Ein Mensch verschwindet

Auflösung © Matthias Mala

Wieder einmal kann ich beobachten, wie ein Mensch allmählich bei lebendigem Leib verschwindet. Es ist eine ältere Frau, die zunehmend dement wird. Sie war ihrer Lebtag eine zwiespältige Person. Sie hielt sich für herzensgut, war es aber nur selten. Völlig niederträchtig war sie aber auch nie. Manchmal schon, aber nicht ausnahmslos. Sie war schlicht eine Narzisstin, die ihre Mitwelt in ihrem Sinne kontrollieren und beherrschen wollte. Sie war das stabile Zentrum ihrer Welt, um das alle anderen Menschen zu kreisen hatten. Wer sich diesem Planetengetriebe widersetzte, der war wenig gelitten und wurde immer wieder attackiert, und wenn es ging, auch bloßgestellt.

Nun aber verwischt sich all das, es ist noch da, wird von ihr auch immer wieder aufgezogen; indes es ist im Prinzip nur Schmierentheater eines eingefleischten Klischees, um sich selbst für seine Mitwelt darzustellen. Sie wurde zum Abklatsch ihrer selbst, nur noch bemüht, wie einst zu triggern, auf das sich andere so verhalten, wie es ihrem Bild von ihnen entspricht – Schmiere eben -. Man ärgert sich über die gleichen alten Bosheiten von ihr und hört die immergleichen Vorurteile, nur die Person, die sie einst ausstieß, zischte oder mit verächtlichem Lachen begleitete, steht nicht mehr dahinter. So lebt die Alte eine eingeübte Rolle, um sich wohl einen letzten Zusammenhalt ihrer Person zu bewahren. Weiterlesen

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