Heidesand

Heidesand © Matthias Mala

Heidesand ist fest und dennoch sandig; gleich dem Sand in einem Sandkasten vor einem kinderlosen Haus, in dem niemand spielt. Es braucht nur einen Ast oder einen festen Absatz, um Heidesand sandig zu machen. Hineingekratzt, rieselt der Sand.

Sandig sind auch die Platzerl, die Heidesand heißen. Knabbert man an einem solchen Keks, bricht der Heidesand auf und bröselt leicht auf Brust und Teller. Heidesand ist ein typisches Weihnachtsgebäck. Eine Abart davon gibt es auch als dänische Butterkeks in Dosen übers ganze Jahr als Teegebäck. Doch darüber reden wir nicht. Ein Gedanke dazu wäre allenfalls gut zur Kontemplation darüber: warum billiges oft teuer ist, oder über die rasche Gewöhnung an niedere Standards, sprich regressive Geschmacksverbildung.

Hingegen möchte ich Ihren Blick auf die eigentliche Kontemplation lenken: Heidesand backen ist nämlich tätige Kontemplation. Präzession und Bedachtsamkeit sind beim backen für ein ansehnliches und schmackhaftes Ergebnis bedeutend.

Heidesand braucht Zeit. Sie beginnen am Abend zuvor, indem Sie ein halbes Pfund Butter zur Nussbutter schmelzen. Dazu die Butter bei mittlerer Hitze in einem Pfanderl auf dem Herd schmelzen. Die flüssige Butter ab und an rühren, so dass ihre Milchflocken nicht am Grund liegen. Sie werden, sobald der Schaum sich legt und die Butter sich klärt, allmählich goldbraun und lassen die Butter nussig duften. Die fertige Nussbutter in ein Gefäß gießen und über Nacht stehen lassen.

Am Morgen 227 g Zucker und 340 g Mehl abwiegen. Halten Sie die Gewichtsangaben ein, sonst wird Ihr Heidesand nichts. In den Zucker geben Sie das Mark einer halben Vanilleschote und eine Messerspitze gemahlenem Kardamom. Das Mehl sieben und eine Prise Salz zugeben, sowie drei Striche Zitronenschale dazureiben.

Die Butter mit dem Schneebesen Ihrer Küchenmaschine weißschaumig rühren. Alsdann esslöffelweise den Zucker unterrühren, bis Sie eine schöne Buttercreme erhalten. Zum Schluss rühren Sie noch zwei Esslöffel Milch und einen Esslöffel Rosenwasser unter. Anschließend kneten Sie das Mehl unter. Sie erhalten einen feuchttrockenen sandigen Teig.

Den Teig auf einem Brett zu etwa 3 cm dicken Rollen formen. Die Rollen stramm in Küchenfolie wickeln und in den Kühlschrank legen. Am Abend sind sie schön hart gekühlt. Jetzt nehmen Sie sich ein scharfes Messer mit einer dünnen Klinge, am besten ein Filetiermesser. Schneiden Sie die Rollen in halb Zentimeter starke Scheiben und legen Sie sie auf ein gewachstes und bemehltes Backblech oder auf ein Blech mit Backpapier. Wichtig ist, die Scheiben von der Rolle zu schneiden. Drücken Sie zu stark, zerbröseln sie.

Schieben Sie das Blech in den auf 175°C vorgeheizten Ofen und lassen Sie die Platzerl etwa 11 Minuten backen, bis sie am Rand leicht Farbe annehmen.

Bleiben Sie achtsam, gelingt Ihnen der Heidesand problemlos und Sie haben mit seiner Herstellung eine beschauliche Weile. Verstauen Sie die ausgekühlten Plätzchen in einer Keksdose und genießen Sie ein paar davon zu Ihrem Adventstee.

Hier nochmal die Zutaten:

250 g Butter
227 g Zucker mit Vanille und Kardamon versetzt
340 g Mehl mit einer Prise Salz und Zitronenschale versetzt
2 EL Milch
1 EL Rosenwasser

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