Fuji

Erstarrte Woge
Von Himmel und Schnee bekrönt
Tosende Stille.

Ohrenbetäubende, brüllende oder hier in meinem Haiku „tosende Stille“ ist eine Metapher für verschiedene Momente, wie man Stille erleben kann. Insbesondere aus spiritueller Sicht wird Stille als ein außerordentlicher Zustand der Erweckung glorifiziert. Nun, ich schließe mich dem selbstverständlich nicht an; denn ich halte gerade diese Art der spirituellen Disziplinierung für Geschwätz – für geschwätzige Stille. Sie stellt eine eigene Form spirituellen Masochismus dar, in die man sich versetzt, um besonders zu werden: Ein Erwachter, Erleuchteter oder einfach nur „woke“ oder genauer gesagt eitel und anderen überlegen. Da ist nichts still, weder außen noch innen.

Stille ist nicht Geräuschlosigkeit, auch auf dem Fuji herrscht keine Stille; nicht mal zur Mitternacht, wenn keine Touristen um den Kraterrand grabbeln. Stille ist ein Raum, in dem man sich findet, um sich zu verlieren und als ein anderer wiederzufinden. Stille ist Einkehr. Hierbei kann eine ruhige Umgebung hilfreich sein; muss es aber nicht. Manchmal ist es auch mitten in der Stadt still. Nicht die Stadt wird dann still, sondern das eigene Gemüt. Mitten im Trubel öffnet sich der Raum innerer Stille. Man wird mit sich allein, ist eingekehrt und verharrt in Ruhe. Schon öffnet sich ein weiter stiller Raum und wir empfinden Transzendenz, ohne sie uns vorzustellen. Derlei Stille steht nicht still; sie wogt und weht. Sie ist Bewegung. Sie kann heilig sein, sofern uns dabei die Ewigkeit berührt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s