Der Tod ist honigsüß

Nichts © Matthias Mala

Eine steile Behauptung, der Tod sei honigsüß. Warum nicht chilischarf oder milchsauer? Wer weiß es schon? Es kam außer Christus jedenfalls niemand zurück. Schon deshalb dürfte die Auferstehung eine ziemliche Ente gewesen sein. Selbst wenn man den Reliquienhändlern glauben schenken wollte und annimmt, das Turiner Grabtuch wäre echt, lässt sich damit nichts beweisen. Jedenfalls umhüllte das zweidimensionale Abbild auf dem Tuch keinen dreidimensionalen Körper, außer wir kreieren ein neues Wunder und erzählen uns, Jesus war platt wie eine Flunder.

Was ich damit sagen will ist angesichts des nahenden Novembers mit seinen Totengedenktagen, wir wissen um den Tod – also vom Sterben und Verwesen -, aber wir wissen nichts vom Tod. Wir Lebende können nur die Schwelle des Todes betrachten, jedoch sie nur um unseres Lebens willen überschreiten. Die Toten haben das gleiche Problem, sie gelangen nicht mehr zurück ins Leben. Das löst auch kein Glaube an Reinkarnation; denn niemand konnte sich bislang an ein Leben vor seiner Geburt erinnern. Wer es dennoch behauptet fabuliert, was er glauben möchte; andernfalls sollte er zumindest imstande sein, auch seine frühkindliche Amnesie zu erhellen.

Redlich können wir nur sagen, wir wissen nicht, was vor uns war und was nach uns sein wird. Wir mögen darüber spekulieren und die Spekulation glauben, aber Glauben bleibt Unwissen, selbst Glaubensgewissheit ist nur ein besonders stabiler Glauben. Folglich können wir mit Sicherheit sagen, wir wissen nichts vom Nichtsein noch von dem ihm nach dem Leben folgenden Totsein. Blicken wir zudem auf das große Ganze, das Sein als solches in Gestalt unseres Universums, so wissen wir nur, es war vorher nicht und wird irgendwann nicht mehr sein. Sind wir darob bescheiden und bescheiden uns damit, dass wir vor unserem Leben nichts waren und nach ihm gleichfalls nichts sein werden, dann wissen wir mehr konkretes über den Tod, als alle Religionen und Gscheidhaferl, die mit dem allgemeinen Unwissen über ihn gar noch einen Riesenreibach machen.

Wäre derlei Lebensbetrachtung der Kern einer Religion, wäre wahrscheinlich vieles auf Erden einfacher und so manche Untat würde ihre Rechtfertigung verlieren. Jedenfalls würde so manche Spekulation aufhören, denn wir würden wohl das Paradox oder das Koan: „Nichts ist alles, und alles ist Nichts“, eher intuitiv leben und für uns ein ums andere Mal lösen; so dass wir am Ende unseres Lebens leichthin ins All-Einsein, sprich ins Nichtsein eingehen könnten.