Immergleich

Südfriedhof © Matthias Mala

Südfriedhof © Matthias Mala

Das Radio läuft. Launig erzählt jemand, wie ein Abt vor mehr als tausend Jahren Straßen in den Wald bauen ließ, um die Rodungen voranzutreiben. Zugleich fällt mir dazu ein, wie diese braven Mönche Wotaneichen abholzten, um die Machtlosigkeit der heidnischen Götter zu demonstrieren. Manch einer dieser Mönche bezahlte zwar seinen Frevel mit dem Leben, doch wurde er darauf zum Märtyrer und Heiligen. Gleichzeitig assoziiere ich zu islamischen Märtyrer, nach denen heute Moscheen und Schulen benannt werden. Doch zurück zu den Mönchen, die in den Lebensraum der Heiden eindrangen, ihnen ihren Glauben aufdrängten und im Gegenzug ihre Rituale und Bräuche übernahmen und umdeuteten. Damit verschwand deren Kultur, und wer sich dennoch dem neuen Glauben verweigerte, büßte mit seinem Leben. So löste unsere christliche Kultur die heidnische ab. Und weiter dachte ich, was hier so launig erzählt wurde, wird in anderer Weise in China erzählt, wo man aktuell die Kulturrevolution und Mao heroisiert. Der millionenfache Mord und die herrschsüchtige Vereinnahmung der Gedanken durch die revolutionären Garden, unterscheiden sich prinzipiell nicht von den Untaten der Mönche, Mullahs und allen anderen Missionaren, die die Menschheit mit ihren Ideen beglücken wollen. „Denkt so wie ich und alles wird gut“, so die immer wiederkehrende Begründung der wahnhaften Menschheitsbeglücker.

Derart motiviert wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte Abermillionen Menschen ermordet und Männer in Kriegen verheizt. Weiterlesen

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Ein guter Mensch

Memoria Robert © Matthias Mala

Memoria Robert © Matthias Mala

Letzte Woche haben wir Robert begraben. Er war 77 Jahre alt. Ich kannte Robert seit fast 40 Jahren. Robert war gewissermaßen eine Institution in den Sucht-Selbsthilfegruppen. Die ersten zehn Jahre seiner Sauberkeit stand er noch unter Vormundschaft, da die Psychiater damals nicht annehmen konnten, dass er noch zu einem selbstständigen Leben fähig sein würde. Doch Robert blieb sauber und seine geistige Gesundheit verfestigte sich immer mehr. Robert ging seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie mehrmals in der Woche in Selbsthilfegruppen, um weiterhin ein stabiles Leben zu führen. Am Ende starb er sauber. Er war Jahrzehnte clean gewesen. Weiterlesen

Dankgebet

Engel auf Blaubeertupfer © Matthias Mala

Engel auf Vlies aus einem Blaubeerkorb © Matthias Mala

Du, mein höchst Geliebtes, mein schönstes Licht. Du, mein All Ein Sein!

Ich danke Dir, dass Du mir Tag für Tag meinen Weg zeigst und mich auf diesem Pfad führst und begleitest. Ich danke Dir, dass Du mir in Liebe nahe bist und mich tröstend wiegst.

Ich danke Dir für Deinen Zuspruch und Deine Liebe.

Ich danke Dir, dass Du mich beschützt und zum Guten leitest.

Ich danke Dir, dass Du mir vergibst, wenn ich mit Dir hadere und an Deiner Liebe zweifle.

Du, mein All Ein Sein, ich bin ein schwacher Mensch, doch mit Dir wird mir kein Übel je zum Übel werden. Ich bleibe im Glück wie in der Not in Dir geborgen und von Dir behütet. Dafür danke ich Dir, mein All Ein.

Die Geborgenheit in Dir ist mir Segen und Glückseligkeit. Dieses Heil will ich mir bewahren, auf dass mir Deine Liebe niemals fehlt. Ich vertraue auf Deine Kraft und Güte und werde sie als Deinen Segen an meinen nächsten weiterreichen. Dafür danke ich Dir, mein All Ein.

Allein durch Dich und Deine Barmherzigkeit bin ich begnadet. Dafür danke ich Dir, mein All Ein.

Du, mein All Ein Sein, stärke meine Zuversicht, auf dass ich darauf vertraue, dereinst einzugehen in dein holdes Licht; so wie ich heute deinen Segen schauen darf. Dafür danke ich Dir, mein All Ein.

Amen.

 

Regelungen

Regelungen © Matthias Mala

Regelungen © Matthias Mala

Er wollte für seine verstorbene Frau einen schönen Grabstein setzen. Im Lapidarium eines Steinmetzes fand er ein schmuckes Exemplar aus dem Jugendstil. Dieser besondere Grabstein würde dem Andenken an seine Frau gerecht werden; entsprach er doch auch ihren Vorstellungen, die sie bei vergangenen Friedhofsgängen geäußert hatte. Also beauftragte er den Steinmetz, den alten Stein wieder herzurichten und mit einem neuen Epitaph zu vollenden. Der Grabstein wurde errichtet und die Familie fand, dass es eine traute Grabstätte geworden sei.

Indes verweigerte das Friedhofsamt seine Zustimmung zur Grabgestaltung, denn in diesem Sektor des Friedhofes durften keine antiken Grabsteine neu gesetzt werden. Er widersetzte sich dem Ansinnen des Amtes, den Grabstein zu entfernen. Doch letztlich musste er den Grabstein nach einem Rechtsstreit gegen einen neuen austauschen. Die Regeln der Friedshofssatzung kannte nun mal keine Ausnahme. Weiterlesen

Offen für Führung

Führung © Matthias Mala

Führung © Matthias Mala

Wir gingen ans Ende der Halbinsel. Vor uns ragte die Bergflanke gen Himmel. Sie war durch die Baumkronen hindurch gut zu sehen. Wir begannen mit dem Aufstieg durch den Wald. Hin und wieder blitzte durch eine Schonung der See in der Herbstsonne zu uns herauf. Dann öffnete sich der Wald und wir stiegen weiter über blühende Matten den steilen Hang hinauf. Die Wiese wurde allmählich karger und die Grasbüschel kleiner. Dann kam die Felswand, die es zu queren galt. Wir rasteten. Blickten auf den See tief unter uns. Man saß sicher, trotzdem zog die Tiefe. Das leichte Kribbeln in den Füßen nahm allmählich ab. Wir lehnten uns zurück, lagen ausgestreckt im mageren Gras mit den spärlichen Blumen. Die milde Sonne wärmte uns. Unter uns das Tal mit dem See. Über uns griff der Berg nach den wenigen Wolken, die langsam gen Osten zogen. Sein Gipfel war nicht zu sehen. –  Es war still um uns und sehr weit.

Nach einer Weile machten wir uns auf, den schmalen Pfad, der über eine Abbruchkante an der Felswand entlang führte, zu passieren. Die von der Sonne erhitzte Wand empfing uns mit ihrem warmen Hauch aus Herbst und Stein, ein Duft, der an ein bergbäuerliches Brotbackhäusel erinnerte. Ein im Fels verankertes Drahtseil gab zur Linken hin Halt. Zur rechten schob sich tief unten am Fuß der Wand ein Geröllfeld zum Waldrand hin. Es war kein gefährlicher Steig, dennoch musste man achtsam schreiten, denn ein Fehltritt hätte auch hier zum Absturz führen können. Wir passierten die Wand ohne Zwischenfall. Mittendrinn, als wir aus luftiger Höhe wie aus einem Adlerhorst über das Tal blickten, strichen zwei Dohlen nahe an uns vorbei. – Für einen Augenblick empfanden wir uns als Eindringlinge in eine heile Welt. Weiterlesen