Gottes Gesicht

(ESA/NASA) Hubble-Aufnahme der Antennengalaxie

(ESA/NASA) Hubble-Aufnahme der Antennengalaxie

Pareidolie nennt man die Eigenschaft, in Dingen, die man betrachtet, Figuren zu erkennen. Das Wolkengucken ist wohl die bekannteste und von jedermann immer wieder durchgespielte Form der Pareidolie. In psychoanalytischen Erhebungen spielt zum Beispiel auch der Rorschachtest eine wichtige Rolle. Als Klient kann man dabei den Psychoanalytiker mächtig verwirren, wenn man in den Testbildern statt einer Pareidolie einfach nur Tintenkleckse sieht. Dafür ist man selbst analytisch aus dem Schneider, denn wo keine Phantasie, da auch keine Abartigkeiten, die einem der Analytiker unterschieben kann. Was wiederum ein Beleg dafür wäre, wie man seine Welt zwar konfliktfreier, jedoch in ihrem Ausdruck auch ärmer machen könnte, indem man sich nämlich gar keine Gedanken mehr machen würde.

Heute fand ich ein Bild vom Weltraumteleskop Hubble im Netz. Es zeigt die Antennengalaxie, die sich vor einigen Millionen Jahren bildete, als zwei Galaxien miteinander kollidierten. Am linken Rand der Galaxie sieht man eine sepiafarbene Kontur, die auf mich wirkt wie der gezeichnete Schattenriss eines Gesichtes. Ich sehe das Auge, eine flache Nase und ein wenig nach unten gezogene Lippen, als wäre da jemand mürrisch. Dem Kinn folgt ein Doppelkinn aus loser Haut, wie es ältere Menschen häufig haben. Das Gesicht wirkt auf mich überhaupt recht alt; wie auch anders, wenn zwei Galaxien sich treffen, muss viel Zeit verstrichen sein. Weiterlesen