Weltuntergang

©Matthias Mala

Als ich Ende 1950 geboren wurde, war der letzte Weltuntergang gerade mal 5 Jahre vorbei. Es war das Armageddon des Zweiten Weltkrieges mit der Shoa und geschätzten 65 Millionen Toten. Derweil ging das Wüten in der UdSSR und in China weiter. Beim letzten erwarteten Weltuntergang 2012 zum Ablauf des Mayakalenders starb in meiner näheren Umgebung nur eine Magersüchtige ihren absehbaren Tod. In der Zwischenzeit aber hatten über 100 Propheten einen Weltuntergang prophezeit und daran in ihrer Mehrheit gut verdient. Derzeit sind es die „Umweltschützer“, die uns den Weltuntergang voraussagen, das aktuelle Datum müssen sie freilich noch liefern.

Weltuntergang begleitet die Menschheit schon immer und das Christentum von Anfang an. Der Apostel Johannes war wahrscheinlich auf Droge oder hatte einen psychotischen Schub, als er seine Apokalypse verfasste; stand damit aber in guter jüdischer Tradition. Seitdem ging für irgendeine Sekte oder gelegentlich eine Weltreligion alle naselang die Welt unter. Eine Liste bekannter Weltuntergänge ist hier abrufbar.

Drohungen mit dem Weltuntergang sind im Grunde ähnliche Erpressungen wie sie unwillige Selbstmörder verüben. Man droht ratzfatz mit dem Ende, wenn nicht bis dahin dies oder das geschieht: Tausend Halleluja und tausend Euronen in die Kasse des Propheten, oder es ist Schluss mit lustig. Ja, es ist billiges sektiererisches Gehabe und da derzeit wie vor 1020 Jahren Politik und Medien an den Weltuntergang glauben, mag ich ihn belustigt erwarten; denn zum damals erwarteten Weltuntergang kroch Kaiser Otto III., der mächtigste Mann seiner Zeit, auf dem Bauch herum und gelobte, Mönch zu werden, falls sich dadurch das Jüngste Gericht aufhalten lasse.

Stellen Sie sich vor Angela Merkel robbte auf dem Bauch vor dem Reichstag, damit die Prophezeiungen der heiligen Greta unerfüllt blieben. Nur was könnte sie versprechen, um den Herrgott zu beschwören? Dass sie nie wieder Nägel beißen würde? Nein, nichts dergleichen, sie würde wohl eher schwören, dass sie dem deutschen Volk bis zu ihrem Tod weiterhin als Kanzler zur Verfügung stünde. Gut, dann lieber Weltuntergang …

In diesem Sinne mein Senryū zum Jahresbild 2020, diesmal wegen dem Silbenmaß 5-7-5 auf bayerisch:

Ois greint im gonz’n Lond,
Dös Joa ist Woiduntagang.
Passt, pflanzts Opfibaim!

Einen guten Rutsch und Gesundheit und Glück im neuen Jahr.

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