Machtmissbrauch

Machtmissbrauch © Matthias Mala

Die Ambivalenz des Begriffes „Machtmissbrauch“ wurde mir erstmals deutlich, als er in Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf der Deutschen Bischofskonferenz 2018 in Fulda kolportiert wurde. Es war der Versuch der Bischöfe diese Verbrechen vordergründig zu erklären, während man sie zugleich hintergründig zu relativieren versuchte. Jedenfalls konnte man die Unzahl der Vergewaltigungen von Kindern und Jugendlichen, von Jungen und Mädchen nicht mehr mit pädophilen Einzeltätern abtun – dafür waren es zuviele. Also begründete man die Untaten mit dem Machtmissbrauch durch in ihrer sexuellen Entwicklung blockierte Kleriker. Davor kannte ich Machtmissbrauch als Synonym für Willkür von Gewaltherrschern und somit als einen politischen Begriff.

Im Grunde ist der Begriff ohnehin unsinnig, denn jeder Macht ist ihr Missbrauch immanent. Macht haben beinhaltet stets auch die Möglichkeit, sie zu missbrauchen. Selbst die liebevolle Macht der Eltern ist missbräuchlich, denn Eltern besitzen die Macht, ihr Kind zu formen. Sie tun es meist in bester Absicht, dennoch formen sie und wissen nicht, was sie dadurch deformieren. Deshalb weiß beinahe jeder Mensch zu klagen, was in seinem Leben anders und besser gelaufen wäre, hätten die Eltern nicht … egal was: sich nicht scheiden lassen; nicht zu oft den Wohnsitz gewechselt oder hätten sie einen härter oder sanfter angefasst. Im Nachhinein wird mal die nicht angewandte, mal die angewandte Macht als missbräuchlich empfunden. Weiterlesen