Verdorben

Kackender Gott © Matthias Mala

Rubinette ist eine Apfelsorte, die im Herbst und Winter wohlschmeckend ist. Mit Beginn des Frühjahrs überlagert der Apfel rasant und verdirbt von innen heraus. Äußerlich sieht er dann zwar noch köstlich aus, doch unter seiner Schale ist er faul.

Sieht man sich die katholische Kirche an, glänzt sie noch in aller Pracht, doch in sich ist sie verdorben. Allerdings ist dies kein abnormer Zustand, sondern die Normalität. Seit der konstantinischen Wende ist die katholische Kirche korrupt und zwar sowohl im Sinne von bestechlich als auch von moralisch verdorben. Denn mit der Anlehnung an die politische Macht wurden ihre Priester auch mächtig genug, ihren Sexualtrieb mit wem und wie sie wollten zu stillen. Die kirchliche Sexualmoral galt nur für das Volk, während die Geistlichkeit über jeglicher Sünde stand, egal wie sündhaft sie sich verhielt.

Doch Verdorbenheit ist kein katholisches Privileg. Davor ging es unter den Göttern und ihren irdischen Priestern neben dem Gottesdienst auch nur ums Völlen und Vögeln; und mit den diversen Schismen übernahmen die neuen Kirchen die Gepflogenheiten. So sind die Protestanten oder Jehovas Zeugen ebenso verdorben wie die Katholiken oder Orthodoxen. Es macht für das missbrauchte Kind, die vergewaltigte Köchin oder Nonne keinen Unterschied, welcher Gott hier das sagen hat. Ebenso verdorben sind auch Frauen, sobald sie die Macht dazu haben, ihren Gelüsten zu frönen. Die Berichte von Missbrauch und Misshandlung in von Nonnen oder Diakonissen geführten Schulen und Heimen reichen von Totschlag bis Penetration.

Doch nicht anders sieht es bei anderen Religionsgemeinschaften aus. Bei den Buddhisten ist Kindesmissbrauch in den Klöstern so alt, wie es diese gibt. Bei den Hindi gibt es Millionen von Knaben, denen in einem grausamen Ritual das gesamte Genital amputiert wird und die von ihrem „Orden“ prostituiert werden. Sie werden Hijras genannt und gehören in Indien als Fruchtbarkeitsbringer zu einer soliden Hochzeit.

Der Kindesmissbrauch im Islam ist mehr oder minder durch die Kinderehe institutionalisiert. Mohamed heiratete seine dritte Frau Aischa als sie sechs Jahre alt war. Die Ehe vollzog er mit dem Kind als es neun Jahre alt war. Er selbst war da über fünfzig Jahre alt. Abertausende von Mädchen werden auch heute noch in islamischen Ländern verheiratet und in ihrer Ehe vergewaltigt. Doch auch Jungen sind hoch gefährdet. In Afghanistan haben 50% der Männer als Knaben sexuellen Missbrauch erlebt.

Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung sind allerdings nur ein Teil der Verdorbenheit der Religionen. Politische und materielle Macht sind ebenfalls ein jeder Religion immanentes Ziel. Dazu müssen wir nicht die Bilanz der Vatikanbank oder der Shambhala Credit Union – einer buddhistischen Bank – lesen, es genügt, den Blick in den Vorgarten des nächsten esoterischen Kreises zu werfen. Da geht es um Geld und Macht, jene beiden Elixiere, die jeden Tölpel zum Guru küren. Das Verhältnis von Guru und Groupies ist von jeher von subtiler Scheinheiligkeit, Schmäh und Schwindel geprägt. Ich durfte dies aus nächster Nähe beobachten, denn mein Schwiegervater war ein solcher Guru. Ein ebenso übler wie guter Finger. Doch über ihn hatte ich auch Einblick in andere Kreise in denen es alles andere als harmlos zuging. Da ging es Tag für Tag nur um Sex, Gold und Gosse. Da herrschte Niedertracht gegen jeden, und die Fronten wechselten, Gnade und Ungnade waren austauschbar, und hob einen der Guru wieder aus dem Staub, perfektionierte das Groupie seine Niedertracht, um nicht zu rasch wieder in Ungnade zu fallen.

Seelen brechen und Seelen kitten, das war das Spiel, das alle bewegte. Es war das Spiel verkrüppelter und zerbrochener Seelen. Seelischer Missbrauch ergänzte den sexuellen. Dennoch wandten sich nur wenige ab, denn man kannte sich in der Filterblase aus, kannte ihre Strukturen und wusste, dass im nächsten esoterischen Zirkel das gleiche Spiel nur in grün gespielt wurde.

Schon höre ich die Einwände, dass es in einem Turnverein oder einer Partei nicht anders zuginge. Da mag er recht haben, allerdings ist dort die sexuelle Gewalt nicht struktureller Bestandteil des Systems und noch viel wichtiger, es wird kein Seelenheil versprochen, so wie es Gurus und Priester in Sekten und Religionen tun; zudem besteht dort ein Ausgleich zwischen Geld und Leistung. Ja, da geht es nicht ganz so heftig und nicht so häufig schmutzig menschlich zu wie dort, wo man Gott und eine heile Welt verspricht. Organisierte Religion offenbart wie missbrauchende Eltern das niederste Niveau an Menschlichkeit. Nein, kommen Sie mir nicht mit den Heiligen, den Mystikern, den Lichtgestalten und Erlösern, sie waren und sind allesamt nur ein mehr oder minder neurotischer Klüngel von Narzissten, die durch ihre Eloquenz soweit beeindruckten, dass man sie auf ein Piedestal hob.

Religion ist deswegen so niederträchtig, weil sie ein steinzeitliches Überbleibsel ist, als wir Menschen begannen, uns die Welt zu erklären, indem wir anfingen über ihre Erscheinung zu fabulieren. Da wurden Frauen mit gebärfreudigen Becken und dicken Brüsten zu Göttinnen und Blitz und Donner zum Gottvater. Da schob man aber auch unsere niederen Instinkte durch Übertragung den Göttern zu, womit man sich selbst exkulpierte und den Ursprung der eigenen Schlechtigkeit im Olymp festmachte. So entstand ein Regelwerk, das es uns verbat, unseren Nächsten zu töten, aber erlaubte, Ungläubige zu schlachten; Kinder zu missbrauchen und gleichzeitig über das Böse nachzudenken, das Gott in der Welt beließ. In dieser Weise erfand man das seelische Teflon Äonen vor seiner eigentlichen Entdeckung 1938 durch den Chemiker Roy Plunkett.

Wir sollten darum fürderhin auf die Chemie, die aus der uralten magischen Disziplin der Alchemie entstand, vertrauen, und einen religiösen Katalysator entwickeln, der all den Schmutz und Wahnsinn der Theologie zurückhält, auf dass die Luft unter uns Menschen reiner wird und wir auf den Gestank von Weihrauch verzichten können. Dann aber müssten wir auch willens sein, soweit erwachsen zu werden, dass wir unsere Schlechtigkeit in uns und nicht im anderen überwinden wollen und folglich auch auf die Umsetzung von Ideologien verzichten, um uns über den Nächsten zu erheben. Es wäre die einzige Chance, um uns nicht weiter gegenseitig den Schädel einzuschlagen.

Allerdings, so nehme ich an, wird es uns nicht gelingen, womit wir letztlich dem unzulänglichen Schöpfer unser Ticket zurückreichen, auf dass er in einem weiteren Versuch – denn wer weiß, der wievielte seiner Versuche wir sind – das Problem der Theodizee aus der Welt zu schaffen.

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