Trump trifft Esoterik

Spirale von Ruth Mala © Matthias Mala

Spirale von Ruth Mala © Matthias Mala

Byron Katie hat aus ihrer Psychotherapieerfahrenheit eine eigene Methode – „The Work“ – für den Psychomarkt entwickelt. Die Methode mutet mich recht esoterisch an. Sie ist sehr reduziert. Es geht immer wieder um Selbstreflexion und Perspektivwechsel in einem selbst. Ein Thema, das bei mir in letzter Zeit häufiger zum Frühstück um den Tisch kreist. Anlass sind meist Gedanken über den Echoraum, von dem sich so mancher Geist beschallen lässt, und dessen Echowellen ihn gleich Betonrüttlern den Beton in seiner Wesenheit verdichten, bis er starr und steinern in sich ruht. Ein solcher Mensch ist gut und glücklich, denn er irrt sich nie! – Ich hingegen bemitleide diese „Glücklichen“.

Doch zurück zu Byron Katie. Ihre Methode mutet mich weiters wie gelungener Solipsimus an. Demnach ist die Welt in meinem Kopf, und sie ändert sich, sobald sich der Inhalt im Kopf verändert. Wobei auch die Anstöße zur Änderung nur in mir entstehen. Das ist der totale Echoraum. Und in ihm kann geschehen, was in noch vernetzten Echoräumen nicht entstehen kann, Starr und Stein gerät durch die Eigenbeschallung ins bröseln und reduziert sich letztlich bis zum Nirwana. Denn auch das eigene Echo wird als Maya, als große Täuschung, erkannt, das uns von der letzten Erlösung, dem Nichtsein im Allsein und umgekehrt usw. usf. blabla, abhalten soll.

Somit gibt es keinen Trump und keine Welt mehr, alles ist reduziert, wie ein fein gerechter Zengarten: Kieslinien mit nur einer Macke! Und diese Macke ist man selbst. Okay … Es stimmt ebenso, wie es Blödsinn ist!

Doch erneut zurück zu Byron Katie, hier ein Link auf ein Video eines Works mit ihr, auf das ich zufällig stieß, und das die Behandlung der kollektiven Irritation hinsichtlich Trump zeigt. Es ist amüsant und hoffentlich ein Anstoß, der vielleicht die Türe eines Echoraumes aufstößt, auf dass die Magie der Widersprüchlichkeit mal wieder in einer Person Fahrt aufnimmt.

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Du, mein schönster Schwarm

Schwarm © Matthias Mala

Schwarm © Matthias Mala

Wer schwärmt hat einen Schwarm. Junge Menschen, so ein alltagstaugliches Vorurteil, schwärmen für ihr Idol, mal ist’s ein Schlagersänger, mal der Papst, seltener ein Politiker. Aber auch ältere Menschen schwärmen, hier darf es dann neben einem Volkssänger auch einmal ein Politiker sein. Wer schwärmt, folgt seinem Schwarm. Der Schwarm ist sakrosankt, fehlerfrei und immer großartig. Offenbart er im Lauf der Zeit dennoch Makel, löst man sich mit Weh und Ach von ihm oder folgt ihm getreu bis in den Untergang. Zu schwärmen macht den Schwärmenden zudem taumelig, ihm schwirren Augen und Ohren, weswegen man ihn ob solcher Desorientierung auch gerne als Schwarmgeist abtut.

Das Wort Schwarm bedeutete einst Bienenschwarm. Heute, in Zeiten, das man über Schwarmintelligenz nachdenkt, gewinnt diese Konnotation wieder Bedeutung. Schließlich gelten Bienenvölker aufgrund ihrer perfekten Organisation in ihrer Gesamtheit als intelligente Superorganismen. Dementsprechend vermutet man eine ähnliche Hyperintelligenz nicht nur hinter anderen sozial organisierten Gattungen, sondern auch in den Myriaden Verknüpfungen des Internets.

Schöne, heile Welt des Großen, Ganzen

Also fragen wir uns: Sind Ameisenhaufen oder Bienenstöcke intelligent? Lenkt ein Hyperbewusstsein die Sardinen- und Vogelschwärme? Gibt es menschliche Schwarmintelligenz im Internet? Die Vorstellung, dass es ein Gattungsbewusstsein gibt, das über das einzelne Individuum hinausreicht, ja, dem sich das individuelle Bewusstsein gar unbewusst unterordnet, wird jedenfalls in Science-Fiction wie Esoterik immer wieder gerne aufgegriffen, um sich Unerklärliches zu erklären. Menschliche Schwarmintelligenz erscheint deswegen als naheliegend, weil sie das Wechselspiel von chaotischen und emergenten Abläufen erklärt, die wir bei Schwärmen beobachten. (»Emergent« nennt man komplexe Abläufe dann, wenn sie sich nicht auf ihre einfachen Bestandteile reduzieren lassen.) Und da Erklärtes auch die ihm zugrundeliegende Nachdenklichkeit beendet, brechen wir mit dieser Erklärung forsch zu weiteren Spekulationen auf, die uns als Überbau eine weithin unüberschaubare Welt deuten helfen sollen. Da wölbt sich dann ein morphogenetisches Feld als sich beständig erweiterndes und vernetzendes Hyperbewusstsein über die Spezies und formt mit anderen Feldern ein Hyperfeld, bis wir schließlich im allgegenwärtigen Geist oder in Gottes Schoß versinken. Mal sehen, ob wir mit diesem Essay auch dorthin gelangen! Weiterlesen