Wachstum

Wachstum

Wachstum © Matthias Mala

Der Turmbau zu Babel ist ein biblischer Mythos zur Hybris der Menschen, Gott herauszufordern. Als Strafe für diese Anmaßung kam die babylonische Sprachverwirrung über die Menschheit. Die Sage vom Turmbau kann aber auch als eine Metapher unkontrollierten Wachstums gedeutet werden. Jedenfalls haben wir kein Zeugnis dafür, dass die Menschen in Babylon bescheidener als wir gewesen waren? Wahrscheinlich huldigte man damals ebenso einem Wachstumsglauben wie heute, dass alles immer größer, weiter und besser werden müsste. Die Folgen werden dann auch damals, weil alles Wirtschaften einem Zyklus unterliegt, Rezession und die Verarmung großer Teile der Bevölkerung gewesen sein, die sich dann als Arbeitsemigranten in ferne Länder aufmachten und dort mit fremden Sprachen konfrontiert wurden. Das allein wäre schon als eine schicksalshafte Katastrophe empfunden worden. Wenn dann noch zugleich ein Erdbeben den schönen Turm zum Einsturz gebracht hätte, wäre die Geschichte stimmig. – Noch dazu weil Hochhäuser mit Rekordhöhen bislang in der Tat stets am Ende besonders starker ökonomischer Wachstumsphasen entstanden. Insofern sind Wolkenkratzer heute wie damals der Turm zu Babel auch ein Zeichen wirtschaftlicher Megalomanie und somit eher ein Merkmal dafür, dass wir aus unserer ökonomischen Geschichte nur wenig gelernt haben.

Deshalb möchte ich an eine andere Geschichte erinnern, nämlich die vom Hans im Glück. Weiterlesen

Sehen, was ist

Weg in und aus einem Labyrinth © Matthias Mala

Weg in und aus einem Labyrinth © Matthias Mala

Vor ihr lag das vor Jahrtausenden von einem Gletscher ausgewaschene Tal. Sie blickte hinab und sah, wie die Menschen beschäftigt hin- und herfuhren. Das Surren der Motoren drang leise bis zu ihr hinauf. Die Schatten der Bäume drehten über den Tag von Westen nach Osten. Wolkenschatten tanzten die Hänge hinauf und hinab. Die Farben des Tals veränderten sich mit dem Sonnenlauf. Nie war das Bild gleich.

Sie saß öfters an diesem Fleck, um ins Tal zu blicken und die Bewegungen dort unten aus der Stille um ihre Hütte zu betrachten. Oft erfasste sie dabei Frieden und ließ sie einfach nur schauen, hören und riechen. Da war keine Ablenkung, jede Bewegung ob in der Nähe am Haus oder in der Tiefe im Tal war gleichwertig. Nichts hob sich hervor. Allein übers Jahr veränderten sich die Stimmung, die Farbe, der Duft und auch die Geräusche, um im nächsten Jahr im gleichen Rhythmus wieder zu erstehen. Ihre Schau war häufig stille Einsicht. Weiterlesen

Resilienz

Resilienz © Matthias Mala

Resilienz © Matthias Mala

Das Elend interessiert niemanden. Das Glück und Unglück der Reichen regt dagegen jedermanns Interesse. Weswegen sich auch eine Zeitschrift wie Gala prima verkauft, während die Obdachlosenzeitungen eine Randerscheinung im Blätterwald sind. Häufig werden sie nur deswegen gekauft, um dem noch im Elend verwurzelten Verkäufer einen Obolus zukommen zu lassen. Diese Verkäufer sind Menschen, die wahrlich nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden, die es aber dennoch wagen, ihrem Abgrund zu entkommen und eine bescheidene bürgerliche Existenz zu beginnen. Die Hindernisse auf ihrem Weg sind groß, manche schaffen es, viele stürzen wieder ab und verschwinden im Elend.

Es gibt viele Berufe, die mit dem Elend konfrontiert sind. Polizisten, Sozialarbeiter, Priester, Psychologen. Es sind ganz unterschiedliche Ausformungen von Elend, denen sie begegnen; doch fast immer handelt es sich um Gewalt und Gemeinheit, die Menschen anderen Menschen an Leib und Seele antaten. Das Elend auf dieser Welt ist fast immer von Menschen gemacht. Selbst Katastrophen wie beispielsweise die Erdbebenfolgen in Haiti vom 12. Januar 2010 sind Menschenwerk. Denn wäre der Staat dort nicht so durch und durch korrupt, hätte man Häuser gebaut, die einem Erdbeben standhielten. Ein vergleichbar kräftiges Erdbeben erschütterte am 4. September des gleichen Jahres Christchurch in Neuseeland, die Schäden waren auch dort groß, aber die Erdbebenfolgen keine Katastrophe. Weiterlesen

Bewegte Stille

Stille © Matthias Mala

Stille © Matthias Mala

 Mit einem Male war es still in der Schwimmhalle. Ich zog jetzt meine Bahnen alleine im Becken. An Laut war nur noch das blubbernde Geräusch meines Atems unter Wasser, das rhythmische Plätschern der Schwimmbewegung und das ferne Strömen der Wasserumwälzung. Leise war es nicht, doch dafür still, denn es kehrte Ruhe in mir ein und das Schwimmen wurde zur Meditation.

Was ist an Stille so heilig, dass wir sie so erhöhen? Wieviel Geräusch lässt Stille zu? Wann ist Stille unerträglich? Ist Gott still? Weiterlesen

Ich schließe mich diesem Aufruf an und bitte meine Leser sich ein Abo dieser schätzenswerten Zeitschrift zu überlegen. Es wäre schade, wenn sie nicht mehr in Papierform erhältlich wäre.
Herzlichen Gruß
Matthias Mala

Was mich bewegt ...

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Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

heute möchte ich an dieser Stelle die Aufmerksamkeit auf einen Aufruf des Connection-Verlags lenken:

Wolf Schneider hat in seinem aktuellen Verlags-Newsletter unmissverständlich deutlich gemacht, dass er – aus wirtschaftlichen Gründen – mit den Print-Ausgaben aller Connection-Hefte nur weiter machen kann, wenn eine große Zahl neuer Abonnenten (mindestens 150) hinzu kommt.

Falls das im nächsten Monat nicht geschieht, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Umstellung auf reines E-Publishing geben.

Hier der ausführliche Text: Verlags-Newsletter

Der Erfolg der heute ausgerufenen Abo-Aktion, an der sich möglichst viele Freunde und Freundinnen des Connection-Verlags beteiligen mögen, ist an einem Newsticker auf der Connection-Website abzulesen: http://www.connection.de.

Diese Info bitte in alle Himmelsrichtungen weiter geben!!

Mit herzlichem Gruß

Marianne

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Entsetzte Gedankenstille

Inn © Matthias Mala

Frühling am Inn © Matthias Mala

Am gegenüberliegenden Ufer hat der Biber Bäume angenagt. Einer fiel gestern um. Er liegt mit seiner Krone im Fluss. Palmkätzchen schmücken die kahlen Weiden, in den Gärten blühen Schneeglöckchen und Krokusse. Warmer Wind fällt von den Bergen, ihm entgegen bläst ein kühler Nordwind. Gegen Abend wird der kalte Wind obsiegen. Es wird wieder schneien, und der Schnee wird die frühe Blüte bedecken.

Doch jetzt wandern wir am Fluss entlang. Und mit uns wandern die Sorgen durch den Kopf. Weiterlesen

A Leich

Melancholie

Melancholie © Matthias Mala

Die Schneedecke war aufgebrochen. Daneben ein Haufen aufgeworfene Erde. Eine Grube, ungewöhnlich tief für ein Grab. Als das letzte Lied für die Verstorbene erklang, verstummten die Krähen, dafür sang eine Amsel. Reihum warf ein jeder eine Schaufel Erde auf den Sarg in der Grube und eine Handvoll Rosenblätter hinterher.

Im Wirtshaus fand man sich zur Leich ein. Die Wärme tat gut, und man dachte an die Kälte auf dem Friedhof. Ob die Verstorbene jetzt frieren würde? Nein, unter der Erde würde es ihr sogar warm werden. So sinnierte man vor sich hin, über die Tote, über ihr Leben, über dies und das und immer wieder gab es eine Verdrehung, die die Gesellschaft lachen ließ. Es war wie so oft auf einer Leich, Trauer und Witz vermischten sich, zur Melancholie des Übergangs. Denn jedes Sterben ist ebenso Verlust wie Gewinn von Leben. Es schafft Raum für Wandlung. Weiterlesen

Maskenball

Atelier-Ruth-Mala

Atelier Ruth Mala © Matthias Mala

Ein Kollege erzählte vor einer Sitzung von seinem Onkel, der einen Tumor im Kopf mit sich trug, der ihn bald dahinraffen sollte. Sie hörte am Rand der Runde zu. Später sprach sie ihn an, sie kenne eine Heilerin, die das bestimmt hinbekommen würde. Der Kollege winkte ab. Er wollte es nicht hören. Doch sie sprach weiter, obwohl sie weder den Onkel kannte noch den Kollegen kaum und nicht mehr wusste, als sie soeben am Rande mitgehört hatte: jemand stirbt an einem Gehirntumor.

Der sterbende Onkel war selbst jahrelang als Heiler tätig. Er hatte vielen die Hand aufgelegt. Weiterlesen