schicksal der Menschen zu erklären. Weiterlesen

Effektiv Leben

Hamsterrad©Matthias Mala

Die Greisin war wieder gestürzt und brach sich erneut einen Oberschenkel. Doch diesmal wollte sie sich nicht mehr so richtig erholen. Sie spürte, dass sie die Kraft zur Rekonvaleszenz nicht mehr besaß. Die Einschränkungen durch die erneute Verletzung würden nicht mehr vergehen, also würde ihr Lebenslicht alsbald erlöschen. Es ist wie so oft, das Sterben beginnt, indem die Seele sich aus dem Leben löst. „Es ist gut so, ich habe mein Leben gelebt“, sagte sie, und zu einem Problem, das anstand, meinte sie nur: „Ich möchte mich in meinen letzten Lebenswochen nicht mehr damit befassen.“ Sie sagte es ohne Harm; er war eine Feststellung wie, „die Milch ist kalt“, nichts weiter.

Sie befand sich in ihrer letzten Lebensphase, die auf den Tod hin gespannt war. Sie hatte dieses Ziel ins Auge gefasst und bewegte sich ihm zu. Da gab es keine Notwendigkeit mehr, durch eine dämmrige Lebenslandschaft zu mäandern, da warteten keine Erlebnisse mehr auf sie, das Erleben war einzig dieser letzte Weg. Er war wohl mehr pures Leben, als wir es uns, die wir vermeintlich im blühenden Leben stehen, vorzustellen vermögen. Weiterlesen

Wie man selbst zum Engel wird

Zum Advent eine Kontemplation aus meinem Stundenbuch der weißen Magie.

Losung

Wer in den Himmel greifen möchte, wird den Boden unter den Füßen verlieren; und wer auf festem Boden steht, wird den Himmel nicht erfassen. Die Welt ist gerecht im Ungerechten, weil sie im Ungleichen keinen Ausgleich bietet.

Versenkung

Die Pole bedingen einander, um die Form zu halten. Jenseits der Form herrscht das Formlose. Doch auch das Formlose ist Gestalt. Magie wirkt im Geformten wie im Ungeformten. Das eine ist wie das andere und doch ist beides grundverschieden. Reduzieren wir die Welt auf ihr Kleinstes, machen wir sie ebenso gleich, wie wenn wir sie ins Höchste verklären wollten. In beiden aber ist die Welt nicht mehr, sondern nur noch ihre Idee. Die Liebe weht zwischen diesen Nichtigkeiten und gar über sie hinaus, ins Unvorstellbare. Liebe ist die Spanne, die die Welt erstehen lässt. Liebe ist das milde Licht der Morgensonne, die den Tau der Nacht von den Blüten leckt und uns das Leben in die Glieder träuft. Bewahren wir die Frische dieser Stunde im Gemüt, werden wir uns selbst zum Engel, der uns führt. Ein Engel versteht es, die Schöpfung zu bewahren, indem er sie von Jetzt zu Jetzt wiederholt. Dies ist sein Anruf an das Unermessliche, sein immer neues Lied, durch das die Wiederkehr stets zur erneuten Schöpfung wird. Nicht die Erscheinung der Form oder des Formlosen ist der Akt solcher Weltwerdung, sondern das gelauschte Lied der Anrufung. Seine Stimmung temperiert die Kreation durch die harmonische Folge wohl gesetzter Töne.

Vermag ich das rechte Maß zu finden, ohne Maß zu nehmen?

Stimmung

Ich singe das Lied und wiederhole es, bis sich der Kreis schließt. Nun tönt der Kreis. Er schwingt im Widerhall der stillen Weise. Wen sie erfasst, der schwingt mit ihr. Ich bitte darum, dass meinem Ohr die Weise zeitlos schmeichelt

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