Sich selbst entbinden

 

Schrei © Matthias Mala

Klar, es gibt kein Ich, ist doch logisch! Nur die Psyche ist nicht logisch, sondern seltsam. Also ist es da, das Ich, auch beim Erleuchteten – gerade darum, weil es bei ihm logischerweise nicht da sein sollte. Nur, auch der Erleuchtete besitzt eine Psyche, und damit auch seine ureigenen Seltsamkeiten. Doch das spielt alles keine Rolle. Denn eine Psychologie der Erleuchtung wäre, da nicht normativ, ohnehin für die Katz. Weiterlesen

Werbeanzeigen

Fein und fürchterlich

Predigt © Matthias Mala

Predigten haben etwas einlullendes; sie kreisen meist monothematisch um einen Punkt, und ihr Kreisen wird zum Kreißen, und am Ende gebären sie eine Seifenblase an Erkenntnis, die kurz darauf platzt, sprich die Quintessenz, das heißt der fünfte Aufguss mystischer Verzückung, verpufft lautlos als feuchtes Lüftchen. Zurück bleibt nichts, außer allenfalls der Durst nach erneuter spiritueller Anmutung und belangloser Verzauberung; weswegen man sich am nächsten Sonntag wieder zur Kirche begibt, um demselben Prediger zu lauschen.

In meinem Sprengel predigt ein narzisstischer Priester, der sich mit jeder Predigt so schamlos in Selbstverzückung ergeht, dass man meint, ob dieser Leidenschaft müsse er, wenn nicht ausschließlich von sich doch auch vom Heiligen Geist beseelt sein. Also reisen Gläubige von weither, um ihn zu erleben und ihm zu lauschen. Seine Kirche ist auch stets gut gefüllt. Sie ist wie anderswo eine In-Kneipe eine In-Kirche. Man kommt und findet es doll, dabei gewesen zu sein, einen Priester beinahe beim evangelikalen Zungenreden erlebt zu haben.

Diesmal ging es um Trost, nicht in dieser Pfarre, sondern bei der Predigt zum 3. Advent Weiterlesen

Selbstbesonnen ist der Weg

Ein Geschenkbuch für alle, die die mystisch, spirituelle Versenkung schätzen.

Lied 148 Stundenbuch der weißen Magie

Losung

Mein erster Freund bin ich selbst. Versage ich mir meine Freundschaft, versage ich mir meine Freunde. Nicht von anderen geliebt zu sein, sondern mich selbst zu lieben, ist Voraussetzung, um liebenswert zu sein.

Versenkung

Die Einheit von Seele, Geist und Psyche mit seiner Welt zu leben ist höchste Glückseligkeit und wahre praktizierte Magie. Sich dieser Forderung immer wieder zu erinnern, ist der magische Weg. Obgleich unsere Seele in der Halle des magischen Raumes weilt, bleiben wir den Einflüssen unserer Welt ausgesetzt. Unsere Psyche erzittert unter dem Anprall dumpfer Schwingungen, die böse Menschen aussenden. Wir empfinden uns in solchen Augenblicken gespalten, als aus dem Himmel Gestürzte. Die Kommunikation zwischen Seele und Psyche ist gestört, weil der Geist durch die psychische Gewalt, der wir ausgesetzt sind, verstört ist. Erinnern wir uns jedoch der ursprünglichen Einheit, finden wir die Kraft, uns zu versiegeln und den Kreis zu schließen. Denn zur Einheit gelangen wir nicht, indem wir das Böse bezwingen. Einheit entsteht niemals im Gegensatz zu einer anderen Kraft, sondern stets nur durch die Sammlung der eigenen inneren Kräfte. Der Gegner ist nicht der böse Feind, sondern wir selbst, sobald wir unsere Integrität aufgeben. Bleiben wir in uns, bleiben wir letztlich unerschütterlich.

Lasse ich mich durch äußere Widrigkeiten soweit erschüttern, dass ich auch innerlich zerrüttet bin?

Stimmung

Mein Haupt ist bedeckt und mein Gürtel eng geschnürt, ich schließe mich in meinen Mantel. Mein Blick rundet den Kreis und seine Kraft wird mir zum Dom. Nun umkränzen Blüten mein Haupt und mein Mantel schwingt weit. Ich bitte darum, dass ich mir diese Offenheit nicht nehmen lasse.

Magische Klingelschilder

Ein Geschenkbuch für alle, die die mystisch, spirituelle Versenkung schätzen.

Lied 146 Stundenbuch der weißen Magie

Losung

Drei Schritte vor, zwei Schritte zurück, so bewegt man sich bei einer Sprungprozession. Ein Magier bewegt sich ebenso. Was er gestern erkannt hat, heiligt er heute, um es morgen zu zerbrechen. Nichts ist ihm von bleibender Gültigkeit.

Versenkung

Die Sprache der Psyche sind die fassbaren Zeichen. Die Sprache der Seele ist die Magie in Gestalt der himmlischen Räder. Der Magier nennt den ans Dingliche gebundenen Seelenaspekt Psyche. Die spirituelle Empfindsamkeit ist ihm dagegen die wesentliche Eigenschaft der Seele. Die Kommunikation zwischen Psyche und Seele führt der Geist. Er formt den Raum des Verständnisses.Also wird ein geklärter Geist auch zum Mittler zwischen magischem Raum und Seele. Die fassbaren Zeichen sind die Bildsprache der Symbole und der Träume. Die himmlischen Räder sind die Temperamente der Chakren und die Wehen der Aura. Es ist der geklärte Geist, der angeregt vom magischen Raum die Räder kreisen lässt. So verdichtet sich einerseits die Bewegung im Dinglichen; andererseits klärt sich dingliches Streben aufsteigend zum magischen Impuls. So durchwirkt sich das Wirkliche mit dem Unwirklichen. Freilich nützt dem Magier solche Spitzfindigkeit nichts. Denn wandert er durch diese Sphären, begleitet ihn sein Verstand, der nur beschwert, was seinem Herz leicht wäre; erahnt es doch allein den wahren Schein des Anscheins.

Stelle ich mir manchmal vor, dass ich keine Vorstellungen habe?

Stimmung

Räucherwerk umzirkelt den Kreis. Ich drehe das Stundenglas und sehe zu, wie eine Stunde zerfließt. Diese Stunde weihe ich meinen Gedanken. Sie zerrinnen mit dem Sand und finden ihr Ende. Ich zerbreche das Bild und bitte darum, dass ich die Scherben nicht noch einmal kitten werde.

 

Ideologiefreiheit

Religionsfreiheit © Matthias Mala

Das Wort Ideologiefreiheit kennt kaum einer, doch als Religionsfreiheit ist es heute allüberall im Munde jener, die sich die Freiheit herausnehmen im Auftrag ihrer Religion andere zu kujonieren. Es ist aber auch im Munde derer, die meinen, andere in ihrer Entfaltung einzuschränken, sobald sie sie daran hindern, ihre Mitwelt, die ihr Bekenntnis nicht teilt, zu schikanieren. Anscheinend ist Ideologie und insbesondere Religionsfreiheit eine komplizierte Angelegenheit.

Dabei ist es relativ einfach mit der Religionsfreiheit. Vom Standpunkt einer Religion aus gesehen, ist kein Gläubiger frei, sondern an seinen Gott, an den er glaubt oder zweifelt, gebunden. Seine Religion zu verlassen ist eine Todsünde. Gut, die Katholiken begnügen sich inzwischen mit dieser Feststellung und exkommunizieren den Abtrünnigen nicht einmal mehr. Die Protestanten laden den Flüchtigen womöglich noch zum Mandala ausmalen ein. Arg ist es hingegen bei den Muslimen, hier kann es dem Apostaten tatsächlich an den Kragen gehen, denn die nehmen es mit der Todsünde noch wörtlich. Entsprechend eifrig sind sie auch bei der Verfolgung ihrer Freiheit, ihre Religion ausüben zu dürfen. Weiterlesen

Wandel durch Erkenntnis

Erkenntniswandel © Matthias Mala

Der Baum der Erkenntnis im Garten Eden war beinahe ein Apfelbaum wie jeder andere auch, wäre da nicht das göttliche Gebot für die ersten Menschen, nicht davon zu naschen. Doch Adam und Eva verhielten sich menschlich und naschten von seinen Früchten. In der Tat gingen ihn daraufhin, wie es ihnen die Schlange versichert hatte, die Augen über und sie sahen die Welt mit neuen Augen. Abgesehen davon, erzählt die Geschichte vom Sündenfall eigentlich vom Sündenfall des Schöpfers; denn der Allwissende wusste spätestens, nachdem er Adam Eva zur Gefährtin schuf, dass er pfuschte und seine Schöpfung zwar menschlich aber nicht göttlich werden würde. Anschließend disqualifizierte er sich noch dadurch, dass er in seinem heiligen Zorn alle möglichen Plagen über die Menschheit ausschüttete und dazu noch Zwietracht zwischen den Geschlechtern säte. Wahrscheinlich ermächtigte er damals auch die Priesterschaft zur Traumatisierung der unschuldigen Menschenkinder, indem sie die Erbsünde in ihnen beleben und sie fortan missbrauchen durften. Jedenfalls wäre dies eine neue Variante für die Kleriker, um sich von ihrer Schmach des fortgesetzten Kindesmissbrauchs und seiner Vertuschung reinzuwaschen … Weiterlesen

Entelechie, die Zukunft fordert die Gegenwart

Die Zukunft fordert die Gegenwart © Matthias Mala

Telos ist das Ziel und dem Begriff „Entelechie“ eigen. Es bedeutet soviel wie, sein Ziel in sich tragen. Im mystischen Sinne wäre das Ziel aller Schöpfung neben der unlösbaren Einheit mit dem Schöpfer, denselben auch zu überwinden; sich also letztlich von der Schöpfung lossagen zu können, um sich selbst in Seinem Sinne zu kreieren. Es ist ein Paradox, das  sich hierbei in zwei gleichwertig möglichen Zielen darstellt, also zwei zueinander widersprüchliche Wege aufzeigt. Der eine wäre der Weg der Mystiker, nämlich durch Selbsterkenntnis Gotteserkenntnis zu gewinnen, was letztlich einem kosmischen Bewusstsein oder banal ausgedrückt einer Erleuchtung gleichkäme. Es wäre zugleich der lebendige Tod des Egos, denn Erleuchtung ist Ich-Überwindung. Der andere Weg wäre der satanische Weg, der Weg Luzifers mit dem Ziel der Selbstvergottung, nämlich durch Welterkenntnis selbst zum Schöpfer neuer Welten zu werden. Hier schwindet das Ego nicht durch Erleuchtung, sondern durch Selbstzentrierung, auf dass es in sich selbst stürzt und die Inkarnation des eigenen kosmischen Geistes ermöglicht. Letztlich führten beide Wege im Ergebnis zum selben Ziel: ein Wesen mit kosmischem Bewusstsein ohne kleinliche Ich-Zentrierung. In den östlichen Religionen entspricht der mystische Weg dem konventionellen und der satanische dem tantrischen Pfad oder anders ausgedrückt: das eine ist Beschauung und das andere Praxis; das eine ist Luft und das andere Feuer; das eine ist Gnade und das andere Willen. Weiterlesen