Weihnachtsansprache

Art trouvé African von Ruth Mala © Matthias Mala

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Weihnachtsansprache vom Bundesgaukler, Silvesteransprache von der Pfarrerstochter, Neujahrsansprache vom Oberpoppen … Niemand hört zu, niemand spricht darüber, nur mediale Oberfurzer kommentieren das Verblasene und Nichtgehörte.

Was bilden sich die Lackaffen denn nur ein, wie wichtig und bedeutend sie wären, auf dass ihre schmalen, von keinem Fettauge beschimmerten Gedanken … Gedanken? Das sind keine Gedanken, das sind Phrasen, Plattitüden, Gemeinplätze, verwortetes Styropor … Also, bilden die sich tatsächlich ein, wir haben ein Jahr lang unser Maul gehalten, um dann aus ihrem Mund noch einmal im Feiertagstempre zu hören, was man uns schon übers Jahr vorgekaut hatte?

Es ist Autokraten-, Gutsbesitzer-, Sklavenhaltermentalität, die das Jahresendsalbadern beflügelt. Der Kaiser, der Führer, der Präsident hier und überall sonst wo auf der Welt pflegen ihre festtägliche Logorrhöe in den Äther abzulassen. Ihre geschichtsklitternde Vergangenheitsbeweihräucherung und prognostische Futurflatulenzen blockieren ihre Synapsen jedoch nicht nur zur Wilden Jagd; nein, sie sind in ihrem Bocksgesang ein wesentlicher Teil derselben. Sie erschrecken die Bürgerschaft, treibt sie hinter die Öfen und lehrt sie das Fürchten vor der Obrigkeit, auf dass sie derart paralysiert ein Jahr Erholung benötigt, um sich von diesem Schock zu erholen und für den nächsten Jahresendschrecken zu rüsten.

Einmal, 1986, legte ein Schelm Helmut Kohls Neujahrsansprache vom letzten Jahr auf den Sendetisch, und es flimmerte sein Wiederkau über den Äther. Keinem fiel die Doppelung auf. Es war wie Dinner for One, the same procedure as every year! Doch der Fürst ein Riese von Mann und doch nur ein eitler Zwerg, war dumm genug, darauf zu bestehen, seine „neue“ Rede nachzusenden. Der Unterschied war zum einschlafen.

Nein, mystisch, spirituell ist diese Philippika nicht, doch kontemplativ erscheint sie mir unbestritten. Und letztlich hat sie eine Botschaft: stille Nacht, heilige Nacht …! Also mein Wunsch, an alle Wichtighuber, Würdenträger und G’scheithaferl, könnt ihr nicht zur nächsten Wilden Jagd einfach mal das Maul halten! Lasst dem Boandlkramer und den Geistern ihr Gepolter, es klingt schier prächtiger als eure scheinheilige Kakophonie.

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