Umarmen, ja, aber nur herzlich

Umarmung © Matthias Mala

Jüngst dachte ich über Umarmungen nach, weil ich einen Menschen umarmen wollte, es aber dann doch unterließ und wenig später einen anderen herzlich umarmte. Was zeigt, aufeinander zuzugehen und sich zu umarmen, ist oft ebenso überlegt wie spontan – also menschlich.

Manch einer meint, Händeschütteln sei eine Kulturleistung, die die Welt friedlicher gemacht habe, da man aufeinander zuginge, einander Verbundenheit und Eintracht bezeuge. Allerdings handelt es sich dabei um eine relativ junge Kulturleistung. Sie soll in Zeiten der Gnosis, also um die Zeitenwende, als Erkennungszeichen der Gnostiker untereinander entstanden sein; so wie Banden überall auf der Welt und durch alle Zeiten hindurch ihre eigenen Begrüßungsrituale pflegten und pflegen. Durch das Christentum, einer ursprünglich gnostischen Sekte, soll das Händeschütteln im westlichen Kulturkreis überdauert haben. Sei’s wie’s sei, jedenfalls wurde die Welt dadurch nicht friedlicher, selbst unter Christen nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass man sich durchs Händeschütteln einen Mitmenschen auch auf Distanz hält. Weiterlesen

Gottes Gesicht

(ESA/NASA) Hubble-Aufnahme der Antennengalaxie

(ESA/NASA) Hubble-Aufnahme der Antennengalaxie

Pareidolie nennt man die Eigenschaft, in Dingen, die man betrachtet, Figuren zu erkennen. Das Wolkengucken ist wohl die bekannteste und von jedermann immer wieder durchgespielte Form der Pareidolie. In psychoanalytischen Erhebungen spielt zum Beispiel auch der Rorschachtest eine wichtige Rolle. Als Klient kann man dabei den Psychoanalytiker mächtig verwirren, wenn man in den Testbildern statt einer Pareidolie einfach nur Tintenkleckse sieht. Dafür ist man selbst analytisch aus dem Schneider, denn wo keine Phantasie, da auch keine Abartigkeiten, die einem der Analytiker unterschieben kann. Was wiederum ein Beleg dafür wäre, wie man seine Welt zwar konfliktfreier, jedoch in ihrem Ausdruck auch ärmer machen könnte, indem man sich nämlich gar keine Gedanken mehr machen würde.

Heute fand ich ein Bild vom Weltraumteleskop Hubble im Netz. Es zeigt die Antennengalaxie, die sich vor einigen Millionen Jahren bildete, als zwei Galaxien miteinander kollidierten. Am linken Rand der Galaxie sieht man eine sepiafarbene Kontur, die auf mich wirkt wie der gezeichnete Schattenriss eines Gesichtes. Ich sehe das Auge, eine flache Nase und ein wenig nach unten gezogene Lippen, als wäre da jemand mürrisch. Dem Kinn folgt ein Doppelkinn aus loser Haut, wie es ältere Menschen häufig haben. Das Gesicht wirkt auf mich überhaupt recht alt; wie auch anders, wenn zwei Galaxien sich treffen, muss viel Zeit verstrichen sein. Weiterlesen