Blutmond

Blutmond © Matthias Mala

Stellen wir uns vor, wir hausten in einer Kate vor unserer Zeitrechnung, wüssten wenig von der Welt, nur soviel, wie man damals gemeinhin in besseren Kreisen wusste. Das war zwar durchaus beachtlich: einige Zeitgenossen verabschiedeten sich damals gerade von der Theorie, dass die Erde eine Scheibe sei, andere, wie Aristarchos von Samos (310-230 v.Chr), dachten gar darüber nach, dass die Sonne im Mittelpunkt unserer Welt stünde. Dennoch wüssten wir den Kosmos nur als eine Manifestation der Götter zu deuten. Denn in den Bewegungen der Gestirne fänden wir zuviele „Zufälligkeiten“, die wir uns nur durch einen göttlichen Ursprung erklären könnten.

Allein die Tatsache, dass die Himmelsscheiben von Sonne und Mond gleichgroß sind, musste ein göttliches Zeichen sein. Doch damit nicht genug, beide Gestirne tauschen ihre Positionen nicht nur über Tag und Nacht, sondern wechseln sie auch übers Jahr. So steht der Mond im Winter hoch im Norden, während die Sonne tief im Süden scheint. Im Sommer verkehrt sich das Spiel ihrer Laufbahnen. Hierdurch kommt es zu Mondfinsternissen, die den damaligen Menschen zwar unerklärlich waren, die sie dennoch vorausbestimmen konnten. Auch die Wandelsterne waren berechenbar, worauf die Astrologie fußte. Ihre Berechnungen galten als Methode, das Wesen der Götter zu verstehen und sich somit das Leben und Schicksal der Menschen zu erklären. Weiterlesen

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