Ostern als Paradoxon – Eine antipodische Betrachtung

Osterkücken

Osterkücken © Matthias Mala

Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Wohl gewählt fällt dieses Fest auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Der scheinbare Stillstand des Winters ist gebrochen, die Natur erwacht mit frischer Blüte. Der Kreislauf des Lebens beginnt, sich sichtbar fortzusetzen. Ostern ist demgemäß ein Sinnbild von Wiedergeburt und Überwindung des Todes. In diesem Verständnis wurde es von jeher gefeiert, auch lange bevor das Christentum entstand. Schließlich erfasste man von Anbeginn aller Religionen den Jahreskreis als ein göttliches Geschehen, das es zu deuten galt, um mit den himmlischen Mächten ins Zwiegespräch treten zu können. Dies war und ist rund um den Globus so. So feiern beispielsweise die Maoris ihr Neujahrsfest „Matariki“ wie wir auch mitten Winter, nur mit dem Unterschied, dass bei ihnen der Winter Einzug hält, wenn bei uns der Sommer beginnt. Weiterlesen

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Reduktion

November

November © Matthias Mala

Am Barbaratag sah ich bei einem Besuch auf der Frauenwörth, noch ein Beet Lauch in einem Garten stehen. Bis spät in den November hinein wurden allerorten die letzten Ernten eingebracht: Nüsse, Kohl, Kürbis, Schwarzwurzeln und so manches harrt – wie gesehen – immer noch darauf. Später noch, nach dem ersten Frost, kommen Grünkohl, Hagebutten und Schlehen in den Korb. Noch viel später im Januar wird der Eiswein gelesen. Derlei Einbringen ist ein langsames Enden; obwohl man bei genauer Betrachtung neben dem Rückzug des Lebens auch Fortbestand und Blüte entdecken kann. So weicht das Grün nicht überall. Die Wiesen und die niedere Frucht des Winterweizens widerstehen dem Frost, und Winterblüher wie Erika, Christrose oder Winterjasmin öffnen ihre Blüten. Mag sich darüber auch die Schneedecke wie ein weißes Leichentuch legen und vom allgemeinen Stillstand künden, unter ihm pulsiert weiterhin die gewaltige Kraft des Lebens. Es atmet nur aus, verharrt kraftschöpfend für eine kurze Weile, um schließlich im Frühjahr rauschend zu erwachen. Somit bleibt der winterliche Niedergang, der Tod, nur ein Wandler. Das Leben endet, um wiederbelebt neues Leben zu stiften. Es weicht, um sich selbst bebrütend neu zu gebären. Durch den Tod geht das Leben mit sich schwanger. Weiterlesen