Vampirismus

Vampir © Matthias Mala

Vampir © Matthias Mala

Vampire waren in den Mythen zu allen Zeiten gegenwärtig; schließlich geschahen zu jeder Zeit blutige Grausamkeiten, hinter denen die Menschen einen blutrünstigen Geist vermuteten, der zwanghaft umging: der Untote, der Wiedergänger, der Vampir. Heutzutage erschaffen wir uns einen neuen Vampirmythos, nämlich den des smarten Vampirs, des verzweifelten Schönlings, der daran leidet, dass er seiner Natur nicht entfliehen kann. Vampirromane dieses Typs verkaufen sich mehr als gut. Mittlerweile avancieren auch bissige Frauen zu Protagonisten. Für Kinder gibt es ja schon seit gut drei Jahrzehnten die Mär vom kleinen vegetarischen Vampir als Gutenachtgeschichte. Somit haben warmduschende Vampire einer Generation das Gruseln gelernt und einen Mythos vergegenwärtigt, der sich von der Anbindung an Bluttaten vergangener Epochen scheinbar abgelöst hat. Das heutige millionenfache Morden rund um den Globus hat aus unserer aufgeklärten Sicht demnach nichts mehr mit den Wiedergängern von einst gemein; es mutet uns vielmehr wie ein Stück Wirklichkeit an, das in keiner Anderswelt verankert ist. ‑ Meint man! Weiterlesen

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Wahl

Wahlkreuz © Matthias Mala

Wahlkreuz © Matthias Mala

Das Wort „Wahl“ hat seine Wurzel im Verb „wollen“. Die Freiheit, etwas wählen zu können, ist vor der Wahl größer als danach. Denn die Möglichkeit der Auswahl hebt sich mit der Wahlentscheidung auf. Hatte ich zuvor noch beliebig viele Alternativen, so sind diese mit der Wahl allesamt verfallen. Zum Beispiel wird uns nach so manchen Kaufentscheidungen diese Beschränkung oft unangenehm deutlich. Denn dann beginnen wir, unsere Wahl noch einmal im Lichte des faktischen Ausschlusses aller Alternativen zu hinterfragen. Es ist quasi ein Prozess der Versöhnung mit unserer Wahlentscheidung, der dann stattfindet. Erst wenn diese Versöhnung ihren Abschluss im Guten fand, sind wir mit uns und unserer Wahl im Reinen. Andernfalls werden wir mir ihr dauerhaft hadern.

Nun wird uns seit geraumer Zeit von Neurologen erzählt, dass es mit dem menschlichen Willen nicht so weit her sei, da, ehe ein Mensch sich bewusst entschiede, bereits eine vorbewusste Instanz in seinem Gehirn, sich schon entschieden habe. Der Mensch folge also statt seinem Willen einem neurologischen Impuls; ergo sei auch sein Wille nicht frei. Der Physiologe Benjamin Libet (1916-2007) war der erste, der diesen als Bereitschaftspotential bezeichneten vorbewussten Impuls Anfang der 80er Jahre beschrieb. Zuletzt waren es Neurologen, die diese Feststellung mit bildgebenden Verfahren wieder in die Diskussion brachten. Allerdings hebt dieses Beobachtung weder den freien Willen noch die Wahl auf. Sie erklärt allenfalls etwas über das Zustandekommen unserer Gedanken. Weiterlesen