Wahl

Wahlkreuz © Matthias Mala

Wahlkreuz © Matthias Mala

Das Wort „Wahl“ hat seine Wurzel im Verb „wollen“. Die Freiheit, etwas wählen zu können, ist vor der Wahl größer als danach. Denn die Möglichkeit der Auswahl hebt sich mit der Wahlentscheidung auf. Hatte ich zuvor noch beliebig viele Alternativen, so sind diese mit der Wahl allesamt verfallen. Zum Beispiel wird uns nach so manchen Kaufentscheidungen diese Beschränkung oft unangenehm deutlich. Denn dann beginnen wir, unsere Wahl noch einmal im Lichte des faktischen Ausschlusses aller Alternativen zu hinterfragen. Es ist quasi ein Prozess der Versöhnung mit unserer Wahlentscheidung, der dann stattfindet. Erst wenn diese Versöhnung ihren Abschluss im Guten fand, sind wir mit uns und unserer Wahl im Reinen. Andernfalls werden wir mir ihr dauerhaft hadern.

Nun wird uns seit geraumer Zeit von Neurologen erzählt, dass es mit dem menschlichen Willen nicht so weit her sei, da, ehe ein Mensch sich bewusst entschiede, bereits eine vorbewusste Instanz in seinem Gehirn, sich schon entschieden habe. Der Mensch folge also statt seinem Willen einem neurologischen Impuls; ergo sei auch sein Wille nicht frei. Der Physiologe Benjamin Libet (1916-2007) war der erste, der diesen als Bereitschaftspotential bezeichneten vorbewussten Impuls Anfang der 80er Jahre beschrieb. Zuletzt waren es Neurologen, die diese Feststellung mit bildgebenden Verfahren wieder in die Diskussion brachten. Allerdings hebt dieses Beobachtung weder den freien Willen noch die Wahl auf. Sie erklärt allenfalls etwas über das Zustandekommen unserer Gedanken. Weiterlesen

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