Reden bringt Frieden

Besser reden © M. Mala

Was das Zeitgeschehen angeht, stehe ich meist abseits. Ich lese seit über 20 Jahren so gut wie keine Zeitungen und konsumiere keine Fernsehnachrichten. Mir genügen die Nachrichten im Radio, und die schalte ich ab, sobald Verlaufsformen wie Studierende oder Doppelnennungen wie Bürger und Bürgerinnen gesprochen werden. Allein dass diese Sprachpanschereien über den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) verbreitet werden, zeigt mir, dass der ÖRR insgesamt zensiert wird; wobei es letztlich egal ist ob durch freiwillige Selbstzensur oder Zensor. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes war schon immer eine Leerformel.

Diese Einleitung erhellt, dass ich weder unpolitisch bin, noch die politische Weisheit gelöffelt habe. Ich habe wie jeder andere meine Ansichten zum Zeitgeschehen und bin imstande, es von verschiedenen Seiten zu betrachten. Derzeit befinden wir uns in einem Vorkriegszustand mit Russland, das die Ukraine angegriffen hat. Gleichwohl hat dieser Krieg seine Vorgeschichte, an der die Nato beteiligt war. Die Erweiterung der Nato, ihre Unterstützung der verschiedenen Regime in der Ukraine zeigte Russland deutlich, dass man die westliche Einflußsphäre weiter ausdehnen möchte.

Derzeit gibt es 25 heiße Kriege und über 300 bewaffnete Konflikte auf der Welt. Es sind die Kriege der Kinder jener alten Hippies, die sich einst mit „Peace“ begrüßten, was häufig auch das Synonym für einen Joint war. Soldaten im Rausch sind seit der Steinzeit gewöhnlich. Doch alle Kriege enden, selbst der dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden. Ein Frieden muss nicht das Ende eines Konfliktes sein, aber er unterbricht zumindest das Morden. Die meisten Frieden kamen durch Verhandlungen zustande, die wenigsten, weil sich ein Krieg ausläpperte.

Einem Frieden gehen in jedem Fall Verhandlungen voraus, das heißt man muss ins Gespräch kommen. Das ist Angelegenheit der Diplomatie. Allem Wortgetöse und allen verbalen Injurien zum Trotz, die während eines Krieges geäußert werden, wird man sich wieder zusammensetzen, um eine Nachkriegsordnung zu bestimmen. Diese kann durchaus den Keim für einen weiteren Krieg in sich bergen, so wie es 1871 und 1918 der Fall war; ebenso kann aber auch der Mehltau der Zeit manchen schwelenden Konflikt ersticken. Man vergisst, sich zu hassen und zu bekriegen; so wie Preußen und Bayern nach 1866, was aber zugleich die gelungene Vorbereitung zum Krieg gegen Frankreich 1871 war.

Frieden ist nur selten die Festschreibung erreichter Kriegsziele, sondern, insoweit er solide sein soll, der solide Interessenausgleich zwischen den Kontrahenten. Die Voraussetzungen für einen Frieden sind vom Kriegsfortgang abhängig. Solange für eine Seite der Kontrahenten noch ein mögliches Kriegsziel aussichtsreich erscheint, wird man allenfalls ins Gespräch kommen, aber gewiss nicht zu einem Friedensschluss. Je eher aber die Einsicht greift, dass eine Fortsetzung des Krieges nur den Blutzoll erhöht, umso höher wird die Bereitschaft, ernsthafte Friedensverhandlungen zu führen. Kriegsführung ist demnach auch ein Geschäft der Illusionisten, die den Herrschenden die Wirklichkeit verblenden. Häufig ist allerdings der Feldherr sein eigener Illusionist, wie wir es mit unserem GröFaZ erlebten.

Je eher also die Vernunft obsiegt und man einsieht, dass man zwingend ins Gespräch kommen muss, umso weniger ermordete Soldaten und Bürger wird es geben. Doch leider zählt ein Leben nur wenig im Krieg, und je länger er währt umso verrohter und abgestumpfter werden die Beteiligten. Dementsprechend schlimm sind die Kriegsfolgen, aber auch sie können nur gemildert werden, wenn man im Gespräch bleibt. Darum ist es besser überhaupt im Gespräch zu bleiben, doch hierfür braucht auch es eine Gesprächskultur, die allerdings zu allen Zeiten immer wieder verloren ging, weil sie um der eigenen Selbsterhöhung wegen den Demagogen geopfert wurde und wird.