A Leich

Melancholie

Melancholie © Matthias Mala

Die Schneedecke war aufgebrochen. Daneben ein Haufen aufgeworfene Erde. Eine Grube, ungewöhnlich tief für ein Grab. Als das letzte Lied für die Verstorbene erklang, verstummten die Krähen, dafür sang eine Amsel. Reihum warf ein jeder eine Schaufel Erde auf den Sarg in der Grube und eine Handvoll Rosenblätter hinterher.

Im Wirtshaus fand man sich zur Leich ein. Die Wärme tat gut, und man dachte an die Kälte auf dem Friedhof. Ob die Verstorbene jetzt frieren würde? Nein, unter der Erde würde es ihr sogar warm werden. So sinnierte man vor sich hin, über die Tote, über ihr Leben, über dies und das und immer wieder gab es eine Verdrehung, die die Gesellschaft lachen ließ. Es war wie so oft auf einer Leich, Trauer und Witz vermischten sich, zur Melancholie des Übergangs. Denn jedes Sterben ist ebenso Verlust wie Gewinn von Leben. Es schafft Raum für Wandlung. Weiterlesen

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Spuren im Schnee

Spuren © Matthias Mala

Es hatte aufgehört zu schneien. Außerhalb der Stadt riss der Himmel auf und die Sonne beschien das eingeschneite Land. Es war kalt. Nur in windstillen Nischen spürte man die zunehmende Kraft der Sonne. Wir wanderten den Hügel hinauf zum Kloster und traten dabei eine frische Spur in den Schnee.

Ein jeder geht seinen Weg. Wir erkennen das, wenn wir uns umblicken. Die Spuren schnüren nebeneinander, wechseln, führen weiter, nähern und entfernen sich. Vor uns das Unbetretene, hinter uns das Durchschrittene. Ohne den Weg im Rücken stünden wir nicht hier, wo wir jetzt stehen. Unser Weg hat uns geformt. Vor uns das Offene. Wir haben die Wahl, wohin wir gehen. Mit jedem weiteren Schritt formen wir den Weg, der uns formt. Weiterlesen

Maskenball

Atelier-Ruth-Mala

Atelier Ruth Mala © Matthias Mala

Ein Kollege erzählte vor einer Sitzung von seinem Onkel, der einen Tumor im Kopf mit sich trug, der ihn bald dahinraffen sollte. Sie hörte am Rand der Runde zu. Später sprach sie ihn an, sie kenne eine Heilerin, die das bestimmt hinbekommen würde. Der Kollege winkte ab. Er wollte es nicht hören. Doch sie sprach weiter, obwohl sie weder den Onkel kannte noch den Kollegen kaum und nicht mehr wusste, als sie soeben am Rande mitgehört hatte: jemand stirbt an einem Gehirntumor.

Der sterbende Onkel war selbst jahrelang als Heiler tätig. Er hatte vielen die Hand aufgelegt. Weiterlesen