Letzter Termin

letzte Termine

© Matthias Mala

Als man ihr vor der Aussegnungshalle kondolierte, sprach sie vom sonnigen Wetter und von dem nahen Ententeich mit den blühenden Seerosen. Sie war zwar in Schwarz, doch sie war kaum in Trauer. Nur ab und an, wenn ein besonders mitfühlendes Trostwort, ihr den traurigen Anlass wieder vergegenwärtigte, weinte sie still. Doch schon beim nächsten Blickwechsel, fiel ihr Schmerz sommerlichter Vergessenheit anheim. Sie ging am Arm des Neffen, plauderte mit ihm über Vergangenes. Der Tod ihres Mannes war nur ein flüchtiger Schatten vor den noch hellen Erinnerungen. Er blieb ein unbemerktes Ereignis in haltloser Gegenwart.

Die Freundin kam aus der Aufbahrungshalle, ging auf die Witwe zu, sprach ohne Umwege von dem Auto, dass man ihr nun überlassen könne. Hatte sie auch zuvor Beileidsworte geflüstert, waren sie bereits bedeutungslos, weil dort verheuchelt und da vergessen. Nein, erwiderte die Witwe in täuschender Präsenz, das sei nun doch der unpassende Moment. Später, ein anderes Mal. Als sei der Wagen schon ihrer, verklärte sich der Blick der Freundin, und verschwörerisch riet sie: Hör nicht auf, Joachim, er tut dir nur schön und redet hinter deinem Rücken schlecht. Er will dich nur betrügen. Mit leeren Augen folgte die Witwe der Richtung, in die die andere deutete.

Sie sah den verblassten Charmeur, der sie schon eine Weile wie ein Planet umkreiste, Weiterlesen

Gedenktag der Vertreibung

Das letzte große Pogrom in Europa fand 1968 in Polen statt, als Gomulka die restlichen nach dem Hollocaust verbliebenen polnischen Juden aus dem Land warf. Er machte sie für seine Misswirtschaft und für das Anwachsen der Opposition gegen sein Regime verantwortlich (siehe Bericht von hagalil.com).

In der arabischen „Jasmin-Revolution“ (2010/2011) wurden die letzten noch in arabischen Ländern lebenden Juden vertrieben. Seitdem sind die arabischen Länder so gut wie „judenfrei“.

Es waren hier wie dort nicht nur politische, sondern auch religiöse Motive, die die Machthaber veranlassten, ihre jüdischen Bürger zu vertreiben. Oberflächlich gesehen mögen die Motive Vergeltung und Antisemitismus sein. Antisemitismus halten manche Psychologen gar für eine neurotische Störung. Weiterlesen

Wahrer Frieden

Frieden © Matthias Mala

Frieden © Matthias Mala

  Seit ich auf der Welt bin, geht die Welt unter. Und all die Jahrhunderte und Jahrtausende zuvor ging Jahr für Jahr die Welt ebenso unter. Weltuntergang ist eine besondere menschliche Kulturleistung. Und neben den vielen alltäglichen Krisen, die zum Weltuntergang hochstilisiert werden, gibt es in schöner Regelmäßigkeit noch die geistlichen Prophezeiungen für den nächsten Weltuntergang. Manche Sekten begehen dazu gar kollektiven Selbstmord, um das irdische Jammertal zu verlassen.

Selten wird ein Weltuntergang nicht als Folge menschlicher Untat gesehen. Angreifende Aliens oder zu Godzillas mutierende Echsen sind Produkte der Filmindustrie, die häufig eine unbestimmte Bedrohungslage illustrieren. Sie sind moderne Märchen, um die Furcht vorm bösen Wolf, der letztlich nur das Abbild unserer Schrecklichkeit ist, zu kompensieren. Nicht von ungefähr hatte dieses Genre in der Zeit des kalten Krieges seine Blüte. – Weltuntergang bleibt somit menschlich.

Außer es handelt sich um eine Naturkatastrophe wie explodierende Megavulkane, Super-Tsunamis oder Kometeneinschläge. Hier sind wir Menschen zwar tatenlose Opfer, aber zum Teil auch Opfer eigener Nachlässigkeit, etwa wenn wir Vulkane bedenkenlos besiedeln oder Häuser in Überschwemmungsgebiete bauen. Weiterlesen