Blasen, nichts als Blasen

Von Mtag – Eigenes Werk, CC0,

In der Ludwigskirche in München findet sich das zweitgrößte Altarfresko der Welt. Es wurde von Peter von Cornelius gemalt, der bei den Nazarenern, einer romantische Künstlergruppierung, maßgebend war. Das Fresko zeigt das Jüngste Gericht, oder auf die sozialen Internetmedien übertragen die Filterblase Jesus, samt seiner Trolle. Denn zu seiner Rechten fahren die Guten, vorwiegend Frauen und Kleriker in den Himmel, während zu seiner Linken die Sünder in die Hölle fallen. Dazu ein illustratives Aperçu, zur Linken des Herrn, fährt auch der Geheimrat Goethe (zweite Reihe von unten rechts) ob seiner Völlerei ins Fegefeuer. Allerdings ist sein Körper gut definiert, was wohl eher als eine zynisch paradoxe Anspielung auf seine tatsächliche Leibesfülle zu verstehen ist.

Jedenfalls ist in diesem Fresko alles enthalten, was der Heiland für seine funktionierende Welt brauchte: Jünger und Feinde. Feinde waren alle, die nicht seine Anhänger waren, also Römer und bibeltreue Juden, die sich von seinen kruden Ideen unbeeindruckt zeigten. Krude waren seine Ideen aus jüdischer Sicht allemal. Als Prophet hätte man ihn womöglich noch toleriert, aber als Gottessohn niemals. Das war Blasphemie. Weiterlesen

Riss zum deutschen Karikaturenstreit

Drs © Matthias Mala

Chefredakteur Riss hat das Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo vom  7. Januar 2015 überlebt. Er schreibt, warum die „Moral-Kapos“ und die „Links-Islamisten“ nicht weniger gefährlich sind als die Terroristen. Satire, antwortet der Franzose dem Deutschen Jakob Augstein, kennt keine „Großen“ oder „Kleinen“. Sie kennt keine Herren – nur Dummheit, Mittelmäßigkeit und Feigheit. Sein Artikel erschien auf emma.de.

Hier ein paar Auszüge. Ich halte seine Gedanken für stichhaltig und zwingend, deswegen verweise ich als Nachtrag zu meinem letzten Blogbeitrag auf seinen Text.

Nebenbei wäre es interessant zu erfahren, wer sich nach Ansicht dieser Preuso-Intellektuellen ganz unten befindet. Alle, die unter ihnen sind? Halten sie sich also für derart weit „oben“ platziert?

Hinter dieser an Töricht kaum zu überbietenden Aussage, man dürfe die „oben“, aber nicht die „unten“ karikieren, versteckt sich ein ganz anderer, widerwärtiger Beweggrund. Es ist immer faszinierend zu beobachten, mit welchem Einfallsreichtum der Mensch sich selber Fesseln anlegt. Die Perversion ist geradezu grenzenlos, wenn es darum geht zu unterdrücken, zu ersticken und zu zensieren. Selbst in der Linken finden sich Gemüter, die verschlagen genug sind, um Regeln zur Kontrolle der Freiheit zu erfinden.

Die Freiheit, das zu tun, was man möchte, ist schier unerträglich für diese Moral-Kapos. Denn die Lust dieser Kapos besteht darin, entscheiden zu können, was erlaubt ist und was nicht. Und wenn ihnen diese Macht genommen wird, so bleibt ihnen nichts – und sie müssen feststellen, wie mittelmäßig sie sind.

Hier nochmals der Link zum Artikel der Emma online:

https://www.emma.de/artikel/charlie-hebdo-meets-franziska-becker-336977

Ich werd‘ dann mal pfäffisch

Hinblick © Matthias Mala

Pfarrer beziehen sich in ihren Predigten gerne auf kleine Begebenheiten, die das Leben schrieb; etwa die Geschichte von der armen alten Frau – alte Frauen, sind immer arm, während alte Männer stets weiß und toxisch sind, so jedenfalls die feministischen Topen – egal, Pfarrer sind um Gleichnisse bemüht. Das haben sie von ihrem Heiland, der laut Neuem Testament ein Gleichnis ums andere erzählte, um hierdurch das Falsche vom Richtigen zu unterscheiden. Also versuche ich mich auch in dieser Disziplin und greife den Schwank von der Tempelreinigung auf.

Die Geschichte erzählt, wie Jesus mit einer Geißel durch die Vorhallen des Tempels stürmte, dabei auf die Opferhändler und Geldwechsler einschlug und ihre Stände umstieß, weil er der Ansicht war, dass sie durch ihr Gewerbe den Tempel entweihten. Deswegen auch die stehende Redensart, „jemanden zum Tempel hinausgeißeln“, um die Reinigung einer Organisation von ihr schädlichen Elementen zu umschreiben. Jesus war als gnostischer Jude ein Revolutionär, der die hergebrachte Ordnung für Teufelswerk hielt. Aus dieser moralischen Selbsterhöhung zog er das Recht, andere Menschen auszupeitschen und ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Weiterlesen

Freigeist

Wolkenbrücke © Matthias Mala

Irgendwann wird es einem jeden, der kritisch in die Welt blickt, zuviel. Was er sieht, ist immer wieder das gleiche Elend. Seit Beginn der Menschheit herrschen Einfalt und Gier, gibt es Kriege und Not. Die Zeiten, in denen es für eine Generation Frieden gab, sind rar und wenn, gab es dafür meistens Gewalt und Unterdrückung im inneren des Landes. Wer also von der Dummheit in der Welt und um einen herum genug hat, nimmt sich irgendwann die Freiheit, frei zu sein. Häufig geschieht das wie eine Infektion, die sich gesellschaftlich ausbreitet. Plötzlich verändern immer mehr Leute ihren Lebensstil, rotten sich zusammen und proklamieren einen „alternativen“ Lebensstil. Das war schon in der Antike so und ist heutzutage nicht anders. Meistens haben diese Bewegungen einen religiösen oder zumindest heilsbringenden Charakter. Allerdings kann dieses Heil für viele tödlich enden. Mit Luther begann nicht nur die Reformation, sondern auch die Hexenverfolgung. Marx‘ Theorien führten zum kommunistischen Massenmord, und der euphorischen Hatz in den ersten Weltkrieg folgte der Faschismus in Europa. Weiterlesen

Verdorben

Kackender Gott © Matthias Mala

Rubinette ist eine Apfelsorte, die im Herbst und Winter wohlschmeckend ist. Mit Beginn des Frühjahrs überlagert der Apfel rasant und verdirbt von innen heraus. Äußerlich sieht er dann zwar noch köstlich aus, doch unter seiner Schale ist er faul.

Sieht man sich die katholische Kirche an, glänzt sie noch in aller Pracht, doch in sich ist sie verdorben. Allerdings ist dies kein abnormer Zustand, sondern die Normalität. Seit der konstantinischen Wende ist die katholische Kirche korrupt und zwar sowohl im Sinne von bestechlich als auch von moralisch verdorben. Denn mit der Anlehnung an die politische Macht wurden ihre Priester auch mächtig genug, ihren Sexualtrieb mit wem und wie sie wollten zu stillen. Die kirchliche Sexualmoral galt nur für das Volk, während die Geistlichkeit über jeglicher Sünde stand, egal wie sündhaft sie sich verhielt. Weiterlesen

Selbstsuche

Kotz
Selbstentdeckung © Matthias Mala

Eines Tages begann er oder sie zu suchen. Sie suchten nichts spezielles, ja sie wussten eigentlich nicht, was sie suchten, somit fanden sie zwar einiges, aber nicht das, was sie meinten, zu suchen; weshalb sie ihre Suche, selbst wenn gar Goldadern darunter waren, nicht befriedigte. Also hielten sie inne und überlegten, was denn das Objekt ihrer Suche sein könnte. Manche meinten, man solle Gott suchen. Doch der sei ja schon da, wussten andere, glaubhaft zu versichern. Wieder andere meinten, dass man nach Gott gar nicht suchen könne, weil sich dieser offenbaren würde. Und ehe daraus ein fürchterlicher Streit entbrannte, an dessen Ende man sich die Köpfe einschlagen würde – denn das so etwas geschähe, dafür genügte ein Blick in die Geschichte – hing man die ganze Suche ein wenig tiefer und begann, sich selbst zu suchen.

Zwar wusste niemand, der sich selbst zu suchen begann, was denn sein Selbst sei, doch hatte jeder so sein Selbstverständnis davon, was es denn sein könnte. Einige setzten sich vor Spiegel und fragten ihr Spiegelbild tagelang „Wer bist du?“ und wurden darüber verrückt. Die, die nicht verrückt wurden, fanden ihr Selbst zwar auch nicht, doch sie glaubten es gefunden zu haben, just nachdem sie gemeinsam mit ihrem Spiegelbild einschliefen und meinten fortan, erleuchtet zu sein. Andere machten andere verrückte Dinge, sie hatten Sex oder nahmen Drogen bis sie delirierten, andere schufteten 16 Stunden am Tag, wieder andere gründeten Familien oder gingen in die Politik, allesamt fanden sie ihr Selbst und bewahrten es. In Wahrheit aber sperrten sie sich selbst in den Käfig ihrer eigenen Vorurteile von sich selbst. Jedoch die meisten von ihnen waren damit glücklich. Gelegentliche Zweifel überwanden sie, indem sie andere darüber belehrten, wie man zu sich selbst finden konnte. Letztlich starb ihr Selbst mit ihnen selbstzufrieden. Weiterlesen

Umarmen, ja, aber nur herzlich

Umarmung © Matthias Mala

Jüngst dachte ich über Umarmungen nach, weil ich einen Menschen umarmen wollte, es aber dann doch unterließ und wenig später einen anderen herzlich umarmte. Was zeigt, aufeinander zuzugehen und sich zu umarmen, ist oft ebenso überlegt wie spontan – also menschlich.

Manch einer meint, Händeschütteln sei eine Kulturleistung, die die Welt friedlicher gemacht habe, da man aufeinander zuginge, einander Verbundenheit und Eintracht bezeuge. Allerdings handelt es sich dabei um eine relativ junge Kulturleistung. Sie soll in Zeiten der Gnosis, also um die Zeitenwende, als Erkennungszeichen der Gnostiker untereinander entstanden sein; so wie Banden überall auf der Welt und durch alle Zeiten hindurch ihre eigenen Begrüßungsrituale pflegten und pflegen. Durch das Christentum, einer ursprünglich gnostischen Sekte, soll das Händeschütteln im westlichen Kulturkreis überdauert haben. Sei’s wie’s sei, jedenfalls wurde die Welt dadurch nicht friedlicher, selbst unter Christen nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass man sich durchs Händeschütteln einen Mitmenschen auch auf Distanz hält. Weiterlesen

Sich selbst entbinden

 

Schrei © Matthias Mala

Klar, es gibt kein Ich, ist doch logisch! Nur die Psyche ist nicht logisch, sondern seltsam. Also ist es da, das Ich, auch beim Erleuchteten – gerade darum, weil es bei ihm logischerweise nicht da sein sollte. Nur, auch der Erleuchtete besitzt eine Psyche, und damit auch seine ureigenen Seltsamkeiten. Doch das spielt alles keine Rolle. Denn eine Psychologie der Erleuchtung wäre, da nicht normativ, ohnehin für die Katz. Weiterlesen

Der Froschkönig, ein feministisches Märchen

Froschkönig © Matthias Mala

Kein Kuss verzauberte den Frosch in einen Prinzen. Nein, die Prinzessin schmetterte den Broz gegen die Wand, und aus dem blutigen Batz, der herabschmierte, formte sich der Prinz. – Nicht umsonst steht ein Broz, eine Kröte, für die Gebärmutter und damit auch für die Hysterie, die dem Weib solch ein Verhalten erlaubt.

Das ist die Geschichte, die das Leben auch heute schreibt. Männerklopfen allüberall: Männer sind verantwortlich für die Klimakatastrophe und für die niedrige Geburtenrate und dafür, dass Frauen, wenn sie weniger arbeiten, weniger verdienen. Männer werden gegen die Wand gedrückt. Frauen befreien die Welt!

Das fiel mir ein, als ich das Jahresbild für 2019 zeichnete. Dabei wollte ich eigentlich im vagen bleiben. Nur die Ziffern der Jahreszahl miteinander so arrangieren, so dass daraus ein Muster entstünde, das genügend für ein Bild hergibt. So wie ich es seit 2002 pflegte. Und diesmal war‘s ein Quakmaul, ein Frosch, was ich in der Skizze entdeckte. Weiterlesen

Fein und fürchterlich

Predigt © Matthias Mala

Predigten haben etwas einlullendes; sie kreisen meist monothematisch um einen Punkt, und ihr Kreisen wird zum Kreißen, und am Ende gebären sie eine Seifenblase an Erkenntnis, die kurz darauf platzt, sprich die Quintessenz, das heißt der fünfte Aufguss mystischer Verzückung, verpufft lautlos als feuchtes Lüftchen. Zurück bleibt nichts, außer allenfalls der Durst nach erneuter spiritueller Anmutung und belangloser Verzauberung; weswegen man sich am nächsten Sonntag wieder zur Kirche begibt, um demselben Prediger zu lauschen.

In meinem Sprengel predigt ein narzisstischer Priester, der sich mit jeder Predigt so schamlos in Selbstverzückung ergeht, dass man meint, ob dieser Leidenschaft müsse er, wenn nicht ausschließlich von sich doch auch vom Heiligen Geist beseelt sein. Also reisen Gläubige von weither, um ihn zu erleben und ihm zu lauschen. Seine Kirche ist auch stets gut gefüllt. Sie ist wie anderswo eine In-Kneipe eine In-Kirche. Man kommt und findet es doll, dabei gewesen zu sein, einen Priester beinahe beim evangelikalen Zungenreden erlebt zu haben.

Diesmal ging es um Trost, nicht in dieser Pfarre, sondern bei der Predigt zum 3. Advent Weiterlesen

Selbstbesonnen ist der Weg

Ein Geschenkbuch für alle, die die mystisch, spirituelle Versenkung schätzen.

Lied 148 Stundenbuch der weißen Magie

Losung

Mein erster Freund bin ich selbst. Versage ich mir meine Freundschaft, versage ich mir meine Freunde. Nicht von anderen geliebt zu sein, sondern mich selbst zu lieben, ist Voraussetzung, um liebenswert zu sein.

Versenkung

Die Einheit von Seele, Geist und Psyche mit seiner Welt zu leben ist höchste Glückseligkeit und wahre praktizierte Magie. Sich dieser Forderung immer wieder zu erinnern, ist der magische Weg. Obgleich unsere Seele in der Halle des magischen Raumes weilt, bleiben wir den Einflüssen unserer Welt ausgesetzt. Unsere Psyche erzittert unter dem Anprall dumpfer Schwingungen, die böse Menschen aussenden. Wir empfinden uns in solchen Augenblicken gespalten, als aus dem Himmel Gestürzte. Die Kommunikation zwischen Seele und Psyche ist gestört, weil der Geist durch die psychische Gewalt, der wir ausgesetzt sind, verstört ist. Erinnern wir uns jedoch der ursprünglichen Einheit, finden wir die Kraft, uns zu versiegeln und den Kreis zu schließen. Denn zur Einheit gelangen wir nicht, indem wir das Böse bezwingen. Einheit entsteht niemals im Gegensatz zu einer anderen Kraft, sondern stets nur durch die Sammlung der eigenen inneren Kräfte. Der Gegner ist nicht der böse Feind, sondern wir selbst, sobald wir unsere Integrität aufgeben. Bleiben wir in uns, bleiben wir letztlich unerschütterlich.

Lasse ich mich durch äußere Widrigkeiten soweit erschüttern, dass ich auch innerlich zerrüttet bin?

Stimmung

Mein Haupt ist bedeckt und mein Gürtel eng geschnürt, ich schließe mich in meinen Mantel. Mein Blick rundet den Kreis und seine Kraft wird mir zum Dom. Nun umkränzen Blüten mein Haupt und mein Mantel schwingt weit. Ich bitte darum, dass ich mir diese Offenheit nicht nehmen lasse.

Magische Klingelschilder

Ein Geschenkbuch für alle, die die mystisch, spirituelle Versenkung schätzen.

Lied 146 Stundenbuch der weißen Magie

Losung

Drei Schritte vor, zwei Schritte zurück, so bewegt man sich bei einer Sprungprozession. Ein Magier bewegt sich ebenso. Was er gestern erkannt hat, heiligt er heute, um es morgen zu zerbrechen. Nichts ist ihm von bleibender Gültigkeit.

Versenkung

Die Sprache der Psyche sind die fassbaren Zeichen. Die Sprache der Seele ist die Magie in Gestalt der himmlischen Räder. Der Magier nennt den ans Dingliche gebundenen Seelenaspekt Psyche. Die spirituelle Empfindsamkeit ist ihm dagegen die wesentliche Eigenschaft der Seele. Die Kommunikation zwischen Psyche und Seele führt der Geist. Er formt den Raum des Verständnisses.Also wird ein geklärter Geist auch zum Mittler zwischen magischem Raum und Seele. Die fassbaren Zeichen sind die Bildsprache der Symbole und der Träume. Die himmlischen Räder sind die Temperamente der Chakren und die Wehen der Aura. Es ist der geklärte Geist, der angeregt vom magischen Raum die Räder kreisen lässt. So verdichtet sich einerseits die Bewegung im Dinglichen; andererseits klärt sich dingliches Streben aufsteigend zum magischen Impuls. So durchwirkt sich das Wirkliche mit dem Unwirklichen. Freilich nützt dem Magier solche Spitzfindigkeit nichts. Denn wandert er durch diese Sphären, begleitet ihn sein Verstand, der nur beschwert, was seinem Herz leicht wäre; erahnt es doch allein den wahren Schein des Anscheins.

Stelle ich mir manchmal vor, dass ich keine Vorstellungen habe?

Stimmung

Räucherwerk umzirkelt den Kreis. Ich drehe das Stundenglas und sehe zu, wie eine Stunde zerfließt. Diese Stunde weihe ich meinen Gedanken. Sie zerrinnen mit dem Sand und finden ihr Ende. Ich zerbreche das Bild und bitte darum, dass ich die Scherben nicht noch einmal kitten werde.