Liebe, das unbekannte siebte Element

Rangoli © Matthias Mala

Rangoli © Matthias Mala

Losung

Schweigen wir über die Liebe. Die Liebe ist die Kraft des sich selbst erkennenden Geistes. Sich in seinem Nächsten zu erkennen, ist der Keim der Liebe. Im anderen aufzugehen, ohne sich zu verleugnen, ist der praktizierte Zauber der Liebe.

Versenkung

Liebe ist jenseits aller Magie. Liebe ist jenseits der Welt. Liebe ist jenseits des Geistes. Liebe ist heiliger Duft. Liebe ist die Aufhebung allen Gegenübers. Liebe ist Einkehr. Liebe ist All-Einsein. Liebe ist die Gegenwart Gottes. Die Idee von der Liebe ist Abkehr von ihr. Ihr nachzustreben mag den Strebenden adeln, doch Adel erhebt und sinkt nicht ein. Liebe lässt sich nicht suchen. Wer sie sucht, flieht vor ihr. Wer flieht, verhärtet sich. Liebe ist Gnade. Gnade sucht den Begnadeten. Der Begnadete ist bereit. Bereitschaft ist kein Weg. Bereitschaft ist Da-Sein. Bin ich bereit, mag mich die Liebe streifen, mag mich ihr Duft umwehen. Will ich sie erhaschen, greife ich ins Leere. Bereit zu sein ist das einzige, was bleibt. Bin ich in Liebe, bin ich jenseits des Ursprungs, bin ich jenseits allem Bekannten, bin ich in absolutem Schweigen. Kein Wort wird dieses Schweigen je aufheben. Hier ist keine Magie mehr. Hier ist Liebe, nichts weiter, nichts mehr. Liebe ist der Ursprung des Ursprungs. Was ohne Liebe ist, ist leer. Also ist Magie ohne Liebe nichts.

Kann ich lieben, ohne das Geliebte besitzen zu wollen?

Stimmung

Der Wind spielt mit meinem Haar. Ich sitze unter Bäumen, und mein Kreis besteht aus abgefallenen Gedanken. Zwanglos fließt das eine und das andere von mir ab. Ich wähle nicht aus. Ich bin das Befreite. Das Bleibende ist das Geliebte. Ich bitte darum, ohne Ziel auf meinem Weg voranschreiten zu können.

Quelle: Lied 77 aus dem Stundenbuch der weißen Magie

Advertisements

All Ein Sein

Sommertage © Matthias Mala

Sommertage © Matthias Mala

Es war ein heißer Tag, draußen brütete die Sonne. Die Stadt glühte förmlich, es war staubig und die Menschen schwitzten, rochen und waren grantig. Nur dort, wo es Kühlung gab, an den Brunnen, in den Freibädern oder in klimatisierten Kinos und Museen, wandelten sich die Menschen wieder, wurden freundlich und waren einander zugewandt.

In der Wohnung war es angenehm lau. Die Fensterläden waren geschlossen, die Fenster dahinter geöffnet. Das Licht war gedämpft, und es wehte eine kühlende Brise durch die Räume; denn die Türen standen offen und so konnte sich die Luft von der Schattenseite des Hauses zu seiner Sonnenseite austauschen. Die Gardinen blähten sich ab und an. Es tat gut, hier zu sitzen und eine kühle Limonade von frisch gepressten Limonen zu trinken. Man träumte, lauschte leiser Musik und plauderte.

Am Abend zog ein Gewitter auf. Während draußen die Temperaturen durch den Platzregen sanken, staute sich die verbliebene Wärme in der Wohnung. Nun war es in den Räumen stickig. Man ging hinaus auf die Terrasse und beobachtete das Unwetter. Als es abgezogen war, war es sehr still. Der Regen tropfte von den Blättern und die reglosen Bäume entfalteten nach der Erfrischung ihre Aura weit in die Dunkelheit hinein. Weiterlesen