Auf ein Wort von Gott zu Gott

Von Gott zu Gott © Matthias Mala

Von Gott zu Gott © Matthias Mala

Er reiste durch Indien, um Erleuchtung, Erkenntnis oder wenigstens ein noch tieferes Wissen von Transzendenz zu gewinnen. Er fragte sich weder vorher noch nachher was Erleuchtung, Erkenntnis oder Transzendenz sein könnten, denn er wusste es zu jeder Zeit, schließlich war er auf dem Weg. Was er wirklich suchte, sich aber nicht selbst zugestand, war Bestätigung. Gleichwohl verstand er sich als ein durch und durch spiritueller Mensch; deshalb konnte man mit ihm auch reden über was man wollte, spätestens mit dem dritten Satz war er bei seinem Thema: das Höhere Selbst und die göttliche Liebe.

So innerlich gefestigt traf er auf verschiedene Gurus, um ihnen zuzuhören, sie zu befragen und nach ihrer Zustimmung zu heischen. Dabei traf er überwiegend auf seltsame Gestalten. Der eine zeigte billige Zaubertricks, die andere massierte vorwiegend das dritte Auge ihrer Besucher, der nächste bat um eine Million Euro, um die Welt zu retten, wieder ein anderer empfahl Haschisch zu rauchen, bis man sich übergeben musste und dergleichen Absurditäten mehr. Selbstverständlich durchschaute er all die Verdrehtheiten der Gurus, aber er erkannte bei jedem auch die Essenz seiner Botschaft und achtete sie darob; quasi nach dem Motto: Er ist zwar ein Lump, doch er besitzt ein großes, weises Herz. Weiterlesen

Eskalation der verbalen Entmenschlichung

Der Hass und die Verachtung mit denen Menschen nachgestellt und geschmäht werden, deren Meinung nicht konform oder die im Dissens zur eigenen Meinung stehen, sind erschreckend und unwürdig. Unwürdig gegenüber den Geschmähten, aber ebenso unwürdig für die Schmähenden selbst. Erschreckend finde ich vor allem, dass jene, die sich als die Besonnenen wähnen, in ihrer verbalen Ausschreitung den Unbesonnenen in nichts nachstehen. Aus diesem Grund habe ich nachstehenden Beitrag von Jobo72’s rebloggt.

Jobo72's Weblog

Mir scheint, wir befinden uns derzeit regelrecht in einem Wettbewerb, wie man den Anderen, der im Verdacht steht, anders zu denken, am schonungslosesten schmäht. Diesem Anderen in erschreckender Maßlosigkeit die Daseinsberechtigung abzusprechen, scheint sich gerade zu einer Art Volkssport zu entwickeln. Das ist abstoßend und irritierend zugleich, weil es ja doch vorgeblich immer darum geht, damit etwas Gutes zu tun. Wer sich daran nicht beteiligen will, muss rechtzeitig aussteigen, bevor er selbst zum Opfer wird.

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Menschen aus anderen Kulturkreisen, Menschen, die anderen Religionen angehören (oder überhaupt einer Religion), Menschen, die anders denken, glauben oder leben als die Mehrheit, bedroht, verfolgt und in ihrer Würde verletzt werden. Ich möchte aber auch nicht in einem Land leben, das jedes Maß verliert, wenn es darum geht, sich derjenigen zu erwehren, die das – wider Moral und Recht – anders sehen. Verbrechen zu ahnden sollte…

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Mouches volantes

Mouches volantes © Matthias Mala

Mouches volantes © Matthias Mala

Viele Jahre schon legen wir uns zum Baden stets an dieselbe Lichtung am See. Es ist ein lauschiges Plätzchen, etwas abgesondert von den weitläufigen Liegewiesen rundherum. Ich mag es, auf dem Rücken liegend in den Himmel zu schauen und den Schwalben und Mauerseglern beim Tanzen und Gleiten zuzusehen. In den letzten Jahren wurden es immer weniger Vögel; dieses Jahr sind es nur noch vereinzelte, die ab und an im Himmel kreuzen. Dafür sehe ich nun die Mouches volantes deutlicher. Es sind feine Verklumpungen im Glaskörper des Auges, die einem tanzende Punkte, Figuren und Schleier im Himmel oder vor hellen Flächen sehen lassen. Schließe ich abwechselnd die Augen, veränderte sich dieser trügerische Tanz.

Jahr um Jahr waren es auch weniger Insekten, die uns auf unserer Wiese umschwirrten. Kaum noch Mücken, Fliegen oder Bremsen. In den letzten Jahren sah ich überhaupt keine Bremse mehr, deren Stiche ich besonders unangenehm empfand. Auch Bienen, Spinnen, Ameisen und Käfer sind rar geworden. Selbst die Wespen, die dieses Jahr angeblich eine Plage sein sollen, sind erheblich weniger geworden. Weiterlesen