Über den Sinn des Lebens

Sinnerkundung © Matthias Mala

Sinnerkundung © Matthias Mala

Nachstehend veröffentliche ich Gedanken aus einem Schriftwechsel, den ich vor kurzem führte. Wäre es nicht eine Freundin gewesen, die mir die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt hatte, hätte ich nicht darauf geantwortet. Ich wäre mir veralbert vorgekommen. So aber wusste ich um die Ernsthaftigkeit und überwand meine Vorurteile, denen ich bei solchen Ansätzen gerne nachgebe, um mich nicht veralbern zu lassen. Nachstehend also ein kurzer und gar nicht alberner Dialog zum Sinn des Lebens.

 

Ich möchte eine Frage stellen: Du kennst die Einkehr in Dich selbst, und Du kennst die Einkehr in den Raum (was womöglich dasselbe ist). Was würdest Du jemandem sagen, der Dich fragt, was der Sinn des Lebens ist? Nicht auf persönlicher Ebene, sondern übergeordnet und nüchtern? Warum IST das alles hier?

 

Deine Frage ist ja wohl die Frage aller Frage. Über die Antwort denken Schwellköpfe seit Jahrtausenden nach. Nun, egal, ich schüttele sie Dir mal so eben aus dem Ärmel: LIEBE!

Liebe in all ihren Erscheinungsformen, insbesondere aber in ihrer höchsten Ausformung: der Agape.

Okay, und ein anderer Gedanke ist folgender: Es gibt eine ursprüngliche Freude des unbewegten Bewegers an der Selbsterkenntnis, also schöpft die Bewusstheit Bewusstsein an seiner Schöpfung, und das ist Freude, und diese Freude ist Ausdruck höchster Liebe.

Also feiern wir den Gottesdienst Tag für Tag indem wir uns am Leben erfreuen. Manchmal aber ist es uns des Manna zuviel und dann fallen wir vorübergehend aus dem Himmel, um uns alsbald wieder in ihn hienieden zurückzuziehen.

 

Danke, da habe ich erst mal einiges zum Durchdenken (wobei es, laut Krishnamurti, ja nicht das Denken sein soll, das zur „Erkenntnis“ führt). Ich bin zur Zeit dabei, einfach mal alles zu hinterfragen, was ich so zu wissen glaube, was ich einfach so hingenommen habe oder bisher nicht hinterfragt habe. Will mir selbst herleiten, was herleitbar ist. Dabei bin ich an den Punkt gelangt, dass ich die Motive oder den Sinn – wie auch immer man es nennen mag – nicht einfach so herleiten kann. Dafür muss ich in den „Raum geschaut“ haben. Ich habe bisher einige Erfahrungen und Momente gehabt, die so etwas wie ein „wunschloses, unaufgeregtes, selbstloses Sein“ waren; das gibt mir aber auch keine Antworten; es zeigt mir nur einen erstrebenswerten Zustand, so ruhig und friedlich.

Wahrscheinlich habe ich den völlig falschen Ansatz gewählt. Erkenntnis wird einem geschenkt, sobald man von seinem Bewusstsein her dazu fähig ist, Es zu sehen. Dafür bin ich nur leider zu ungeduldig. Ich weiß heute weniger, als ich in jungen Jahren dachte, zu wissen. Und ein Konzept, von dem ich annehme, dass es Das erklärt, das habe ich auch nicht. Ich merke nur, was nicht Das ist. Und nicht einmal da kann ich mir sicher sein. Naja, ich denke, du merkst, es dreht sich im Kreis.

 

Der Sinn des Lebens lässt sich nur aus dem Leben herleiten. Jeder Mensch, der nicht tot ist, lebt. Doch die meisten leben vor sich hin, sie sind nicht lebendig, sondern funktionieren. Hierdurch sind sie dem Leben im metaphysischen Sinn entfremdet. Liebe ist in ihrem Leben selten. Wahrgenommen wird diese Liebe noch seltener. Diese Menschen sind unreflektiert.

Viele Menschen sind in Religionen verwurzelt und finden dort Antworten zu Fragen, die sie sich nicht wirklich stellen. Sie leben einen Sinn, der ihnen vorgegeben ist. Sie mögen, insofern sie wirklich gläubig sind, etwas lebendiger sein. Das bringt es schlicht mit sich, sobald man sich selbst nicht in narzisstischer Manier als Mittelpunkt der Welt versteht, sondern etwas Höheres um sich vermutet und einen Hauch von Demut zulässt.

Allerdings ist auch der Glaube an etwas Höheres nur ein ausblenden der Antwort, die Du längst gefunden hast, nämlich: Es gibt keine Antwort. Es gibt nur Achtsamkeit und Demut. Beides geht in spiritueller Hinsicht nicht ohne das andere. Das eine setzt das andere voraus. Mehr aber ist nicht möglich an Hinwendung zum Transzendenten. Alles mehr führt zu Distanz, zur Lieblosigkeit.

Es ist also sehr wenig, was ich Dir anbieten kann. Aber wie so oft, ist das Wenige und Einfache sehr schwierig zu leben. Wir sind so konditioniert, dass wir etwas tun müssen, um etwas zu erlangen. Hier aber ist es anders, unser Tun geschieht immer vor dem Hintergrund unserer Lebenserfahrung und damit ist es stets nur eine Modifikation des Bekannten. Das Bekannte kann aber nicht das Unbekannte erkennen. Keine Aktivität führt uns zur anderen Dimension! – Das gilt exakt im doppelten Sinne dieses Satzes.

Insofern liegst Du mit Deiner Erkenntnis des Das-ist-es-nicht richtig. Denn immer wenn Du glaubst, Du hast es, hast Du es garantiert nicht. Die Liebe, von der ich zuletzt sprach, ist eine himmlische Kraft. Himmlisches aber ist transzendent und nicht immanent. Mit unserer Weltsicht verharren wir notwendigerweise in der Immanenz. Alles, was wir somit rational wie emotional erfassen, ist zwingend diesseitig.

Nun gibt es aber Anmutungen, die uns nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Da beginnt der Irrtum. Denn jede Anmutung ist in dieser Welt, andernfalls wäre sie jenseitig. Gleichwohl empfinden wir den Auslöser der Anmutung als jenseitig. Das mag sein, doch die Anmutung von geistlicher Liebe bleibt dennoch unfassbar. Fassen wir nicht danach, bleiben unsere Hände offen und die Liebe wird nicht verengt.

Noch ein Versuch, zu skizzieren, was nicht zu skizzieren ist. Du bist ebenso in der Transzendenz wie in der Immanenz verankert. Es gibt eine Seinsform von Dir, die jenseitig ist. Sie kommuniziert mit dem Jenseitigen, nicht mit dem Diesseitigen. Sie ist von Liebe getragen. Sie ist Liebe. Ein spiritueller Mensch ist demnach dissoziativ. Und wie es bei gründlichen Dissoziationen nun einmal ist, weiß der eine Teil nichts vom anderen, doch beide Teile sind im selben Wesen zuhause. – Auch dies ist es nicht. Doch wenn Dich die Liebe berührt, wisst Ihr, dass Dies-ist-es-nicht doch das ist, was ist.

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