Wandel durch Erkenntnis

Erkenntniswandel © Matthias Mala

Der Baum der Erkenntnis im Garten Eden war beinahe ein Apfelbaum wie jeder andere auch, wäre da nicht das göttliche Gebot für die ersten Menschen, nicht davon zu naschen. Doch Adam und Eva verhielten sich menschlich und naschten von seinen Früchten. In der Tat gingen ihn daraufhin, wie es ihnen die Schlange versichert hatte, die Augen über und sie sahen die Welt mit neuen Augen. Abgesehen davon, erzählt die Geschichte vom Sündenfall eigentlich vom Sündenfall des Schöpfers; denn der Allwissende wusste spätestens, nachdem er Adam Eva zur Gefährtin schuf, dass er pfuschte und seine Schöpfung zwar menschlich aber nicht göttlich werden würde. Anschließend disqualifizierte er sich noch dadurch, dass er in seinem heiligen Zorn alle möglichen Plagen über die Menschheit ausschüttete und dazu noch Zwietracht zwischen den Geschlechtern säte. Wahrscheinlich ermächtigte er damals auch die Priesterschaft zur Traumatisierung der unschuldigen Menschenkinder, indem sie die Erbsünde in ihnen beleben und sie fortan missbrauchen durften. Jedenfalls wäre dies eine neue Variante für die Kleriker, um sich von ihrer Schmach des fortgesetzten Kindesmissbrauchs und seiner Vertuschung reinzuwaschen … Weiterlesen

Advertisements

Geliebtsein

Liebe © Matthias Mala

Liebe © Matthias Mala

Ein Sandsturm aus der Sahara trug den Wüstensand übers Meer und über die Berge. Hier verschleierte er den Himmel und bedeckte allmählich jeden Grashalm und jedes Blatt mit einer feinen Staubschicht. Die Autobesitzer fuhren ihre vom schöngelben Sand bepuderten Fahrzeuge durch die Waschstraßen. Der über Jahrtausende durch die Wüste wehende Wind hatte die Sandkörnchen so rund geschliffen, dass sie im Zement keine Bindungskraft mehr entfalten. Es war nur Sand, unnützer Sand.

Auch die Liebe weht. Sie weht durch die Welt, durchweht jeden ihrer Winkel und das von Anbeginn an. Liebe ist Schöpfungskraft. Liebe trat in den Raum, noch ehe der Raum Raum war. Liebe war da, noch ehe die Welt war. Indem die Liebe ohne sich zu bewegen in Bewegung geriet, wurde sie sich selbst zum Wind und die Schöpfung nahm ihren Anfang. Weiterlesen

Wachstum

Wachstum

Wachstum © Matthias Mala

Der Turmbau zu Babel ist ein biblischer Mythos zur Hybris der Menschen, Gott herauszufordern. Als Strafe für diese Anmaßung kam die babylonische Sprachverwirrung über die Menschheit. Die Sage vom Turmbau kann aber auch als eine Metapher unkontrollierten Wachstums gedeutet werden. Jedenfalls haben wir kein Zeugnis dafür, dass die Menschen in Babylon bescheidener als wir gewesen waren? Wahrscheinlich huldigte man damals ebenso einem Wachstumsglauben wie heute, dass alles immer größer, weiter und besser werden müsste. Die Folgen werden dann auch damals, weil alles Wirtschaften einem Zyklus unterliegt, Rezession und die Verarmung großer Teile der Bevölkerung gewesen sein, die sich dann als Arbeitsemigranten in ferne Länder aufmachten und dort mit fremden Sprachen konfrontiert wurden. Das allein wäre schon als eine schicksalshafte Katastrophe empfunden worden. Wenn dann noch zugleich ein Erdbeben den schönen Turm zum Einsturz gebracht hätte, wäre die Geschichte stimmig. – Noch dazu weil Hochhäuser mit Rekordhöhen bislang in der Tat stets am Ende besonders starker ökonomischer Wachstumsphasen entstanden. Insofern sind Wolkenkratzer heute wie damals der Turm zu Babel auch ein Zeichen wirtschaftlicher Megalomanie und somit eher ein Merkmal dafür, dass wir aus unserer ökonomischen Geschichte nur wenig gelernt haben.

Deshalb möchte ich an eine andere Geschichte erinnern, nämlich die vom Hans im Glück. Weiterlesen