Zum neuen Jahr

Jahresbild 2018 © Matthias Mala

Die Wilde Jagd fegt übers Land
Zertrümmert, was zum Abbruch neigt
Mäht fort, was noch nicht verbrannt
Stürzt ein, was sich zusammengeigt

Zu Schutt und Staub mag alles schründen
Den Rest verhüllt des Winters weiß
Kein Stein vom alten Haus wird gründen
Das neue, das die Zukunft weist.

Mein frommer Wunsch nach Neubeginn
Der mehr Beginn als neu sein soll
Nimmt aus dem alten Spiel den Sinn
Und gleicht der Schöpfung wundervoll.

Schaffen wir das radikal, wird uns auch
Ein altes Holz, das wieder grünt, zum Brauch.

Ich wünsche allen meinen Lesern und Freunden
Glück & Gesundheit im neuen Jahr,
Wobei das erste Glück für uns Gesundheit ist.

Das Senryū im Bild lautet:

Sog ned wos wean ko
Wei dös, wos is, dös langt scho
Füan ganzn Rest vom Lebm.

Übersetzt bedeutet das:
Sag nicht, was werden könnte
Weil das, was ist, das genügt bereits
Für den ganzen Rest vom Leben.

 

Advertisements

Austritt aus dem PEN

Lob der freien Meinung durch den PEN © Matthias Mala

Heute blogge ich einmal keine Kontemplation, sondern gebe vielmehr einen Anstoß zum kontemplieren – über Meinungsfreiheit, Redlichkeit, Prinzipien, Relativierungen, Anpassung an den Zeitgeist und der indirekten Bejahung von Zensur.

Der PEN ist eine internationale Vereinigung von Schriftstellern (PEN = poets essayists novelists), deren wesentliches Anliegen die Unterstützung von Autoren ist, die aufgrund ihrer Texte verfolgt, eingesperrt und drangsaliert werden. In vielen Ländern ist das Leben von Schriftstellern durch die jeweiligen Regime bedroht. Um diese Arbeit des PEN zu unterstützen, trat ich 2008 dem PEN-Deutschland bei. Zudem wird der PEN vielfach als ein Club herausragender Schriftsteller gewähnt, was freilich eher auf einem Wahn als einer nachvollziehbaren Annahme gründet.

Diese Woche habe ich meinen Austritt aus dem PEN erklärt. Der Grund, ich vermag die relativierende Haltung des PEN zur Meinungsfreiheit nicht weiter mitzutragen. Zeitgleich mit dem Versand meines Briefes (Text nachstehend), in dem ich meinen Austritt erklärte, erhielt ich die Dezember-Rundmail des PEN, in der er unter anderem seine von mir gerügte Haltung während der Proteste auf der Frankfurter Buchmesse mit folgenden Zeilen rechtfertigte:

„Das PEN-Präsidium war in dieser Frage einhellig zum Ergebnis gekommen, dass die Buchmesse als Ort, der für Toleranz gegenüber der Meinungsvielfalt steht und der nur dank dieser Meinungsvielfalt bestehen kann, jenem Gedankengut keine Bühne bieten sollte, das sich dezidiert gegen den Meinungspluralismus, die bestehende kulturelle Vielfalt und unsere freiheitliche Grundordnung wendet.

Als deutsches PEN-Zentrum setzen wir uns weltweit für Autoren ein, die in ihren Heimatländern verfolgt und in ihrem Leben bedroht werden, gerade aufgrund von Intoleranz und spalterischer Hassrede. Wir sind der Überzeugung, dass, wer geistigen Brandstiftern mit Toleranz begegnet, die Ausübung der Meinungsfreiheit preisgibt. Der Auftrag, sich gegen Intoleranz und Hass zu wenden, ergibt sich aber nicht zuletzt auch aus der in der PEN-Charta festgeschriebenen Selbstverpflichtung aller PEN-Mitglieder, sich „mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass“ einzusetzen.“

Weiterlesen

Heidesand

Heidesand © Matthias Mala

Heidesand ist fest und dennoch sandig; gleich dem Sand in einem Sandkasten vor einem kinderlosen Haus, in dem niemand spielt. Es braucht nur einen Ast oder einen festen Absatz, um Heidesand sandig zu machen. Hineingekratzt, rieselt der Sand.

Sandig sind auch die Platzerl, die Heidesand heißen. Knabbert man an einem solchen Keks, bricht der Heidesand auf und bröselt leicht auf Brust und Teller. Heidesand ist ein typisches Weihnachtsgebäck. Eine Abart davon gibt es auch als dänische Butterkeks in Dosen übers ganze Jahr als Teegebäck. Doch darüber reden wir nicht. Ein Gedanke dazu wäre allenfalls gut zur Kontemplation darüber: warum billiges oft teuer ist, oder über die rasche Gewöhnung an niedere Standards, sprich regressive Geschmacksverbildung.

Hingegen möchte ich Ihren Blick auf die eigentliche Kontemplation lenken: Heidesand backen ist nämlich tätige Kontemplation. Präzession und Bedachtsamkeit sind beim backen für ein ansehnliches und schmackhaftes Ergebnis bedeutend.

Heidesand braucht Zeit. Sie beginnen am Abend zuvor, indem Sie ein halbes Pfund Butter zur Nussbutter schmelzen. Dazu die Butter bei mittlerer Hitze in einem Pfanderl auf dem Herd schmelzen. Die flüssige Butter ab und an rühren, so dass ihre Milchflocken nicht am Grund liegen. Sie werden, sobald der Schaum sich legt und die Butter sich klärt, allmählich goldbraun und lassen die Butter nussig duften. Die fertige Nussbutter in ein Gefäß gießen und über Nacht stehen lassen.

Am Morgen 227 g Zucker und 340 g Mehl abwiegen. Halten Sie die Gewichtsangaben ein, sonst wird Ihr Heidesand nichts. In den Zucker geben Sie das Mark einer halben Vanilleschote und eine Messerspitze gemahlenem Kardamom. Das Mehl sieben und eine Prise Salz zugeben, sowie drei Striche Zitronenschale dazureiben.

Die Butter mit dem Schneebesen Ihrer Küchenmaschine weißschaumig rühren. Alsdann esslöffelweise den Zucker unterrühren, bis Sie eine schöne Buttercreme erhalten. Zum Schluss rühren Sie noch zwei Esslöffel Milch und einen Esslöffel Rosenwasser unter. Anschließend kneten Sie das Mehl unter. Sie erhalten einen feuchttrockenen sandigen Teig.

Den Teig auf einem Brett zu etwa 3 cm dicken Rollen formen. Die Rollen stramm in Küchenfolie wickeln und in den Kühlschrank legen. Am Abend sind sie schön hart gekühlt. Jetzt nehmen Sie sich ein scharfes Messer mit einer dünnen Klinge, am besten ein Filetiermesser. Schneiden Sie die Rollen in halb Zentimeter starke Scheiben und legen Sie sie auf ein gewachstes und bemehltes Backblech oder auf ein Blech mit Backpapier. Wichtig ist, die Scheiben von der Rolle zu schneiden. Drücken Sie zu stark, zerbröseln sie.

Schieben Sie das Blech in den auf 175°C vorgeheizten Ofen und lassen Sie die Platzerl etwa 11 Minuten backen, bis sie am Rand leicht Farbe annehmen.

Bleiben Sie achtsam, gelingt Ihnen der Heidesand problemlos und Sie haben mit seiner Herstellung eine beschauliche Weile. Verstauen Sie die ausgekühlten Plätzchen in einer Keksdose und genießen Sie ein paar davon zu Ihrem Adventstee.

Hier nochmal die Zutaten:

250 g Butter
227 g Zucker mit Vanille und Kardamon versetzt
340 g Mehl mit einer Prise Salz und Zitronenschale versetzt
2 EL Milch
1 EL Rosenwasser