Nichts ist umsonst …

… und alles willkürlich. Hätte zum Beispiel Judas dem Heiland keinen Judaskuss auf die Wange gedrückt, wäre Jesus von den Häschern nicht erkannt und womöglich statt ihm irgendeiner seiner Jünger verhaftet worden. Der beabsichtigte Schauprozess vor dem Gouverneurspalast des Pilatus wäre in die Hose gegangen und man hätte wohl den Barabbas gekreuzigt und nicht laufen gelassen. Damit wäre aber auch die ganze Auferstehung perdu gewesen und Jesus womöglich nur ein seltsamer Heiliger aber nicht der Christus geworden.

Nur mit Judas war der Verrat am Heiland und somit dessen Kreuzigung, Höllenfahrt und Auferstehung möglich geworden. Eigentlich müsste Judas als der Stifter des Christentums gelten, denn die anderen Jünger waren wohl ähnlichen Einflüsterungen des Heiligen Geistes ausgesetzt gewesen, die Mission des Gottessohnes an ihr Ziel zu führen. Indessen hatten sie sich diesen schlechten Gedanken widersetzt. Also blieb die Aufgabe an Judas hängen, und er büßte dafür. Ob er sich erhängte, weil er von den anderen Jüngern dafür missachtet wurde, oder weil er erkannte, dass für ihn kein Platz mehr neben dem Auferstandenen wäre, wer weiß es. Jedenfalls fädelte Judas die Geschichte des Christentums ein, die der Gesalbte letztlich wie vorgesehen vollendete. – Danach soll er nicht in den Himmel gefahren, sondern nach Srinagar in Nordindien gezogen sein; wo er als weiser Mann beerdigt worden sei. Weiterlesen

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Uns zum Ebenbilde

Uns zum Ebenbild © Matthias Mala

Uns zum Ebenbild © Matthias Mala

Als wir Menschen noch in Höhlen lebten, machten wir aus Blitz und Donner Götter. Wir konnten uns die Wettererscheinung nicht erklären, also versuchten wir, sie uns zu deuten. Und weil Blitze töten und Feuer entfachen konnten, waren sie erkennbar mächtiger als wir. Zudem vermuteten wir, dass das, was so viel mächtiger als wir war, uns auch beherrschen konnte. Folglich machten wir uns diese Macht durch Geschenke wohlgesonnen. Womit wir unser eigenes Verhalten auf die unerklärliche Macht projizierten. Wie oben so unten, ist der magische Grundsatz, der hierbei zur Geltung kommt und gewissermaßen durch seine Verkehrung der Wirklichkeit fast wie ein Gottesbeweis verstanden werden kann. In jedem Fall war ein derartiges intuitives magisches Verständnis eine erste Manifestation von Religion. Mit diesem Fundament ließ sich jedenfalls leichthin durch logische Deduktion manch prächtige Religion ausbilden.

Denn unsere Umdeutung von Blitz und Donner zu Thor und Jupiter war eine Deutung nach dem Prinzip wie unten, so oben. Wir schrieben unsere Klanstrukturen in den Himmel hinein, und nahmen diese Zuschreibung wiederum als Beleg für die Existenz der Gottheit, der wir fortan opferten, um sie uns gefällig zu machen. Ein Zirkelschluss, der nicht so lange Bestand gehabt hätte, wenn nicht die Priesterkaste damit auch ihre Herrschaft begründen konnte und weiterhin begründet. Schließlich funktioniert dieses magische Similiaritätsprinzip unter anderem auch heute noch unter dem Namen komplementäre Medizin als anscheinende Wissenschaft. Warum also sollte die Religion nicht wie eh und je als vermeintliche Geisteswissenschaft heute noch Bestand haben. Dementsprechend benützen wir im heutigen Eklektizismus, bei dem sich jedermann seine Religion aus Esoterik und Quantenphysik nach Gutdünken zusammenschustert, die gleichen Muster verquerer Logik, um zu deuten, was wir nicht begreifen können. In der Folge glauben wir, weil wir unser Unwissen in den Himmel hineingeschrieben haben, dass es von dort aus auf uns, als uns erhellende Wirklichkeit, niederkommt.

Es ist das uralte Gedankenspiel mit der Verschiedenheit von Substanz und Akzidenz, dem Wesentlichen und Unwesentlichen. Weiterlesen

Geistlose Geschwätzigkeit

Wahrheit © Matthias Mala

Wahrheit © Matthias Mala

Treten wir durch stille Betrachtung unseres Seins und Mitseins in jene Sphäre über, in der die Betrachtung nicht mehr die unsere, sondern scheinbar eine fremde ist, also in jenen geistigen Ausnahmezustand der Mystiker ein, in dem sie von ihrer Mitwelt schlicht für irre gehalten und womöglich später heiliggesprochen wurden, dann … Dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wir verstummen, weil uns das Unermessliche überwältigte, oder aber wir werden geschwätzig und beginnen, wie Pfingstler zu stammeln, indem wir das Unermessliche in die begrenzte Dimension der Worte zwängen wollen. Was dabei herauskommt, vermitteln uns die Religionen seit einer gefühlten Ewigkeit.

Kündete doch Johannes mit dem ersten Satz seines Evangeliums in gnostischer Manier von der Macht des Wortes: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“. Und er erzählt weiter, wie der Seelenfunkenfischer, der Archont Jesus Christus, auf die Erde niederkam, Weiterlesen

Unpolitisch sein

Konsens im Dissens © Matthias Mala

Konsens im Dissens © Matthias Mala

Sein Garten war sein Refugium. In ihm zog er Gemüse und Blumen, meditierte und diskutierte mit seinen Schülern. Es war ein schönes Stück Land vor der Stadt, ein wahrer Hort der Einkehr – ja, beinahe ein heiliger Ort. Seine Peperoni, die er dort erntete, machten ihm besondere Freude. Klärte doch ihre Schärfe immer wieder aufs neue seinen Geist und Leib. So verbrachte der Meister viele gute Jahre in seinem Haus und Garten.

Irgendwann jedoch nahmen Bauträger seinen Grund ins Visier. Man machte ihm ein Angebot, das er ablehnte. Man erhöhte das Angebot, was er wiederum zurückwies, da er seinen Garten nicht aufgeben wollte und ihm das angebotene Geld nichts bedeutete. Also griffen die Baulöwen zu unlauteren Methoden und vergälltem ihm das Leben in seinem Refugium derart, dass er schließlich aufgab und in die Stadt zog. Weiterlesen