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© Matthias Mala

Als man ihr vor der Aussegnungshalle kondolierte, sprach sie vom sonnigen Wetter und von dem nahen Ententeich mit den blühenden Seerosen. Sie war zwar in Schwarz, doch sie war kaum in Trauer. Nur ab und an, wenn ein besonders mitfühlendes Trostwort, ihr den traurigen Anlass wieder vergegenwärtigte, weinte sie still. Doch schon beim nächsten Blickwechsel, fiel ihr Schmerz sommerlichter Vergessenheit anheim. Sie ging am Arm des Neffen, plauderte mit ihm über Vergangenes. Der Tod ihres Mannes war nur ein flüchtiger Schatten vor den noch hellen Erinnerungen. Er blieb ein unbemerktes Ereignis in haltloser Gegenwart.

Die Freundin kam aus der Aufbahrungshalle, ging auf die Witwe zu, sprach ohne Umwege von dem Auto, dass man ihr nun überlassen könne. Hatte sie auch zuvor Beileidsworte geflüstert, waren sie bereits bedeutungslos, weil dort verheuchelt und da vergessen. Nein, erwiderte die Witwe in täuschender Präsenz, das sei nun doch der unpassende Moment. Später, ein anderes Mal. Als sei der Wagen schon ihrer, verklärte sich der Blick der Freundin, und verschwörerisch riet sie: Hör nicht auf, Joachim, er tut dir nur schön und redet hinter deinem Rücken schlecht. Er will dich nur betrügen. Mit leeren Augen folgte die Witwe der Richtung, in die die andere deutete.

Sie sah den verblassten Charmeur, der sie schon eine Weile wie ein Planet umkreiste, Weiterlesen