Wachstum

Wachstum

Wachstum © Matthias Mala

Der Turmbau zu Babel ist ein biblischer Mythos zur Hybris der Menschen, Gott herauszufordern. Als Strafe für diese Anmaßung kam die babylonische Sprachverwirrung über die Menschheit. Die Sage vom Turmbau kann aber auch als eine Metapher unkontrollierten Wachstums gedeutet werden. Jedenfalls haben wir kein Zeugnis dafür, dass die Menschen in Babylon bescheidener als wir gewesen waren? Wahrscheinlich huldigte man damals ebenso einem Wachstumsglauben wie heute, dass alles immer größer, weiter und besser werden müsste. Die Folgen werden dann auch damals, weil alles Wirtschaften einem Zyklus unterliegt, Rezession und die Verarmung großer Teile der Bevölkerung gewesen sein, die sich dann als Arbeitsemigranten in ferne Länder aufmachten und dort mit fremden Sprachen konfrontiert wurden. Das allein wäre schon als eine schicksalshafte Katastrophe empfunden worden. Wenn dann noch zugleich ein Erdbeben den schönen Turm zum Einsturz gebracht hätte, wäre die Geschichte stimmig. – Noch dazu weil Hochhäuser mit Rekordhöhen bislang in der Tat stets am Ende besonders starker ökonomischer Wachstumsphasen entstanden. Insofern sind Wolkenkratzer heute wie damals der Turm zu Babel auch ein Zeichen wirtschaftlicher Megalomanie und somit eher ein Merkmal dafür, dass wir aus unserer ökonomischen Geschichte nur wenig gelernt haben.

Deshalb möchte ich an eine andere Geschichte erinnern, nämlich die vom Hans im Glück. Weiterlesen

Rauchen verboten!

Eingang Krematorium KZ Dachau

Eingang Krematorium KZ Dachau © Matthias Mala

Ein Rauchverbotsschild an ein einem Torpfosten. Das Tor ist weit aufgestoßen. Eine gestutzte Buchenhecke säumt einen leicht geschwungenen Kiesweg. Neben der Hecke eine Mastleuchte. Bäume umrahmen einen barackenähnlichen Ziegelbau, auf dem Dach zwei Lüftungslaternen. Vor einer offenen Türe bewegen sich ein paar Leute. Eine Frau, ein Kind und ein Mann, in kurzen Hosen einen Buggy schiebend, gehen auf die Gruppe zu. – Das Foto zeigt den Eingang zum ehemaligen Krematorium des Konzentrationslagers Dachau.

Man sieht die Baracke X, das im April 1943 in Betrieb genommene zweite Krematorium, mit Leichenkammern, Desinfektionsräumen und einer als Brausebad getarnten Gaskammer. In der Gaskammer kam es nicht zu Massenvergasungen. Ob kleinere Gruppen von Menschen dort vergast wurden, ist nicht mehr sicher zu belegen. In dem Krematorium brannten bis Kriegsende vier Öfen. Von März 1933 bis zur Befreiung im April 1945 starben über 32.000 Menschen im Lager. Die meisten ihrer Leichname wurden ab 1940 in den beiden Krematorien im Lager eingeäschert.

Rauchen verboten! Ein Schild an diesem Ort. Weiterlesen

Sehen, was ist

Weg in und aus einem Labyrinth © Matthias Mala

Weg in und aus einem Labyrinth © Matthias Mala

Vor ihr lag das vor Jahrtausenden von einem Gletscher ausgewaschene Tal. Sie blickte hinab und sah, wie die Menschen beschäftigt hin- und herfuhren. Das Surren der Motoren drang leise bis zu ihr hinauf. Die Schatten der Bäume drehten über den Tag von Westen nach Osten. Wolkenschatten tanzten die Hänge hinauf und hinab. Die Farben des Tals veränderten sich mit dem Sonnenlauf. Nie war das Bild gleich.

Sie saß öfters an diesem Fleck, um ins Tal zu blicken und die Bewegungen dort unten aus der Stille um ihre Hütte zu betrachten. Oft erfasste sie dabei Frieden und ließ sie einfach nur schauen, hören und riechen. Da war keine Ablenkung, jede Bewegung ob in der Nähe am Haus oder in der Tiefe im Tal war gleichwertig. Nichts hob sich hervor. Allein übers Jahr veränderten sich die Stimmung, die Farbe, der Duft und auch die Geräusche, um im nächsten Jahr im gleichen Rhythmus wieder zu erstehen. Ihre Schau war häufig stille Einsicht. Weiterlesen