Letzter Termin

letzte Termine

© Matthias Mala

Als man ihr vor der Aussegnungshalle kondolierte, sprach sie vom sonnigen Wetter und von dem nahen Ententeich mit den blühenden Seerosen. Sie war zwar in Schwarz, doch sie war kaum in Trauer. Nur ab und an, wenn ein besonders mitfühlendes Trostwort, ihr den traurigen Anlass wieder vergegenwärtigte, weinte sie still. Doch schon beim nächsten Blickwechsel, fiel ihr Schmerz sommerlichter Vergessenheit anheim. Sie ging am Arm des Neffen, plauderte mit ihm über Vergangenes. Der Tod ihres Mannes war nur ein flüchtiger Schatten vor den noch hellen Erinnerungen. Er blieb ein unbemerktes Ereignis in haltloser Gegenwart.

Die Freundin kam aus der Aufbahrungshalle, ging auf die Witwe zu, sprach ohne Umwege von dem Auto, dass man ihr nun überlassen könne. Hatte sie auch zuvor Beileidsworte geflüstert, waren sie bereits bedeutungslos, weil dort verheuchelt und da vergessen. Nein, erwiderte die Witwe in täuschender Präsenz, das sei nun doch der unpassende Moment. Später, ein anderes Mal. Als sei der Wagen schon ihrer, verklärte sich der Blick der Freundin, und verschwörerisch riet sie: Hör nicht auf, Joachim, er tut dir nur schön und redet hinter deinem Rücken schlecht. Er will dich nur betrügen. Mit leeren Augen folgte die Witwe der Richtung, in die die andere deutete.

Sie sah den verblassten Charmeur, der sie schon eine Weile wie ein Planet umkreiste, Weiterlesen

Immergleich

Südfriedhof © Matthias Mala

Südfriedhof © Matthias Mala

Das Radio läuft. Launig erzählt jemand, wie ein Abt vor mehr als tausend Jahren Straßen in den Wald bauen ließ, um die Rodungen voranzutreiben. Zugleich fällt mir dazu ein, wie diese braven Mönche Wotaneichen abholzten, um die Machtlosigkeit der heidnischen Götter zu demonstrieren. Manch einer dieser Mönche bezahlte zwar seinen Frevel mit dem Leben, doch wurde er darauf zum Märtyrer und Heiligen. Gleichzeitig assoziiere ich zu islamischen Märtyrer, nach denen heute Moscheen und Schulen benannt werden. Doch zurück zu den Mönchen, die in den Lebensraum der Heiden eindrangen, ihnen ihren Glauben aufdrängten und im Gegenzug ihre Rituale und Bräuche übernahmen und umdeuteten. Damit verschwand deren Kultur, und wer sich dennoch dem neuen Glauben verweigerte, büßte mit seinem Leben. So löste unsere christliche Kultur die heidnische ab. Und weiter dachte ich, was hier so launig erzählt wurde, wird in anderer Weise in China erzählt, wo man aktuell die Kulturrevolution und Mao heroisiert. Der millionenfache Mord und die herrschsüchtige Vereinnahmung der Gedanken durch die revolutionären Garden, unterscheiden sich prinzipiell nicht von den Untaten der Mönche, Mullahs und allen anderen Missionaren, die die Menschheit mit ihren Ideen beglücken wollen. „Denkt so wie ich und alles wird gut“, so die immer wiederkehrende Begründung der wahnhaften Menschheitsbeglücker.

Derart motiviert wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte Abermillionen Menschen ermordet und Männer in Kriegen verheizt. Weiterlesen

Uns zum Ebenbilde

Uns zum Ebenbild © Matthias Mala

Uns zum Ebenbild © Matthias Mala

Als wir Menschen noch in Höhlen lebten, machten wir aus Blitz und Donner Götter. Wir konnten uns die Wettererscheinung nicht erklären, also versuchten wir, sie uns zu deuten. Und weil Blitze töten und Feuer entfachen konnten, waren sie erkennbar mächtiger als wir. Zudem vermuteten wir, dass das, was so viel mächtiger als wir war, uns auch beherrschen konnte. Folglich machten wir uns diese Macht durch Geschenke wohlgesonnen. Womit wir unser eigenes Verhalten auf die unerklärliche Macht projizierten. Wie oben so unten, ist der magische Grundsatz, der hierbei zur Geltung kommt und gewissermaßen durch seine Verkehrung der Wirklichkeit fast wie ein Gottesbeweis verstanden werden kann. In jedem Fall war ein derartiges intuitives magisches Verständnis eine erste Manifestation von Religion. Mit diesem Fundament ließ sich jedenfalls leichthin durch logische Deduktion manch prächtige Religion ausbilden.

Denn unsere Umdeutung von Blitz und Donner zu Thor und Jupiter war eine Deutung nach dem Prinzip wie unten, so oben. Wir schrieben unsere Klanstrukturen in den Himmel hinein, und nahmen diese Zuschreibung wiederum als Beleg für die Existenz der Gottheit, der wir fortan opferten, um sie uns gefällig zu machen. Ein Zirkelschluss, der nicht so lange Bestand gehabt hätte, wenn nicht die Priesterkaste damit auch ihre Herrschaft begründen konnte und weiterhin begründet. Schließlich funktioniert dieses magische Similiaritätsprinzip unter anderem auch heute noch unter dem Namen komplementäre Medizin als anscheinende Wissenschaft. Warum also sollte die Religion nicht wie eh und je als vermeintliche Geisteswissenschaft heute noch Bestand haben. Dementsprechend benützen wir im heutigen Eklektizismus, bei dem sich jedermann seine Religion aus Esoterik und Quantenphysik nach Gutdünken zusammenschustert, die gleichen Muster verquerer Logik, um zu deuten, was wir nicht begreifen können. In der Folge glauben wir, weil wir unser Unwissen in den Himmel hineingeschrieben haben, dass es von dort aus auf uns, als uns erhellende Wirklichkeit, niederkommt.

Es ist das uralte Gedankenspiel mit der Verschiedenheit von Substanz und Akzidenz, dem Wesentlichen und Unwesentlichen. Weiterlesen

Chemicaltrails

Chemicaltrails sind ein fieser Angriff der globalen Bösewichter und Uninspirierten auf unsere Gedankenfreiheit. Sie ermöglichen es, dass wir im Gleichschritt denken und nachkauen, was uns die Medien und Politiker vorgekaut haben. Die finstere Absicht dahinter ist, endlich das verborgene Werk der katholischen Kirche zu vollenden, und die Gnosis auf immer zu eliminieren; worauf wir dann auf ewig in erkenntnisloser Finsternis vegetieren werden.

Doch es gibt eine Möglichkeit, sich gegen die Tücke der globalen Globalistinnen und Globalisten, gegen Pfäffinnen und Pfaffen zu wehren: Sie heißt, Silberfolie der Herrenschokolade.

Hierüber hat der Dokumentarfilmer und Energieflussanalytiker H. C. Seidl vier einprägsame Kurzfilme gedreht, in denen ich mich zu den Schutztechniken vor Chemicaltrails äußere.

Diese Filme sind keine Aprilscherze, sonst wären sie auch nicht an einem voraussehbaren, sonnigen Tag nach dem letzten Oktoberfesttag gedreht worden.

Hier die Links zu den Filmen:

Herrenschokolade, der primäre Schutz

Eichelrauch, Schutz aus deutschem Wald

Hodenschutz mit Herrenschokolade

Indigokinder dank Herrenschokolade

Von nun an müssen Sie sich nie wieder vor Chemicaltrails fürchten und denken, was alle anderen denken. Bleiben Sie ein wahrer Spiritualist und Freidenker!

Geistlose Geschwätzigkeit

Wahrheit © Matthias Mala

Wahrheit © Matthias Mala

Treten wir durch stille Betrachtung unseres Seins und Mitseins in jene Sphäre über, in der die Betrachtung nicht mehr die unsere, sondern scheinbar eine fremde ist, also in jenen geistigen Ausnahmezustand der Mystiker ein, in dem sie von ihrer Mitwelt schlicht für irre gehalten und womöglich später heiliggesprochen wurden, dann … Dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wir verstummen, weil uns das Unermessliche überwältigte, oder aber wir werden geschwätzig und beginnen, wie Pfingstler zu stammeln, indem wir das Unermessliche in die begrenzte Dimension der Worte zwängen wollen. Was dabei herauskommt, vermitteln uns die Religionen seit einer gefühlten Ewigkeit.

Kündete doch Johannes mit dem ersten Satz seines Evangeliums in gnostischer Manier von der Macht des Wortes: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“. Und er erzählt weiter, wie der Seelenfunkenfischer, der Archont Jesus Christus, auf die Erde niederkam, Weiterlesen

Angenommensein

Palmsonntag © Matthias Mala

Palmsonntag © Matthias Mala

Atheisten wissen, dass es keinen Gott gibt. Agnostiker nehmen es an, wissen aber, dass sie dazu nichts wissen können, also auch über das Dasein oder Nichtsein einer Transzendenz im Ungewissen bleiben werden. – Ein gottesfürchtiger Mystiker prägte dazu im späten Mittelalter den Begriff von der Wolke des Nichtwissens und konnte aus seinem Nichtwissen heraus dennoch ein Buch über das Nichtwissen schreiben. Nichtwissen kann demnach sehr beredt sein, wie ich es ja mit diesem Blog ebenso demonstriere.

Jedenfalls ist mir die agnostische Position lieber, denn sie ist mir nahe. Deshalb halte ich auch jede Spekulation über Gott für müßig. Folglich spreche ich nicht von ihm. Und doch, indem ich mit meiner Kontemplation über Meins ‑ womit ich mein Sein und Mitsein im Sein meine ‑ von etwas spreche, wovon man eigentlich nicht sprechen kann ‑ da jedes Reden darüber das wahrhaft Beschaute reduziert ‑, stifte ich eine Begrifflichkeit, die zwangsläufig zum Missverständnis einlädt. Denn wirklich verstanden werden kann ich nur dann, wenn der mich Verstehende, in gleicher Weise kontemplierte wie ich. Weiterlesen

Vergebliche Vergebung

Vergebung © Matthias Mala

Vergebung © Matthias Mala

Vergib jenen, die dir arges angetan haben, damit auch Gott dir vergeben kann. So die Botschaft des Neuen Testamentes (Mt 18,21-35). So auch die Botschaft aus der alternativ esoterischen Psychoszene. Wer nicht vergeben will, wird dort zum Täter wider den Täter. Er belastet sein Karma und schädigt mit seiner Unversöhnlichkeit die eigene Seele. Tausend Wiedergeburten als Fruchtfliege oder schlimmer noch als Peitschenwurm in einem lichtlosen Gedärm stehen ihm bevor, ehe er als gewöhnlicher Sünder wieder reinkarnieren kann. – Sie sehen schon, ich halte es nicht mit den Säuslern, die mit Kreidestimme den Opfern von Gewalttaten empfehlen, ihren Peinigern zu vergeben, um ihren Seelenfrieden wiederzufinden. Als besonders übergriffig empfinde ich es, wenn sich dieserart Vergebungsnötigung im Rahmen einer öffentlichen Familienaufstellung vollzieht. Ist eine Familienaufstellung gemeinhin schon unstrukturierter und in ihrer Aussage noch beliebiger als eine Kaffeesatzleserei, so ist ihre öffentliche Darbietung schlichte Missachtung der Intimsphäre aller Betroffenen.

Ja, ich halte die Aufforderung an ein Opfer, seinem Täter zu vergeben, für unanständig. Ebenso halte ich die Vergebungsrethorik des Christentums für scheinheilig und täterorientiert. Weiterlesen

Götterspeise

Götterspeise © Matthias Mala

Götterspeise © Matthias Mala

Drohnen bombardieren inzwischen tagtäglich irgendwelche Ziele im Mittleren Osten, doch wir hören und lesen nur selten davon. Wenn, hören wir meist nur davon, wenn irgendwo mal wieder eine Hochzeitsgesellschaft bombardiert worden ist. Eine so gesprengte Hochzeitsgesellschaft ist inzwischen zum Stereotyp für eine besonders feige, barbarische Kriegshandlung geworden; dementsprechend wird sie publizistisch ausgeschlachtet. Es geht dabei kaum um die Toten und Verwundeten, die an der Tafel saßen, tanzten und feierten, damit das Leben in einer liebevollen Verbindung seinen Fortgang findet – sie werden nur instrumentalisiert -, sondern es geht darum, die kriegstechnisch Stärkeren, die feigen Helden, in der Antike auch Thrafydeilen genannt, zu desavouieren. Das ist die billige Widertat des Unterlegenen, indem er als Opfer den Heckenschützen moralisch bloßstellt und dabei seine eigene Kriegsbeteiligung schönt – als wenn nicht jede Kriegsbeteiligung moralisch fragwürdig wäre. Das war schon im trojanischen Krieg gängige Propaganda. So schmähte man etwa Achilles zuweilen wegen seiner Niedertracht, während man die nicht minder tödliche Arglist des Odysseus besang.

Warum vor allem die Nachricht von der bombardierten Hochzeitsgesellschaft als besondere Boshaftigkeit und Hinterhältigkeit des Angreifers empfunden wird, liegt zweifellos an dem archaischen Bild, das mit dem gemeinsamen Mahl verbunden ist. Christis Abendmahl war sein letztes friedvolles Zusammensein mit seinen Jünger. Christus stiftete die Eucharistie vor seinem Martertod als transzendentale Gemeinsamkeit von Gläubigen und Gott. Sie ist ein Übergang vom irdischen zum himmlischen. Die Inkorporation des Gottes ist ein urmenschliches Ritual, dass wir bereits einübten, als wir begannen, gemeinsam am Lagerfeuer das erlegte Wild zu verspeisen. Heute wiederholen wir dieses Ritual tagtäglich in der Kantine, im Gasthaus, im Fastfoodladen und beim gemeinsamen Mahl in der Familie am Morgen oder am Abend. Weiterlesen

Gutmensch

Unselig sind alle, die unmenschliches im anderen erkennen. Unselig sind jene, die Unwörter bestimmen. Ein Unwort mag unmöglich, unbestimmt, unpassend und noch viele un- mehr sein. Doch wer die Wörter der Menschen als unaussprechliche denunziert und als Schweigewörter detektiert, der will zum einen nicht hinhören und zum anderen die Rede beschränken, weil er den Gedanken hinter der Rede nicht duldet. – Und weil die Darmstädter Sprachpolizisten mal wieder unsägliches verkündeten, reblogge ich diesen Beitrag von jobo72.